Iran: Shiraz - Schah Cheragh Heiligtum

Mit einem unserer Driver-Guides, Mohammad, haben Heiko Franke und Vivien Kunze bei einer zehntägigen Privatreise mit nomad den Iran entdeckt. Ihren Erfahrungsbericht und viele fotografische Eindrücke ihrer Reise finden Sie hier

Mit der untergehenden Sonne vergeht langsam die Hitze des Tages und eine leichte, angenehme Frische legt sich auf meine Haut. Wir sitzen vor unserem Zelt und genießen die Aussicht auf die weite, hügelige Landschaft vor uns. Man hört das heimelige Zischen der Gaskocher, die uns diensteifrig Wasser für einen Tee aufheizen. Mohammad, unser Driver – Guide, räumt im Hintergrund die Töpfe des von ihm bereiteten wohlschmeckenden Abendessens weg, ein iranisches Ragout mit Lammfleisch, Bohnen und Unmengen von Dill, serviert mit Reis.

Als der Tee fertig gezogen hat, ist die Sonne vollends hinter dem Horizont verschwunden und am Himmel erscheint die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht. Wir lehnen uns zurück und genießen den grandiosen Ausblick auf die Sterne. Leise stimmt Mohammad ein iranisches Lied an, Vivien beantwortet seinen Vortrag mit einem Lied von Mozart. Mir bleibt die Rolle des entzückten Zuhörers, mit meinem Tee in der Hand und dem leuchtenden Sternenhimmel über mir.
Es ist die letzte Zeltnacht unserer Iranreise. Nicht die letzte Nacht der Reise überhaupt, aber die letzte, die wir im Zelt verbringen.
Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen, nach den ersten acht Tagen unserer zehntägigen Privatreise, die wir mit unserem Driver – Guide Mohammad Noroozi durch den Nordwesten des Irans machen.

Iran: Zelt in den Sabalan Bergen

Zelt in den Sabalan Bergen

 

Reisestationen

Vor acht Tagen sind wir in Teheran gelandet, absolute Neulinge in Sachen Iran, voller Neugier auf ein Land, über das wir so unterschiedliche, ja widersprüchliche Informationen im Vorfeld gelesen hatten.
Und ich wundere mich: Erst acht Tage sind seitdem vergangen? Die Eindrücke, die wir bisher gesammelt haben, reichen durchaus auch für einen längeren Aufenthalt. Kaum kann ich mich an alles erinnern. Unsere Reise führte uns von Teheran nach Qazvin, über das Elburz-Gebirge ans Kaspische Meer nach Bandar Anzali, wieder über die Berge nach Ardebil, in die Sabalan-Berge, nach Tabriz, Maragheh, bis hierher. An Stationen folgen werden noch Hamadan, Kermanshah und schließlich Isfahan. In Isfahan wird uns unser Guide Mohammad verlassen und wir werden den Iran anschließend noch ein wenig auf eigene Faust erkunden. Doch soweit sind wir noch nicht, im Augenblick liegen zwei Tage Privatreise noch vor uns und 8 erlebnisreiche Tage hinter uns.

Iran: Bunte Berge vor Tabriz

Bunte Berge vor Tabriz

 

Welcome in Tehran, welcome in Iran!

Meine Gedanken gehen zurück an den ersten Abend in Teheran. Das erste Treffen mit Mohammad war erst für den nächsten Morgen angekündigt. So zogen wir am Abend alleine los, um erste Eindrücke zu gewinnen. Und kaum waren wir in das Gewühl der geschäftigen Straßen am Basar eingetreten, bekamen wir schon eine erste Kostprobe der Neugierde der iranischen Bevölkerung auf fremde Menschen und von ihrer Gastfreundschaft. Überall sprachen uns Leute an, hießen uns im Iran willkommen und hielten, sofern das Englisch reichte, einen kleinen Plausch mit uns. „Hello“, sagte der junge Polizist an der Kreuzung zu uns und im ersten Augenblick hielt ich die Luft an. „Welcome to Iran, welcome to Teheran.“ sagte er und schloss die Frage an: „Where are you from?“ „We´re from Germany“, antworteten wir. „Oh, Germany, good country“ meinte der Polizist begeistert. Ich atmete beruhigt wieder aus. Um uns herum entstand derweil ein kleiner Auflauf, andere Menschen gesellten sich dazu, fragten uns nach unseren Namen und teilten uns ihre Begeisterung für Deutschland mit: „Germany, very good country“. „I´m Reza, welcome“ Ein Händler schenkte uns zwei frisch gebackene Kekse aus seiner Auslage zum Probieren. „Eat, eat!“ unterstrich er sein Angebot. Das ist uns dann in den folgenden Tagen immer wieder passiert: Spontane Gespräche mit den Menschen auf der Straße, Willkommensbekundungen und die Erkenntnis, dass die Iraner Deutschland mögen, denn oft waren sie sofort hellauf begeistert, wenn wir unsere Herkunft offenbaren.

