Cornelia Mägdefrau

“ Zwischen den feilschenden Männern und Frauen fühlten wir uns zurück versetzt in längst vergangene Zeiten, auch wenn Taschenrechner und Smartphone hier längst zum Tagesgeschäft gehören.“

Zwei Tage verbrachten Cornela Mägdefrau und Ihr Ehemann in Muscat, bevor Sie mit dem Geländewagen und dem Dachzelt den Oman bereisten.

Auf der Suche nach Reisezielen in der arabischen Welt fühlten wir uns durch das Angebot von Nomad „Oman mit Geländewagen und Dachzelt“ angesprochen. Leider konnten wir erst in den Pfingstferien fahren und hatten aufgrund der zu erwartenden Hitze bereits vorher die vorgesehene Reiseroute erheblich gekürzt. Anstatt der Wüste Wahiba und dem Indischen Ozean wollten wir uns ganz auf die Berge des Jebel Akhdar konzentrieren. In der Höhe waren die Temperaturen erträglich und wir hatten ausreichend Zeit, die Bergwelt zu erkunden und die Menschen und deren Alltag ein wenig kennen zu lernen.

Nach zwei Nächten im Nobelhotel machten wir uns auf den Weg in die Wadis auf der Nordseite. Es war schon ein enormer Kontrast zwischen der modernen Großstadt Muscat und den Bergoasen, die zwar alle mit dem Auto, meist auf Teerstraßen, erreichbar sind und Stromversorgung haben, aber mit ihrer Lage zwischen Felswänden und Palmen immer noch faszinierend wirken. Die Arbeit der Bauern in den Oasen hat sich durch die Erschließung nicht grundlegend geändert, auch wenn viele neu gebaute Häuser auf uns wie Paläste aus 1001 Nacht wirken. Auf den Passstraßen zwischen den Wadis und hinauf auf den Hauptkamm des Jebel Akhdar war unser Toyota Landcruiser erstmals gefordert, meisterte die Schotter- und Felspisten jedoch ganz lässig. Nur die Folgen eines großen Bergrutsches forderten Fahrer und Fahrzeug.
An unserem Übernachtungsplatz in 2000 m Höhe überraschte uns ein heftiges Gewitter, zwei Tage später noch einmal. In der klaren Luft nach dem Gewitter konnten wir mit dem Fernglas beobachten, wie sich im gegenüber liegenden Wadi eine Sturzflut ins Tal ergoss. Man sollte die entsprechenden Warnungen eben doch ernst nehmen und nicht im Wadi übernachten!

In den weiten Tälern Richtung Nizwa stand über Mittag die Sonne fast senkrecht über uns, Schatten war schwierig zu finden und die Temperaturen kletterten auf 45 Grad. Auf dem Viehmarkt in Nizwa lief uns der Schweiß schon morgens um acht über den Rücken, was das Erlebnis nur noch intensiver machte. Zwischen den feilschenden Männern und Frauen fühlten wir uns zurück versetzt in längst vergangene Zeiten, auch wenn Taschenrechner und Smartphone hier längst zum Tagesgeschäft gehören.

Auf dem Weg zum Jebel Shams stellten wir fest, dass die Gewitter der letzten Tage ihre Spuren hinterlassen haben, immer wieder Geröll auf den Straßen, das Wadi Nakhur wegen eines Felssturzes gesperrt. Auf das Hochplateau von Sayq führt eine regelrechte Autobahn, die wie alle großen Straßen nachts beleuchtet ist. Energieverbrauch spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Auf der Rückfahrt nach Muscat beobachten wir die explosionsartige Entwicklung des Landes und der Wirtschaft, die Globalisierung macht auch vor dem Oman nicht halt. Sultan Qaboos bereitet das Land vor auf die Zeit nach dem Erdöl.“

Autor: Gianna Platten