Oman Linsbauer 4-1

Hier berichtet Ute Linsbauer von ihrer Omanreise mitsamt Mann und Kind. Es ist der vierte von insgesamt fünf Teilen einer spannenden Serie.

Ras al-Hadd – Schildkröten und Entspannung am Meer
Unser nächstes Ziel liegt südlich von Sur an der Küste: Ra’s al-Hadd. Ein ideale Basis, wenn man Riesenschildkröten bei der Eiablage im nahen Ra’s al-Djin beobachten möchte. Außer diesem Highlight haben wir keine Erwartung an die laut Reiseführer„einfache Bambushütten-Unterkunft“, über die wir auch keine nennenswerten Positiv-Bewertungen im Internet gefunden haben. Umso größer ist unsere Freude, als wir dort ankommen: Die kleinen Bambushütten stehen direkt an einer geschützten Bucht mit fein-weißem Sand.


Die Szenerie erinnert an vergangene Backpacker-Unterkünfte in Südostasien, verstärkt noch durch eine asiatisch anmutende Rezeptionistin. Während wir einchecken, entledigt sich unser Sohn sämtlicher Kleidung und stürzt sich in die leichte Brandung. Eine ähnlich kindliche Freude verspüre auch ich. Denn bei allem Respekt und Verständnis dafür, sich im Oman bedeckt zu halten: Hier, in dieser geschützten Umgebung, ist es für mich dann auch das pure Vergnügen, mich nur im Badeanzug bewegen zu können, Sonne, Wind und Wasser auf der Haut zu spüren!

Weitere Glücksmomente erlebe ich beim Erforschen der Unterwasserwelt mit meiner Schnorchelausrüstung. In direkter Strandnähe tummeln sich Schwärme der unterschiedlichsten tropischen Fischarten, dazu Oktopusse, Kugelfische, eine fast meterlange, hellgrüne „Seenadel“ und viele weitere, mir unbekannte Fischarten.Oman Linsbauer 4-2 Nach vielen schönen Stunden im und am Wasser lassen wir den schönen Tag im offenen Restaurant mit Strandblick ausklingen. Dort beobachten wir folgende Szene: Ein kleines Fischerboot mit zwei coolen, jungen Omanis legt an der Bucht vor dem Ressort an. Die beiden Kerle wollen Bier bestellen oder sich wenigstens ans Restaurant setzen, was ihnen der Kellner unter Hinweis auf die Strandverordnung verwehrt: Zugang nur für Hotelgäste. Es kommt zu Diskussionen, bis schließlich ein großer, bulliger Sicherheitsmann hinzuschreitet. Für Sekunden stehen sich alle drei gegenüber, sehen sich in die Augen, und dann: kräftiges Händeschütteln! Die Parteien besprechen die Sache kurz in aller Freundlichkeit, bevor sich die beiden Eindringlinge wieder zum Boot trollen und ablegen.
Eine ähnliche Situation haben wir übrigens einige Tage zuvor bei einem Auffahrunfall erlebt, wo sich die Unfallgegner ebenfalls zuerst die Hand reichten, bevor der Schaden begutachtet und diskutiert wurde. Wir bewundern diese respektvolle, versöhnliche Herangehensweise in potentiellen Konfliktsituationen – und verlangen unbedingt deren Export nach Deutschland!

Schildkröten-Beobachtung in Ras al-Djinz
Ein prächtiges Gebäude empfängt uns in Ras al-Djinz zur nächtlichen Schildkrötenhuldigung. Hier möchten wir die seltenen großen Tiere bei ihrer Eiablage beobachten. Dutzende von Urlaubern sind bereits vor uns eingetroffen und lassen sich vom souveränen Personal abfertigen. Die zahlreichen Besucher werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, wir erfahren, dass wir noch eine knappe Stunde warten müssen, ziemlich lang für einen Ausflug mit 4-jährigem Kind, das zu dieser Zeit eigentlich längst schläft. Na gut, schauen wir uns erst mal in dem großspurigen Bau um. Eines ist klar: Der Schildkrötenschutz in Ras al-Djinz ist das Imageprojekt im hiesigen Destinationsmarketing.

Alles ist perfekt organisiert, Computer an jeder Ecke, personelle Überbesetzung. Nach langem Warten geht es endlich los. Unsere Gruppe von ca. 10 Personen plus Guide stapft in völliger Dunkelheit Richtung Strand, ein Fußmarsch von gut 15 Minuten. Lautes Reden, Blitzlicht und Taschenlampen, ausgenommen die der Guides, sind aus Rücksicht gegenüber den sensiblen Schildkröten streng untersagt. Am Strand angekommen sehen wir – inzwischen besser an die Dunkelheit gewöhnt – eine ziemliche Kraterlandschaft im tiefen, feinen Sand. Die Gruppen vor uns dort haben wohl schon eine Schildkröte entdeckt, die Leute formieren sich kreisförmig, und eine Taschenlampe zuckt nervös hin und her.

Unser eigener Guide läuft mit seiner Lampe unruhig hin und her. Schließlich wird auch er fündig und wir dürfen uns vorsichtig nähern: Vor uns hat sich eine riesige Schildkröte, deren Panzer fast einen Meter lang ist, ein tiefes Loch in den Sand geschaufelt und legt gerade jetzt weiße, weiche Eier in die Vertiefung. Sie scheint auf ihr Tun konzentriert zu sein, und wir können nur hoffen, dass sie die vielen Menschen, der redende Guide und die zuckende Lampe nicht besonders stören. Da: Ein anderer Guide winkt hektisch mit seinem Licht. Wir hechten zu ihm (jetzt habe ich immer Angst, dass ich in einem der vielen Krater versehentlich auf eine Schildkröte trete) und sehen ein Schildkrötenbaby auf seinem Weg Richtung Strand. Das kleine Tier ist entzückend und auf dem besten Weg zum schützenden Meer. Dennoch ist sicher eben sicher, denken sich wohl die Besucher, die der Schildkröte vorauseilend jetzt eine Piste im Sand glattklopfen und -streichen und sich in ihren Bemühungen fast überschlagen. Das erinnert mich, Entschuldigung, an den Palmsonntag: Jesus auf dem Esel und die Menschenmenge, die ihm mit Palmblättern den Weg nach Jerusalem veredelt.
Doch schon werden wir zur nächsten Entdeckung gewunken: Eine weitere Schildkröte schaufelt gerade unter größten Mühen ein Loch in den Sand. Danach vermittelt uns ein Guide vor Ort viel Detailwissen. Wir verpassen das meiste davon, weil unser Sohn Pipi muss (ist das erlaubt an diesem heiligen Ort?) und vor Müdigkeit kaum noch stehen kann. So beenden wir den nächtlichen Ausflug und verabschieden uns still von diesen beeindruckenden Tieren und den grotesken Ausformungen dieses Tierschutzprojekts.

Möchten Sie auch die Abenteuer für Große und Kleine, die das Sultanat Oman bietet, erleben? Auf unserer Homepage finden Sie einige Angebote, gerne stellen wir Ihnen aber auch eine Reise ganz nach Ihren Wünschen zusammen.

 Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Ute Linsbauer (Text und Fotos).

Autor: Eva Kuhl