Schalk in den Augen: Unser Guide Mohamad

Am nächsten Morgen saßen wir gespannt in der Hotellobby und als der quirlige, untersetzte Mohammad mit seinen lachenden Augen auf uns zukam, ahnten wir schon, dass wir uns gut verstehen würden. „Hello, nice to meet you, shall we go?“ sagte er und lachte uns fröhlich an. Ein Blick von ihm und er hatte uns mit dem ersten Blick und all seiner Erfahrung richtig eingeschätzt, denn in den nun folgenden Tagen hatte er immer ein sehr gutes Gespür für unsere Vorlieben, wie er auch für unsere Wünsche immer einen Plan B oder Plan C in der Tasche hatte. Sei es ein spontaner Blick in eine Nomadenjurte, eine Stippvisite in eine Bäckerei oder den Erkundungsgang in die alte, etwas heruntergekommene Karawanserei in Qazvin. Mohammad hatte da immer noch was in petto und sogar ein spontaner Kurzstopp in den Bergen, weil ich aus dem Augenwinkel Fossilien erspäht hatte, war da auch noch drin.

Die Sehenswürdigkeiten würzte er immer mit der richtigen Dosis Wissen über Kultur und Geschichte, ließ uns aber auch unsere Zeit, die Orte zu genießen. Sofort schloss Mohammad auch unser Maskottchen Ernesto ins Herz, der Reiserabe, der uns stets unterwegs begleitet und anschließend aus seiner Sicht von seinen Reiseerlebnissen im Internet berichtet.

Iran: Driver-Guide Mohammad mit den warm eingepackten Reisenden im Zeltlager

Unser Driver-Guide Mohammad mit den warm eingepackten Reisenden im Zeltlager.

 

Hippie-Fahnen und Mode-Outfit

Die vergangenen acht Tage waren ein belebendes Wechselbad zwischen den beeindruckenden Kulturdenkmälern Irans, Begegnungen mit den Menschen und einer Sammlung unterschiedlichster Landschaften. Jeden Tag lernten wir einen völlig neuen Iran kennen. Jeden Tag ein neues Land mit gleichem Namen, das selbe Land und doch immer anders. Die Hochgebirgslandschaft des Elburz mit dem Blick auf den vergletscherten Alamkuh, der Fischmarkt in Bandar Anzali. Wir besuchten das beliebte Dorf Massuleh, mit seinen bunten Geschäften und seinen belebten Gassen, die in Terrassen jeweils auf dem Dach der darunter stehenden Häuser liegen. Das Dorf wirkt ein wenig wie ein aufgeklappter Puppenbasar mit übereinanderliegenden Galerien von Läden voll mit ihren bunten Auslagen.

In Ardebil gingen wir neue Kleidung für Vivien kaufen: Die Kleider, die sie ursprünglich in ihren Koffer gepackt hatte, waren sehr weit und lang gewesen, und schon nach den ersten Tagen hatten wir gesehen, das die Iranerinnen viel modebewusster durch die Straßen laufen, als wir nach es erwartet hatten. Zu den teilweise tailliert geschnittenen Jacken, die bis zur Mitte des Oberschenkels reichten, trugen sie enge Leggins oder Hosen. Dazu das Kopftuch, natürlich farblich perfekt zum Rest und zur Handtasche passend, locker um den Kopf geschlungen. „Ich fühle mich wie eine ‚Hippie – Jute – Fahne‘ zwischen all den eleganten Frauen, wir müssen unbedingt erst einmal einkaufen gehen“, monierte sich Vivien und am Nachmittag erkundeten wir das Kleidungsangebot im Laden an der Ecke. Um dann, neu ausgestattet, das Sheikh-Safi-Heiligtum besichtigen zu gehen.

