96 Tage am Stück im Krankenhaus: Niemand hätte gedacht, dass es so lange dauern würde, am wenigsten die Patientin selbst. Umso besser, dass das zähe Warten nun ein Ende hat. Am Sonntag konnte Huda al-Dubai das Krankenhaus endlich verlassen – mit einem Herzen, das sie – mit etwas Glück und Umsicht – nicht mehr im Stich lassen wird.
Vor wenigen Wochen sah das noch ganz anders aus. Gleich mehrfach schwebte Huda in höchster Lebensgefahr. Zuletzt zermürbte sie ein entzündetes Knie, dass sich zu einem bedrohlichen Eiterherd auswuchs und ihren Krankenhausaufenthalt um Wochen verlängerte.
Immerhin kamen die Ärzte in der langen Zeit der Behandlung zu der Überzeugung, dass erneute Herzrhythmusstörungen, wie sie die Patientin unmittelbar nach der ansonsten erfolgreichen Herzoperation erlitt, wohl nicht mehr zu erwarten sind. Die lebensbedrohlichen Infarkte hatten die Ärzte dazu veranlasst, die Einpflanzung eines Defibrillators in Erwägung zu ziehen. Ein solches Gerät wird ähnlich wie ein Schrittmacher unter der Haut im Schulterbereich implantiert und kann Herzrhythmusstörungen durch gezielte Stromstöße beenden.
Mittlerweile geht man im Deutschen Herzzentrum Berlin jedoch davon aus, das es sich bei den Infarkten um einmalige Störungen handelte. Diese treten häufiger bei Patienten auf, die am offenen Herzen operiert wurden. Sie sind damit eine zwar lebensgefährliche, aber vorübergehende Erscheinung. Insofern wäre Huda zumindest in dieser Hinsicht dauerhaft außer Gefahr.
Doch hat die langwierige Behandlung enorme Kosten verursacht, die den Kostenaufwand der eigentlichen Operation bei weitem übersteigen. Selbst ohne die Implantation eines Defibrillators belaufen sich die Klinikausgaben auf mindestens 500 Euro pro Krankenhaustag. Das entspräche 48.000 Euro. Und selbst dieser Betrag wäre am Ende sehr wahrscheinlich kaum Kosten deckend.
Um Hudas Genesung nicht durch nachträgliche Geldforderungen zu gefährden und um auch den berechtigten Forderungen des Deutschen Herzzentrums Berlin entgegenzukommen, setzen wir ein letztes Mal auf die bislang so großzügige Spendenbereitschaft unserer LeserInnen. Aktuell fehlen noch 10.882,02 Euro. Wir danken allen SpenderInnen, die zu den bereits eingegangenen 37.117,98 Euro beigetragen haben, und freuen uns, wenn sich noch mehr Menschen finden, die Huda mit ihrem Beitrag unterstützen möchten.
Derzeit wohnt Huda zusammen mit ihrem Onkel im nahe der Klinik gelegenen Ronald-McDonald-Haus, einer Einrichtung der McDonald’s-Kinderhilfe-Stiftung, die als “Zuhause auf Zeit” für Eltern und Angehörige auswärts wohnender, schwer kranker Kinder gedacht ist. Da Hudas Knie immer noch entzündet ist, muss sie etwa alle zwei Tage zur ambulanten Untersuchung in die Klinik. Außerdem erhält sie Antibiotika, um eine erneute Vereiterung des Kniegelenks zu verhindern.
Ihr Herz bereitet ihr keine Probleme mehr. Nachdem sie nun das Krankenhaus verlassen durfte, steigen daher ihre Hoffnungen, bald auch in den Jemen zurückkehren zu können. Wann das der Fall sein könnte, hängt allerdings ganz von den Ergebnissen der Untersuchungen ab. Huda muss also erneut warten. Immerhin: Außerhalb der Klinik wird ihr das sehr viel leichter fallen als bisher.



