Oman Linsbauer 2-6

Mit dem Mietwagen nach Nizwa
Wir fahren mit unserem kleinen Mietwagen durch eine Mondlandschaft: scharf, felsig, trocken und voller Steine. Aber die Straßen sind erstklassig und der Verkehr gemäßigt. Sobald wir auf der Autobahn die erlaubten 120 Stundenkilometer übersteigen, mahnt uns ein Piepton im Auto zur Mäßigung. Ist auch besser so, denn alle paar Kilometer lauern Radarampeln am Straßenrand. Wir wollen eine Pause in der Stadt Fanja machen, die laut unserem Reiseführer als besonders sehenswert gilt. Nach etlichen Kurven und Abzweigen sind wir aber unsicher, ob wir tatsächlich in Fanja sind.

Egal: Der an einen steilen Hang gebaute Ort ist wunderschön und wirkt durch einige halb zerfallende Lehmhäuser spannend. Je höher wir spazieren, desto grüner wird der Ort. Ursache dafür ist eine Quelle, deren klares und überraschend warmes Wasser über einen schmalen offenen Lehmkanal nach unten geleitet wird. Rundherum wachsen Dattelpalmen, in deren Schatten Getreide angepflanzt ist. Die Wasserkanäle sind immer wieder unterbrochen von Badestellen, die mit gekachelten Mauern umgeben sind. Die vereinzelten Handtücher über den Mauern verraten hier und da, dass ein Mann badet. Ganz oben im Ort entdecken wir eine Badestelle speziell für Frauen. Einige Meter weiter begrüßt uns wieder die Mondlandschaft.Oman Linsbauer 2-3In Bidbid schaue ich mir eine alte Festung an. Spielende Kinder entdecken mich und rufen ihre Mutter, die mich spontan in ihr Haus nebenan einlädt. Wir wissen nicht, ob die Einladung auch für meinen Mann galt – er wartet deshalb mal draußen. Die Frau führt mich in einen Innenhof, dort sitzen noch zwei jüngere Frauen, das Alter der drei ist schwer zu schätzen. Meine Freude über die Gastfreundschaft ist so groß wie meine Verunsicherung: Wo soll ich mich hinsetzen? Was gilt als angemessen, was als unhöflich? Ich rede ein paar englische Sätze, was zu einem allgemeinen Kichern führt. Eine der Frauen spricht wohl einige Brocken englisch, ist aber zu schüchtern, um zu reden. Immerhin versucht sie, einzelne meiner Wörter zu übersetzen – noch mehr Kichern. Nach einigen Minuten beschließe ich, zu gehen. Mich frustriert, dass wir uns nicht verständigen konnten.

Deshalb will ich ab jetzt immer die Kamera bei mir tragen, um bei der nächsten Begegnung wenigstens die darauf gespeicherten Bilder meiner Heimat zeigen zu können.

Der nächste Stopp führt uns nach Izki. Die Leute hier wirken etwas offener, eine Frau begrüßt uns strahlend mit „Welcome to Oman“. Die Bewohner möchten uns etwas zeigen, und ein junger Mann macht sich mit uns spontan auf den Weg. Er führt uns in ein beeindruckendes Ruinendorf auf einem Hügel. Zwar spricht kein Wort englisch, aber dumm ist der Guide nicht: Übers Handy fragt er einen Kumpel nach dem jeweils englischen Begriff für das, was er uns als nächstes erklären will. „Big Mosque“, „Well“, „Fireplace“, erklärt er uns die verschiedenen Gebäude. Wir freuen uns über diese sehr eigene Kulturführung und rätseln, wie alt diese Geisterstadt wohl ist und was zu ihrer Entvölkerung geführt haben mag. Später auf der Reise werden wir feststellen, dass es in vielen Orten solche verlassenen Lehmsiedlungen gibt. Wahrscheinlich gaben die Bewohner sie auf, um in modernere, beständigere Häuser umzusiedeln. Unser Reiseleiter ist sprachlich leider nicht in der Lage, es uns zu erklären. Am Ende der Tour steigt unser Guide in ein wartendes Auto am Dorfausgang. Geld wollte er partout keines – er hatte uns aus reiner Gastfreundschaft seine Zeit geschenkt.