Da standen wir dann im Hof der Anlage, überwältigt vom Musterreichtum der Wände. Auch deshalb war in uns ursprünglich der Wunsch gewachsen den Iran zu bereisen, um die prächtige Ausstattung der Bauwerke dieser Kultur zu sehen, die bei uns immer in den Köpfen die Geschichten von 1001 Nacht wecken. Die Gebäude waren überzogen mit fast bis zur Unleserlichkeit verschnörkelten Kalligraphien, umwoben von feinen Blumenornamenten und Mustern in Blau, Türkis und Grün. Und auch die Schnitzereien an den Fenstergittern und Steinmetzarbeiten ließen unsere Augen leuchten. Feinste Handwerksarbeit auf höchstem Niveau, geschaffen von vielen Menschen, die im festen Willen ihrem Gott und Schöpfer zu gefallen und allein zu seiner Lobpreisung, ihre gesamtes Können in ihre Kunstfertigkeit legten. Spätestens jetzt wussten wir: Es war die richtige Entscheidung, in den Iran zu fahren.

Iran: Im Sheikh Safi Heiligtum

Im Sheikh Safi Heiligtum

 

Sommer am Kuh-e Sabalan

Allerdings am nächsten Tag wurde diese Erkenntnis schon auf eine kleine Probe gestellt. Denn trotz der neuen Kleider, froren wir tatsächlich beim Zelten in den Sabalan-Bergen. Solche Temperaturen hatten wir mitten im Sommer nicht erwartet und wir zogen es vor, uns schon beim Abendessen in unsere wärmenden Schlafsäcke zu schmiegen. Mohammad feixte vergnügt und meinte, wir sähen aus wie übergroße Kebabspieße. Vielleicht hätten wir da gar bei den Nomaden bleiben sollen, die wir am Nachmittag spontan besucht hatten und die uns bei Tee einen Einblick in ihr Leben gegeben hatten.

Aber dann hätten wir das Gewusel an der Bergstation des Hauptgipfel Kuh-e Sabalan verpasst, wo sich wie an jedem Donnerstag viele Iraner sammelten, um ihr Wochenende in der Natur beim Bergsteigen zu verbringen. Ursprünglich war die Station eine Abhöreinrichtung der USA im Kalten Krieg gewesen, die von hier aus in die UdSSR lauschten, aber mit der Revolution am Ende der siebziger Jahre war diese Nutzung vorbei und Spuren von Amerikanern entschieden unerwünscht. Der junge islamische Staat baute kurzerhand zwei Minarette an das Gebäude und funktionierte es zur Moschee um. Eine revolutionäre Innovation in der Begeisterung der ersten Stunde.

Iran: Die Bergstation am Kuh-e Sabalan

Die Bergstation am Kuh-e Sabalan

Tiefsinnige Gespräche im Taxi

Dass die Begeisterung nicht mehr bei allen so groß ist, wenn sie es denn jemals gewesen sein sollte, konnten wir mal wieder am nächsten Tag in Tabriz erleben. Wie immer, wenn wir in ein Taxi einstiegen, entwickelte sich sofort zwischen dem Taxifahrer und Mohammad ein lebendiges Gespräch über die Situation im Land. Oft wurden wir auch darin eingebunden. Dabei überraschte mich so mancher Iraner schon mit seiner Eröffnungsfrage, die er an seinen deutschen Fahrgast stellte. „Glauben Sie, Deutschland hat ein gutes Umweltkonzept für die nächsten Jahrzehnte?“ fragte mich einer. Oder: „Was, glauben Sie, ist der größte Fehler der iranischen Wirtschaft?“ Da musste ich spontan dann doch überlegen, solche Fragen mal so eben im Taxi diplomatisch und knapp zu beantworten, noch dazu auf Englisch. Da war die Frage „Gewinnt nun Martin Schulz diesmal die Wahl oder bleibt Frau Merkel an der Macht?“ noch eine der einfacheren. Solche Begegnungen ließen einen Blick zu, hinein in das Herz der iranischen Gesellschaft und wie die Menschen hier versuchen, zwischen dem Traditionsbewusstsein der Islamischen Republik Iran und dem Wunsch nach Anteilnahme am modernen Weltgeschehen und Individualität einen möglichen Weg für sich zu finden ohne zwischen den Extremen zerrieben zu werden. Offene Konfrontation kann hier schnell sehr gefährlich werden. Da ist das eigene Leben auch ein beständiger Seiltanz über dem Abgrund, den man hier tagtäglich für sich meistern muss.

