Iran: Über den Persischen Golf ins Zagros-Gebirge II

Verfasst am 6. August 2010 von Julietta Baums

Auf neuen Wegen von Masqat (Oman) bis Shardjah (Vereinigte Arabische Emirate)

Die Artikel ist Teil 2 von 7 in der Serie "Iran und Oman, Reise Julietta Baums Juli 2010"

Sonntag, 11. Juli 2010, in Shardjah

Heute Morgen haben wir unseren “Braven” (Sharifahs Bezeichnung für unseren Landcruiser) zum Hafen hier in Shardjah gebracht und den Papierkram für das Auto erledigt.

Dankenswerterweise haben Ibrahim und sein Bruder Said auch hier in den Emiraten Verwandte, in deren Haus wir bis morgen zu Gast sind und die uns in Shardjah herumkutschieren. Denn einzukaufen und zu erledigen gibt es viel.

Wie immer war die Zeit vor dem Abflug sehr knapp. Ibrahim ist mit Muri gleich am Freitagabend nach Masqat geflogen, dem Abend des letzten Schultages. Ich bin mit Sharifah am Montag nachgekommen. Im Sommer erschlägt einen die Hitze geradezu, wenn man in Masqat nach dem Nachtflug mit der Oman Air aus dem Flieger steigt. Mehr als 40 Grad zeigte das Thermometer. Gefühlt waren es wegen der hohen Luftfeuchte mehr als 50 Grad …

(Dienstag, 06. Juli 2010 und Mittwoch, 07. Juli 2010: Abstecher nach Sur)

Entsprechend sind wir schon am Dienstagabend weiter nach Sur gefahren, Stippvisite bei der Familie. Der Zyklon Peth hat immense Verwüstungen verursacht, insbesondere im Stadtteil Bilad. Hier sind die Häuser bis zu einer Höhe von etwa 2 Metern überschwemmt worden. Die braunen, lehmigen Fluten haben die Räume verschlammt und alle Einrichtungen und Installationen zerstört. Noch warten die Menschen auf die angekündigten staatlichen Hilfen und leben sehr provisorisch in ihren mühsam gesäuberten, aber noch nicht instand gesetzten Häusern. Kaum jemand hier wäre in der Lage, sein Haus aus eigenen Mitteln zu reparieren – und Versicherungen sind traditionell abgesehen von Fahrzeugversicherungen im Oman wenig verbreitet.

(Donnerstag, 08. Juli 2010: Fahrt nach Rustaq)

Zurück in Masqat geht es am Donnerstag ans Packen des Wagens. Die Küchenkiste, Matratzen und Gepäck sind schnell verstaut. Das neue australische Dachzelt hatte Ibrahim vor wenigen Tagen in Dubay erworben und gleich montiert. Problematischer sind die neuen Halterungen für insgesamt vier Benzinkanister. Die passen nicht so richtig und müssen mit viel Geduld und ein bisschen Gewalt an den Seiten befestigt werden. Die Kids vergnügen sich derweil mit Schokopops (und Muri hat am Abend Durchfall von dem Zeugs…).

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Endlich geht es los! Da es ein wenig spät geworden ist, beschließen wir, nur bis Rustaq zu fahren und dort in einem einfachen Hotel zu übernachten. Unser Plan für die kommenden beiden Tage ist die Erkundung einer neuen Route von Musandam durchs Landesinnere für unsere beliebte Reise “Dhufar&Hadjar”. Seither die Durchfahrt der Wadis Bih und Khabb Shamsi am Südrand von Musandam gesperrt ist, müssen wir nämlich bei dieser Reise einen (wie wir finden) unschönen Umweg zur Ostküste bei Suhar fahren.

Sobald wir die Küste hinter uns lassen, wird die Hitze erträglich, weil trocken. Erst in der Dunkelheit treffen wir in Rustaq ein und nehmen uns ein Appartment im dortigen Guesthouse. Ibrahim war hier zuletzt als Produktionsleiter mit dem Filmteam, das die dreiteilige Serie “Abenteuer Arabien” drehte. Im lokalen “Hypermarket” suchen wir nach einer Aba’ für mich, also nach einem dieser schwarzen Umhänge, die mich comme il faut im Iran kleiden sollen. Aber wir finden nichts Passendes.

(Freitag, 09. Juli 2010: Im Hadjar al-Gharbiyah)

Am Freitagmorgen fahren wir – gefühlt ist es taufrisch, keine Klimaanlage notwendig – zunächst ins Bergland hinein.

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Etliche Datteln wie hier im Wadi Sahtan wurden bereits geerntet; an vielen aber hängen noch die von goldorange bis tiefviolett leuchtenden Früchte. Wir fahren zunächst zu unserem Campplatz nahe Djafr und beginnen dort mit der Aufzeichnung der Route per GPS.

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Im vor einigen Jahren asphaltierten Wadi Bani Kharus entdecken wir ein Hinweisschild nach Muri – das müssen wir natürlich fotografieren!

