Marokko nach dem Anschlag

Verfasst am 4. Mai 2011 von Laurent Piron

Seit gestern ist unser Mitarbeiter Laurent Piron vor Ort und berichtet

Gestern (Dienstag, 03.05.11) ist unser Mitarbeiter Laurent Piron nach Marrakesch gestartet. Seine Reise war seit längerem geplant. Er ist gefahren, nachdem er sich ein umfassendes Bild über die Sicherheitslage im Land gemacht hatte. Fortan wird er online aus Marokko berichten. Kurz vor seiner Abreise hat er die folgende Stellungnahme verfasst, die wir im Wortlaut veröffentlichen (Laurent schreibt und spricht als gebürtiger Belgier sehr gut Deutsch).

Letzten Donnerstag gab es in dem Café „Argana“ auf dem Jamaa el-Fna-Platz in Marrakech eine Explosion bei der 16 Menschen getötet und 25 Menschen verletzt wurden. Die Fahnder vermuten einen nordafrikanischen Al-Kaida Anhänger. Laut dem Innenminister weist dieser Anschlag Al-Kaida Merkmale auf. Zuerst wurde ein Selbstmord-Attentäter vermutet, jetzt soll aber nach neuen Informationen eine ferngezündete Bombe im Gebäude platziert worden sein. Aktuell wird nach einem jungen Araber gefahndet.

Diesen Sonntag gingen Tausende Marrokaner auf die Straße um gegen das Attentat zu protestieren. An den Kundgebungen nahmen neben den Gewerkschaften (Marsch des 1. Mai) auch zahlreiche Anhänger der Reformbewegung teil. Auf große Schilder war „Der Terrorismus fürchtet eine demokratische Verfassung“ zu lesen. Diese Demonstration am Sonntag war nicht die einzige schon vorher gingen Menschen auf den Straßen um zu protestieren.

König Mohammed VI besichtigte Samstag den Tatort um sich selber ein Bild zu schaffen und der Polizei aufzufordern die Ermittlungen zu beschleunigen. Seit letzte Woche wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Am Freitag kamen die Verkäufer wieder auf den Marktplatz um Ihre Waren zu verkaufen, Touristen waren ebenfalls zu sehen… In Marokko sollte am nächsten Tag das Leben weiter gehen, wie man schon in London im Jahre 2005 sehen konnte.

Seit einigen Wochen ist geplant, dass ich selbst für mehrere Tage nach Marokko reise. Seit gestern bin ich nun im Land. Um mir sicher zu sein, dass ich nach Marokko ohne Probleme reisen werde habe ich Kontakt mit Botschaften und mit Menschen aus Marrakech genommen. Diese Informationen möchte ich gerne vorlegen:

1. Stellungnahme des Leiters unserer Partneragentur in Marrakech (vom 29.4):

Dear Laurent,

Thanks for your email. It is very sad and we all are shocked about the attack.

We do not have already reliable and official information, there are lots of information in news and the web. But it looks that it was yesterday an isolated act of cowardice and that this will not affect the country. For such a criminal the Djemaa el Fna and a café like Argana with lots of tourists and local people around is a target for such a strike. Morocco had already high safety and security controls and we are sure that these measures will now even be tightened for the security of inhabitants and tourists.

It has nothing to do with a political unrest like in other Arab countries. Apart of some demonstrations (it is legal to demonstrate in Morocco, this is not forbidden) it is quiet; also the demonstrations (for new jobs, against corruption etc.) were peaceful and not against the government because we have free elections, a democracy and the opposition and islamist party is taking part in the government/parliament. There were damages in some cities on the 20th February, but it had nothing to do with demonstration, it happend after demonstrations ended peacefully. These were young raiders, several less than 15 years old, who damaged shop windows.

We are having many, many groups and private travellers right now in Morocco and also arriving these coming weeks. So far the tour operation is going on at it’s normal way. Of course all our tour leaders, drivers and local teams are always updated and very cautious. We are always in contact with our guides and drivers during the duration of a tour.