Iran: In der blauen Moschee von Tabriz

In der blauen Moschee von Tabriz

 

Facettenreicher Iran – ein erstes Fazit

Eine Rundreise im Iran eröffnet täglich neue Landschaften und Ausblicke. So landschaftlich abwechslungsreich hatte ich mir den Iran dann doch nicht vorgestellt. An manchen Tagen juckte mit hier und da kräftig der Fuß, die durchquerten Landschaften auch wandernd zu erkunden, doch unser Programm hatte dafür keine Zeit vorgesehen. Irgendetwas mussten wir ja weglassen, wenn man die Reise nicht auf drei Monate dehnen kann. Der Sommer ist auch nicht unbedingt die ideale Wanderzeit in manchen Gegenden des Irans. Dennoch: Die Ausblicke sind sehr einladend, auch zu Fuß unterwegs zu sein. Da hilft nix! Wir müssen wir wohl noch einmal zurückkehren, um eine kleinere Ecke des Landes auch per pedes bereisen zu können.

Über meine Erinnerungen ist es spät geworden in unserem kleinen Camp unter der Milchstraße, es wird langsam Zeit zu Bett zu gehen.
Beim Zusammenräumen denke ich darüber nach, welche Überraschungen der Iran noch für uns bereit halten wird, in unserem zweiten Teil der Reise, in dem wir uns selbst individuell durch den zentralen Iran bewegen werden.
Höhepunkte jeder Iranreise wie Isfahan und Shiraz mit ihren beeindruckenden Baudenkmälern liegen da noch auf unserer Route. Mohammad hat uns mit Tipps und Hinweisen für diese Städte bestens versorgt und ich freue mich über die tolle Idee von Frau Baums von Nomad Reisen, die geführte private Rundreise durch einen individuellen Teil zu ergänzen. Das wird uns das Land nochmal von einer ganz neuen Seite zeigen, uns Gelegenheit geben, noch mehr mit den Menschen in Kontakt zu treten und die sagenhafte Gastfreundschaft der Iraner kennenzulernen.

Am Ende, und dessen bin ich mir schon sicher, als ich an diesem Abend in unser Zelt krieche, werden wir mit schwerem Herzen Abschied nehmen von diesem wundervollen, schönen und interessanten Land mit seinen farbenfrohen, reichhaltigen Facetten. Und all die Erlebnisse hier werden den Wunsch in mir nähren, wieder herzukommen und andere Teile des Landes zu besichtigen. Jene, die wir diesmal auslassen mussten. Es gibt noch viel zu entdecken.

Und als ich den Schlafsack über mir ausbreite, denke ich an die Decke des alten Hauses, welches wir gestern oder vorgestern besichtigten, oder an die Innendekoration mancher Schreine. Da waren die Decken und Wände über und über mit kleinen Spiegelkacheln übersät. Die gesamte Decke war mit kleinen Ausschnitten von Reflektionen auf die Umgebung erfüllt, ein Kaleidoskop winziger Eindrücke der Welt um mich herum. Wenn man den eigenen Standpunkt auch nur ein bisschen verschob, zeigte sich in den winzigen Splittern der Spiegel ein völlig neues Bild. Und das Gesamtbild ergab sich stets aus einer Unzahl kleiner Spiegelungen, die kunstvoll zu einem neuen Muster zusammengefasst waren und so in ihrer Gesamtheit wiederum ein ganzes Bild ergaben, bestehend aus vielen vielen kleinen Einzelbildern. Und man selbst steht mittendrin. Ein bisschen so erscheint mir der Iran auch: Ein Land reichhaltiger Eindrücke, völlig unterschiedlich, wohin man sieht und von welchem Standpunkt man es betrachtet, aber letztlich doch ein Land. Ein sehr, sehr schönes Land.

Wenn Sie wissen wollen, was wir auf unserer weiteren Reise unter anderem in Isfahan und Shiraz noch so erlebt haben und wie der Rabe Ernesto seine Reise beschreibt, schauen Sie doch einfach nach:
www.Ernesto-unterwegs.de/Iran

Weitere Informationen zu unseren individuellen Privatreisen im Iran finden Sie hier: Iran Individuell

Autor: Gianna Platten