Wenn einer eine Reise tut …

dann ist es immer ganz gut, schon vor Reisebeginn ein paar Tipps an der Hand zu haben, die einem das Leben leichter machen. Auch im Iran gibt es die ein oder andere landestypische Besonderheit, die einen unerwartet trifft oder vielleicht sogar verärgert. Hier kommen also meine sieben ultimativen Tipps, um aus einer Iran-Reise ein rundum vergnügliches Abenteuer zu machen:

Kulinarische Highlights

Hunderte von Kochbüchern bestätigen, dass die iranische Küche eine unermessliche Vielfalt an regionalen Gerichten bietet, darunter zahllose Gemüse- und Fischgerichte, aromatisiert mit Kräutern und exotischen Gewürzen. Viele Reisende sind allerdings vor Ort enttäuscht, wenn sie in den einfacheren Restaurants immer wieder fleischlastige Gerichte wie Kebabs aus Huhn, Rind oder Lamm angeboten bekommen. Das kann mit Zeit wirklich nervig sein, zumal wirklich vegetarische Gerichte auf den Speisekarten nur schwer zu finden sind.
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In Luxusrestaurants ist die Auswahl bedeutend größer und es bleiben selten kulinarische Wünsche offen. Diese Art des Reisens ist allerdings für viele keine Option, also was tun? Eigentlich ganz einfach: So gut wie jedes Restaurant bietet neben den Kebabs auch mindestens ein Gericht aus der lokalen Küche an, oft einen Eintopf. Deswegen lautet meine Devise: Bestelle immer das Unbekannte!
Wer kein großer Fleisch-Fan ist, dem empfehle ich das Salat-Buffet. Solche Buffets findet man in den meisten Restaurants größerer Städten vor. Hier kann man sich durch Suppen, Joghurts, frische Salate und eingelegtes Gemüse durchschlemmen.

Auch Meeresfrüchte und Fisch sind meist dabei. Insbesondere bei den in Essig oder Salzlake eingelegten Gemüsen – Torchi genannt – muss man sich auch keine Sorgen um etwaige Magenprobleme machen. Besonders delikat sind beispielsweise eingelegte Knoblauchzehen und in Estragon-Gürkchen, aber auch Gemüse aller Art wie Zucchini und Auberginen, Tomaten und Bohnen.

Die Besteckauswahl

Die meisten Iraner essen mit Messer und Löffel. So seltsam uns es auch erscheinen mag, Fleisch mit einer Gabel zu zerkleinern – unseren Gastgebern ist wiederum das Essen von Reis mit einer Gabel fremd. Wo liegt aber das Problem? Jedem das Seine!
Merke: Unsere Gabel wird im Iran wie ein Messer benutzt, und mit der linken Hand geführt. Unsere Gabel wird im Iran durch einen Löffel ersetzt, und dieser wird mit der Rechten gehalten.

Die Kaffeesucht stillen!

Für viele, die bereits auf Alkohol schmerzlich verzichten müssen, scheint ein starker Kaffee die letzte Rettung zu sein. Ich muss Sie leider enttäuschen! Kaffee ist im Iran kein populäres Getränk und meist von schlechter Qualität. Es gibt morgens allenfalls Instant-Kaffee zu trinken. Daher steigen die meisten auf den traditionell aufgegossenen iranischen Tee um.
Dieser wird – anders als in den arabischen Ländern – stets ohne Zucker aufgekocht. Der Zucker wird als eine Art Würfelzucker – gepresster weißer Zucker in Klümpchen von sehr unterschiedlicher Größe – separat gereicht. Man nimmt sich ein Stückchen passender Größe und klemmt es sich zwischen die Zähne. Dann trinkt man den Tee „über“ den Zucker, bis sich das Klümpchen aufgelöst hat. Es ist nicht unfein, den Zucker mit der Hand aufzunehmen, und es ist auch nicht unschicklich, dezent nach einem passenden Stückchen zu „wühlen“. Da wir uns in einem Feinschmeckerland befinden, gibt es neben dem einfachen auch aromatisierten Zucker. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Safranzucker und Zitronenzucker – übrigens auch beliebte Mitbringsel!
Aber nochmal zurück zum Kaffee: Drei Optionen auf einen Kaffee kann ich Ihnen dennoch bieten:
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    1. Besucher der Stadt Esfahan finden im armenischen Viertel der Stadt landestypische, aromatischen Kaffeespezialitäten.
    2. Manchmal bekommt man einen frischen Espresso in den Hotel-Restaurants von Tehran, Isfahan und Shiraz. Unbedingt fragen!
    3. Bei unseren Expeditionsreisen führen wir manchmal eine kleine Espressokanne und den dazu passenden Espresso mit – das ist aber abhängig von der Saisonzeit, da wir solchen Espresso aus Europa importieren müssen und nicht immer die Gelegenheit haben. Wer morgens in jedem Fall eine Tasse heißen, schwarzen Espresso trinken möchte, kann sich ja sicherheitshalber selbst ein kleines Paket Espresso mitbringen