This much for the moment.

We wish to thank you for your sympathy and remain with best regards.

Mohamed

2. Information des Auswärtigen Amtes (Unverändert gültig seit: 29.04.2011):

Am 28. April 2011 ereignete sich in einem Café in Marrakesch eine schwere Bombenexplosion, die mehrere Todesopfer und Verletzte – darunter auch Ausländer – forderte. Die marokkanischen Behörden gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Das Auswärtige Amt rät – wie in allen Ländern der Region – zu erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere in der Nähe touristischer Anziehungspunkte und religiöser Kultstätten sowie an symbolträchtigen Daten, wie zum Beispiel hohen religiösen und anderen Feiertagen. Reisenden wird empfohlen, die örtliche Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen und den Weisungen der örtlichen Sicherheitsbehörden Folge zu leisten.

Während meinem Aufenthalt in Marokko werde ich über Internet Fotos und aktuelle Informationen mitteilen um Sie auf den laufendem zu halten.

Was meinen Sie? Kann man in diesem Sommer trotz des Anschlags nach Marokko reisen?

2 Kommentare zu „Marokko nach dem Anschlag“

  1. Laurent Piron sagt:

    Seit gestern Abend bin ich wieder in Deutschland und ich wollte Ihnen gerne meinen Eindruck von der Reise mitteilen.
    Während meinem Flug habe ich Touristen mit Skier gesehen, die gerade im Hohen Atlas unterwegs waren um dort Ski zu fahren. In Marrakech selber war es aber sehr schön warm nur am Abend war es etwas frisch, doch es reichte ein Pullover um sich wohl zu fühlen.
    Morgens konnte ich in Ruhe einige Orte wie den Jemaa el Fna oder die Souks besuchen denn zu diesem Zeitpunkt sind dort noch nicht so viele Menschen. Touristen waren ebenfalls zu sehen und einige Hotels waren ausgebucht. Dauernd kamen Menschen aus den Hotels in der Nähe des Platzes.
    Am Nachmittag waren es doch schon ein paar mehr Menschen, welche die Stadt besuchten und in den verschiedenen Cafes einen guten Tee tranken.
    Erst abends waren die Strassen voll und auf dem Jemaa el Fna waren sehr viele Menschen die (wie so oft) Waren verkauften, die Menschen animierten oder Touristen die dort in den Cafes saßen oder spazierten.
    Schlussfolgernd kann ich sagen, dass zwar in Marrakech noch immer Demonstration stattfinden, dass die Stadt sich aber nicht verändert hat. Die Menschen dort fühlen sich sicher. Viele Touristen nähern sich dem Cafe Argana um dort Fotos des Cafes zu machen. Ich habe mich persönlich sicher gefühlt, auch wenn ich mich dem Platz zuerst mit Vorsicht genähert habe. Ich habe mehrere Polizisten gesehen die dort Patrouille machten. Später bin ich dann noch einige Male an dem Cafe Argana vorbei gekommen.
    Seit Montag finden in dem Cafe Argana Bauarbeiten statt.

  2. Yvonne Rössler sagt:

    Laurent, unser Mitarbeiter aus Gerolstein berichtet live aus Marakesh: Momentan befinde ich mich in marrakech wo das leben normal weitergeht. Es sind überall touristen zu sehen auch wenn die anzahl gesunken ist sind doch einige hotels ausgebucht wie das hotel ilmichil (laut mohamed) in der nähe des jemaa el fna. Auch heute nachmittag war eine demonstration gegen das attentat und menschen standen vor dem cafe um die opfer zu gedenken ebenfalls waren dort viele blumen und plakate der einwohner der stadt um die opfer zu gedenken… Doch das leben geht weiter und die souks und der platz war voll mit menschen… Nach fahndungen der marokkanischen polizei in zusammenarbeit mit der französischen polizei wurden die täter aus safi gefunden.

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