Oman: Das Netz der Wasserkanäle

Verfasst am 5. Juli 2011 von praktikantIn

Erstaunliche Wasserversorgungssysteme im Sultanat

Wenn die Männer im Oman beieinanderstehen und sich unterhalten, dann können das natürlich viele Themen sein, die da besprochen werden. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit reden sie auch über Wasser. Denn je weniger Niederschlag es in einem Land gibt, desto größer ist die Bedeutung von Wasser.

In Oman wird die Verteilung des lebenswichtigen Nass seit mehreren Jahrtausenden durch ein weitläufiges Netz von Wasserkanälen geregelt, die sogenannte aflaj (Singular: falaj). Falaj heißt wörtlich übersetzt: „gerecht verteilen“. Und auch heute sind die Wasserrechte in den Oasen genau festgelegt. Ursprünglich wurde die Verteilung über die Sonne bzw. über die Sterne geregelt. Und über Jahrtausende hinweg wusste jeder ganz genau, wenn dieser bestimmte Stern an exakt jener Position ist, dann habe ich Wasserrecht.

Heute hat sich vieles verändert, die rasante Modernisierung hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Einige Oasen, welche die Kulturlandschaft des Omans seit alters her prägen, veröden und mit Ihnen auch die Bewässerungssysteme. Jedoch werden von den über 4.000 aflaj in Oman weiterhin zwei Drittel wie in alten Zeiten genutzt.

Der Rat der Dorfältesten ist weiterhin für die Pflege der Kanäle zuständig. Jedes Dorf, das einem aflaj-Verbund angehört, hat einen „wakil“, einen „Wächter des Wassers“. Dieser wird vom Dorfältesten bestimmt und ist für die gerechte Verteilung des Wassers zuständig.

Es ist jedoch nicht so, dass dieses Land einfach zu bewässern wäre, eine wahrhaft bewundernswerte Ingenieurleistung steckt hinter dem System. Wenn man bedenkt, dass das System um das 1. Jahrtausend vor Christus erfunden wurde, kann man nur staunen. Wasser kann durch die Systeme über eine Entfernung von bis zu 30km an die bewirtschafteten Terrassen herangeführt werden. Und zwar nicht nur über der Erde, sondern auch unter ihr.

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