Nizwa: Perle im Landesinneren
Die Burg von Nizwa ist ein Märchen aus 1001 Nacht: dicke, abgerundete Sandsteinmauern, umgeben von hunderten von Dattelpalmen, in der Ferne einige Berge, über allem ein tiefblauer Himmel. Doch dem nicht genug: Uns empfängt eine Männergruppe, die in vollem Putz, mit Krummdolch und Schwert singt, tanzt und schaukämpft. Die folkloristische Darbietung ist äußerst kraftvoll und passt perfekt in die orientalische Kulisse. Wir alle sind begeistert.Oman Linsbauer 2-2Später wagen wir uns mit unserem Kleinwagen in Richtung Jabal Akhdar, einem der höchsten Berge dieser Region. Zwar vermuten wir, dass die Steigung unseren Toyota Yaris früher oder später überfordern wird, aber wir wollen mal sehen, was uns erwartet.
Es erwartet uns Herr Mousa mit seinem Geländewagen. Steht gelangweilt und wie zufällig am Fuße des Bergs. Für relativ wenig Geld fährt uns Mousa die nicht enden wollenden Serpentinen hoch. Wir staunen ständig über neue spektakuläre Aussichten. Unter den vielen Highlights ist „Dianas Point“ im wahrsten Sinne das Höchste. Eine unerwartete, atemberaubende Schlucht, über der angeblich Lady Diana einmal zum romantischen Picknick gesessen sein soll. Ja, hier muss die Romantik erfunden worden sein. Wir erleben die Welt von oben, den farbenprächtigsten Sonnenuntergang und fahren erfüllt von schönen Eindrücken wieder zurück zu unserem Yaris.Oman Linsbauer 2-3Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum berühmten Tiermarkt von Nizwa, der hier jeden Freitag stattfindet und Verkäufer und Käufer von weit her anlockt. Im Schatten der Dattelpalmen werden dort Ziegen, Schafe und Rinder verkauft. Das Ganze findet um ein Rondell herum statt. Die Kaufinteressenten lassen zwischen sich eine ringförmige Gasse, durch die die Tiere geführt werden. Zuerst die Ziegen, später die Schafe und Rinder, alles unter den Rufen der verschiedenen Gebote. Nach kurzer Prüfung der Tiere ist der Handel meistens schnell geschlossen. Aber sehenswert sind für uns auch die Menschen: Alte, Turban tragende Männer erinnern an die Piraten aus den Pippi-Langstrumpf-Filmen; süße, Krummschwert tragende Kinder, Frauen mit schwarzen Masken wachen als letzte Instanz über Kauf oder Nichtkauf ihrer Männer; ein wildes Gestikulieren und Handeln, Feilschen und Rufen – und wir mittendrin. Unserem Sohn wird das dann doch zu anstrengend, und wir spazieren raus und hinüber auf den Dattel-Fisch- und Gemüsesouq. Ich könnte ganze Tage hier zubringen!Oman Linsbauer 2-4To Do’s in Nizwa: Burg, Tiermarkt, Souq, einen Süßigkeitenladen besuchen, Al Hota-Höhle (war bei uns leider geschlossen), Ghul, Ausflüge zum Jebel Akhdar und Jebel Shams. Dort unterwegs liegt der trostloseste Kinderspielplatz der Welt vor einem ausgesprochen schönen Wadi, das wiederum sehr zum Verweilen einlädt.

Möchten Sie auch die Abenteuer für Große und Kleine, die das Sultanat Oman bietet, erleben? Auf unserer Homepage finden Sie einige Angebote, gerne stellen wir Ihnen aber auch eine Reise ganz nach Ihren Wünschen zusammen.

 Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Ute Linsbauer (Text und Fotos).

Hier geht es zum ersten Bericht der Familienreise Oman von Ute Linsbauer.

Hier geht es zum dritten Bericht der Familienreise Oman von Ute Linsbauer.

Autor: Eva Kuhl