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Bald verlassen wir die Teerstraße aber wieder und suchen uns durch die Wadis einen Weg gen Emirate. Hier ein paar Impressionen von der Strecke, die wir ab dem Herbst mit unseren Reisegruppen (in umgekehrter Richtung) fahren werden:

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Am späten Nachmittag hält uns nur eins vom Zelten ab: Wir haben unsere Trinkwasserkanister nicht gefüllt und entsprechend kein Wasser für eine Zeltnacht. So beschließen wir, unser Glück in Hatta zu probieren. Unglücklicherweise ist aber Freitag und das Hatta Fort Hotel ausgebucht. Deswegen müssen wir die komplizierten Visumformalitäten noch an diesem Abend erledigen – und das kostet unvermutet viele Nerven. Denn wir sind an einem Checkpoint der Omanis herausgekommen, der östlich von Buraymi liegt. Dort haben wir unsere omanischen Visa entstempeln lassen und sind noch ein ganzes Stück gen Norden bis Hatta gefahren. Der emiratische Posten bei Hatta akzeptiert aber nur solche entstempelten omanischen Visa, die bei dem zu Hatta gehörigen omanischen Posten entstempelt wurden. Entsprechend müssen wir nun etwa 20 Kilometer nach Osten durchs Wadi Jizi bis zum dortigen omanischen Posten fahren. Inzwischen ist es stockduster geworden, und die Kids haben Hunger. Mit viel Überredungskunst gelingt es Ibrahim, den Beamten im Wadi Jizi dazu zu bewegen, uns ein neues omanisches Visum zu geben und dieses auch gleich wieder zu entstempeln, damit wir den richtigen Stempel am emiratischen Posten vorweisen können. Die gesamte Prozedur kostet uns ca. 2 Stunden. Es ist nahezu 2100h, als wir an einem Motel ankommen – der einzigen Übernachtungsmöglichkeit Hattas abgesehen vom Hatta Fort Hotel. Für unsere Tour werden wir solche Ärgernisse vermeiden, indem wir die Ausreise aus den Emiraten und die Einreise nach Oman komplett bei Buraymi erledigen!

(Samstag, 10. Juli 2010: Von Hatta nach Shardjah)

Das emiratische Visum in der Tasche fahren wir stracks nach Shardjah. Immer wieder bin ich von der Megalomanie der Emirate erschlagen – und wenn es sich nur um die sechsspurigen Umgehungsstraßen von Dubay handelt.

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Zunächst brauchen wir die Fährtickets nach Bandar Abbas. Die erhalten wir im Office der Schiffslinie Valfadjr. Der nette Manager erklärt uns auch gleich, was wir alles machen müssen, damit unser “Braver” mit uns auf Tour gehen kann. Ibrahim hatte bereits in Masqat ein Carnet de Passage besorgt. Damit und mit den Wagenpapieren müssen wir am Sonntag zum Zoll und den Wagen anschließend am Hafen abgeben. Einen Wermutstropfen gibt es aber: Das Schiff fährt erst 12 Stunden später als geplant. Neuer Abfahrtstermin ist Montag, 1000h statt Sonntagabend. Entsprechend werden wir mitten in der Nacht in Bandar Abbas eintreffen – weiß der Himmel, ob wir dann Geld tauschen können!

Bei unseren Verwandten in Shardjah verbringen wir die heißen Mittagsstunden dösend und gehen abends shoppen. Denn ich brauche noch die besagte Aba. Bei der Gelegenheit kaufen wir außerdem Djallabiyas und Kinderklamotten – zu einem Bruchteil des Preises, den man hier in Deutschland zahlt.

(Sonntag, 11. Juli 2010: Einkäufe in Shardjah)

Mit Hilfe von Salah, einem Cousin von Ibrahim, klappte das “Einchecken” des Wagens heute Morgen übrigens reibungslos. Im Hafen von Shardjah liegen jede Menge Schiffe aus Iran, Pakistan und Indien. Darunter teils noch hölzerne Schiffe, also richtige “Dhaws”. Transportiert wurden an den Kais, die wir gesehen haben, hauptsächlich Fahrzeuge und Fahrzeugzubehör. Darunter jede Menge alter, abgefahrener Reifen.

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Nach der obligatorischen Siesta stand noch mal Shoppen auf dem Programm, diesmal standesgemäß im Geländewagen von Ibrahims Cousin, der zur Freude der Kids mit einem DVD-Player ausgestattet ist (Der coole Emirati auf dem Bild ist Ibrahim … fett mit Sonnenbrille, Agal und weißem Kopftuch).

 – Cooler Emirati, oder? Ibrahim mit Sonnenbrille und allem Zubehör
– Cooler Emirati, oder? Ibrahim mit Sonnenbrille und allem Zubehör

Erster Stopp bei Ikea, um eine Küche für die Großmutter in Sur auszusuchen und anschließend in einen großen Technikmarkt, in dem es die qualitativ hochwertigen Dachzelte aus Australien vor Beginn der Saison zu einem Sonderpreis gibt.

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Wir haben alle drei in Shardjah vorrätigen Zelte gekauft und verfügen so über einen Bestand von vier Zelten, die wir ab sofort an unsere Privatreisenden vermieten können. Diese Zelte erweitern den Radius unserer Gäste beträchtlich. Denn mit den einfach aufzuklappenden Zelten mit einer bequemen Matratze (140×200 cm) und einer Firsthöhe von ca. 1 Meter sind sie nicht mehr auf Hotels angewiesen. Egal, ob in der Wahiba oder an der Küste des Indischen Ozeans auf dem Weg nach Salalah: In weniger als einer Viertelstunde steht das Zelt – einen großartigen Ausblick vom Wagendach aus inklusive. Zusätzlich vermieten wir die dazu passende Küchekiste mit Gaskocher und Wasserkanistern. Unsere Kids waren jedenfalls vom Zelt mehr als begeistert!

 – Zeltplatz im Zagros-Gebirge. Das Zelt kann nach Wunsch seitlich oder nach hinten aufklappend montiert werden.
– Zeltplatz im Zagros-Gebirge. Das Zelt kann nach Wunsch seitlich oder nach hinten aufklappend montiert werden.
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