Noch bis zum 9. April ist im Berliner Museum für Islamische Kunst eine Ausstellung zu sehen, die sämtliche Klischees über Saudi-Arabien über den Haufen wirft. Die Ölnation hat ihre historischen Wurzeln entdeckt und präsentiert sie nun ebenso stolz wie werbewirksam in aller Welt. Das Ergebnis ist eine rasante Kulturschau, die selbst Experten islamischer Kunstgeschichte in Aufregung versetzt.
Besondere Highlights sind erstmals in Deutschland zu sehende Objekte der Kaaba und der Stadtgeschichte von Mekka. Als roter Faden ziehen sich Handels- und Pilgerrouten durch die Ausstellungspräsentation, entlang derer über Jahrtausende kultureller Austausch stattfand.
“Über diese Region wissen wir so gut wie nichts”, gibt Museumsdirektor Stefan Weber offen zu. “Viele Wissenschaftler haben dort Jahrzehnte lang nichts vermutet.” Das wird sich nun grundlegend ändern: Nach Paris, Barcelona und St. Petersburg ist Berlin bereits die vierte Station in Europa, die die archäologischen Schätze aus der saudischen Wüste einem breiten Publikum zugänglich macht.

Kaabatür Wahrscheinlich aus der Türkei 1045 H./1635-36 Silberblech, gehämmert, graviert und vergoldet, auf einem Holzkern 342 x 182 cm © National Museum, Riyadh
Wie hoch Saudi-Arabien selbst die Ausstellung einstuft, zeigt die Anwesenheit von Prinz Sultan bin Salman bin Abdulaziz Al-Saud bei der feierlichen Eröffnung am 25. Januar. Ali al-Ghabban, als Vizepräsident der “Saudischen Kommission für Tourismus und Antiquitäten” im Tross des königlichen Prinzen, sagtselbstbewusst: “Das Erbe ist wichtig für unsere Zukunft. Wir sehen darin auch eine Wirtschaftressource”. Derzeit baut das Königreich nicht weniger als elf historische Museen.
Kulturpolitisch ist “Roads of Arabia” eine absolute Sensation und präsentiert bisher vollkommen unbekannte spektakuläre Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte, des antiken Saudi-Arabiens und der islamischen Zeit: erste Faustkeile, 6000 Jahre alte anthropomorphe Stelen, monumentale ägyptisierende Kolossalstatuen, bezaubernde Glas- und Metallarbeiten der römischen Antike sowie Objekte der Keramikrevolution der islamischen Frühzeit. Chronologisch geordnet und räumlich in einer Ausstellungslandschaft inszeniert, werden die archäologischen Fundstücke auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern den Besucherinnen und Besuchern als unmittelbares Erlebnis präsentiert und bieten so ein einmaliges kulturhistorisches Panorama der arabischen Halbinsel.
Info: Roads of Arabia. Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. Eine Ausstellung des Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit der Saudi Commission for Tourism and Antiquities. Pergamonmuseum/Nordflügel, Am Kupfergraben, 10117 Berlin-Mitte. 26. Januar bis 9. April 2012, 10 – 18 Uhr (donnerstags bis 21 Uhr), 13 Euro (erm. 6,50 Euro), weitere Informationen hier



