Bis in die Bestsellerliste der „New York Times“ hat es das neue und gleichzeitg vierte Kinderbuch der jordanischen Königin Rania Al-Abdullah geschafft und scheint damit ein großer Erfolg zu werden. Dabei ist das Thema weniger leichte Kost als es die Inhaltsangabe vermuten lässt: zwei Freundinnen packen auf dem Schulhof ihre Pausenbrote aus und geraten in Streit darüber, wessen Brot denn nun das „fiese und eklige“ ist.
Die Brote symbolisieren dabei unterschiedlich kulturelle Wahrnehmungen. Das eine Mädchen nämlich packt Weissbrot mit Erdnussbutter aus, während ihre Freundin Fladenbrot mit Kichererbsenmus in der Schultasche hat. Welches aber ist nun das „verkehrte“ Brot?
Königin Rania, die bereits „Diana des Nahen Ostens“ genannt wird, unterstützt weltweit den Frieden und die Gewaltfreiheit. Dafür erhielt sie bereits zwei Auszeichnungen: zum einen im Jahr 2002 den deutschen Medienpreis und zum anderen 2007 den Bambi. Der Erlös ihres neuen Buches soll der Bildungs-Initiative „Madrasati Jordan“ zugute kommen und den Bau von 500 staatlichen Schulen unterstützen. Dazu nutzt die sympathische Königin ihre Popularität generell, um besonders die Belange der Frauen und Kinder zum Thema Gleichberechtigung und Bildung zu vertreten.
Die interkulturelle Problematik, die in ihrem Buch angesprochen wird, findet dort auch ein so glückliches Ende, wie es in Kinderbüchern zu erwarten ist: Die Freundinnen tauschen schliesslich ihre Brote und sind wieder glücklich miteinander. Das „Andere“ kann also auch angenommen und akzeptiert werden.
Ganz so einfach ist es in der Realität jedoch nicht. Nachdem das Buch auf Englisch erschienen ist, wurde es nun ins Arabische übersetzt. Es dann aber auch noch ins Hebräische übersetzen zu lassen, also die Sprache der israelischen Bevölkerung, verweigert die Autorin allerdings. Und dies, obwohl die Parallelen zum israelisch-arabischen Dauerkonflikt auf der Hand liegen und in dieser Form einen ganz neuen Ausdruck finden.
Zwischen dem kindlichen Geplauder sowie der leichten Darstellung eines schweren Konfliktes und der Übersetzung des Buches in die Sprachen der Betroffenen scheinen demnach doch noch Welten zu liegen. Schade.




Danke für den Hinweis! Tatsächlich sind die Meinungen da unterschiedlich: die einen schieben die bisherige Verweigerung einer Übersetzung ins Hebräische auf den Buchverlag, die anderen glauben, Königin Rania hätte die Übersetzung auch direkt anbieten können, um der Aussage ihres Buches mehr Überzeugungskraft zu verleihen. Hätte sie wirklich einen so offenen Umgang mit der israelisch-arabischen Problematik, müsse sie ja nicht bis auf eine mögliche Nachfrage einer Übersetzung warten. Mal sehen, wie sich die Diskussion da weiter entwickelt; möglicherweise ist die Auseinandersetzung mit dem Thema durch dieses Buch auch schon ein Schritt aufeinander zu.
Vielleicht lesen Sie mal diesen Artikel – die Geschichte mit der Verweigerung einer Übersetzung ins Hebräische ist möglicherweise gar nicht wahr:
http://www.haaretz.com/news/international/jordan-queen-rania-never-got-offer-to-publish-hebrew-translation-of-her-book-say-official-sources-1.302169