Verwirrende Zahlungsmittel

Über die letzten Jahrzehnte hinweg und besonders mit dem Beginn der Sanktionen hat die iranische Währung, der Rial, stark an Wert verloren. Die unzähligen Nullen auf den Geldscheinen machen die Sache nicht leichter. Nachdem Sie Ihre Euros oder Dollar in Rial getauscht haben, fühlen Sie sich wie ein Millionär! Bis Sie sich über den wirklichen Wert bewusst werden.
Klar, dass das iranische Alphabet nicht unserem Alphabet entspricht und Sie nicht in der Lage sein werden, viel zu entziffern. Aber stellen Sie sich vor, auch Zahlen erscheinen Ihnen als Hieroglyphen. Das macht den Einkauf von Waren nicht unbedingt einfacher. Und wenn Sie dann nach dem Preis fragen, bekommen Sie unterschiedliche Antworten, die Sie komplett verwirren. Der Grund: Die offizielle Währung ist der Rial, aber im öffentlichen Leben wird der Toman als Einheit verwendet. 10 Rial entsprechen 1 Toman. So weit, so gut denken Sie. Nur: Seitdem der Rial so an Wert verloren hat, zahlen man schon mal leicht 300.000 Rial, also 30.000 Toman für ein Essen (was etwa 10 EUR entspricht)! Die findige Lösung der Iraner: Man streicht noch ein paar Nullen und beziffert den Betrag mit 30 Toman …
Ehrlich gestanden komme ich selbst auch immer wieder durcheinander. Dazu trägt bei, dass uns einige Preise wirklich lächerlich niedrig vorkommen, so zum Beispiel für lokale Lebensmittel, wogegen andere Preise wie beispielsweise für importierte Waren, deutlich über deutschem Niveau liegen. Was bedeutet, dass es sehr schwer ist einzuschätzen, welche Einheit – also der Rial, der „kleine“ oder der „große“ Toman nun gemeint war.
Mein Tipp: Bitten Sie die Verkäufer, den Preis in Rial entweder aufzuschreiben oder in einen Taschenrechner einzutippen. Vergessen Sie den mündlich genannten Preis. In Rial finden Sie sich zurecht und nur in dieser Währung denken Sie.
Übrigens bin ich in Iran noch nie in Gelddingen geprellt worden. Wenn ich mich vertan habe, hat mit der Verkäufer stets anstandslos den richtigen Wechselbetrag zurückgezahlt, oder lächelnd aus meinem Geldstapel die richtige Anzahl Scheine genommen. Das ist entsprechend meine zweiter Tipp: Wenn es gar nicht klappt, dann halte ich dem Mann einfach mein Geld hin und schaue zu, was er sich nimmt.
Achtung: Ausländische Kreditkarten werden nicht akzeptiert und nur wenige Ladenbesitzer nehmen Euros oder Dollar. Nehmen Sie deswegen immer ausreichend Bargeld mit und tauschen Sie zeitig.

Sanitäre Anlagen

Fast alle öffentlichen Toiletten und Restauranttoiletten sind Hocktoiletten, bis auf behindertengerechte, welche allerdings nur schwer zu finden sind. Toilettenpapier ist meist nicht vorhanden, also präparieren Sie sich! Toilettenpapier bitte möglichst in die bereitstehenden Abfalleimer werfen, und nicht in die Toiletten, da die Abwassersysteme eben nicht darauf eingerichtet sind.
Die meisten iranischen Häuser und Hotels sind dagegen mit Sitztoiletten und Toilettenpapier ausgestattet.

Kundenservice

Das ist nun ein weites Feld … Bitte erwarten Sie kein europäisches Dienstleistungsbewusstsein. Wenn Sie beispielsweise in einem Hotel etwas zu beanstanden haben, dann sprechen Sie das an der Rezeption freundlich an, seien aber auch darauf vorbereitet, dass nicht sofort Abhilfe geschaffen wird. Höflichkeit ist alleroberstes Gebot, und selbst wenn man Ihnen nicht weiterhelfen kann, wird man dies aus lauter Höflichkeit nicht sagen. Andersherum erwartet man aber auch von Ihnen, selbst bei wiederholten Reklamationen, stets höflich zu bleiben.

Straßenverkehr

Vermutlich ist Ihnen zu Ohren gekommen, dass es auf iranischen Straßen meist chaotisch und verrückt zugeht. Erwarten Sie auf keinen Fall, dass an einem Zebrastreifen für Sie angehalten wird. Warten Sie eine halbwegs passende Lücke auf dem ersten Teilstück ab und bewegen sich dann zielgerichtet und ohne Stocken auf die andere Straßenseite zu. Versuchen Sie dabei, einen Augenkontakt zu den Ihnen entgegenkommenden Fahrern aufzubauen. Iranische Fahrer sind bekannt für scharfe Bremsungen und schnelles Reaktionsvermögen.

Autor: Julietta Baums