Sudan: Alt Dongola

Eine Reise nach Sudan? Vielleicht mit einer Reisegruppe, aber auch noch als Reise zu zweit? Dass eine solche Individuelle Reise Sudan nicht nur gefahrlos ist, sondern auch viele Einblicke in das Leben der Menschen ermöglicht, beweist dieser Brief, den eine begeisterte Reisende uns schrieb:

„Liebe Frau Baums,

Wir sind gut aus dem Sudan zurückgekehrt, ich möchte Ihnen einen Kurzbericht schicken. Erstmals Dankeschön, es war eine wunderbare Reise.

Herrn Sisodia danke ich, dass er bemerkt hat, dass in Khartoum am Montag das Nationalmuseum geschlossen ist – wir haben das Museum am Schluss besichtigt, das ist nach meiner Ansicht auch besser, weil man bei den Exponaten dann genau weiß, wo man sie einordnen soll und sich nachträglich auch über die Ausgrabungsstätten informieren kann – an Ort und Stelle sind die Informationen spärlich, was Landkarten und Zeittafeln betrifft.

Ich bewundere die Deutschkenntnisse von Herrn Sisodia – einziger Kritikpunkt – das widersprüchliche Programm; durch die Textbausteine wusste man nicht, in welchem Hotel man schlafen würde., und musste nachfragen.

Was die Reise betrifft – der größte Glücksfall war unser Guide Hamid. Nicht nur, dass die Kommunikation sehr gut klappte, er war sehr kenntnisreich, man konnte alles fragen, und dort, wo er nicht im Detail so exakt Bescheid wusste, fragte er selbst nach und ließ sich informieren!

Sudan: Guide Hamid und ein rekonstruiertes nubisches Türschloss

Sudan: Guide Hamid und ein rekonstruiertes nubisches Türschloss

Wir haben durch ihn den polnischen Ausgräber von Altdongola kennen gelernt, der einige ikonographische Fragen hatte, die mein Mann jetzt an die Byzanzkunsthistorikerin in Wien weiterleiten wird.

Er war die ganze Zeit um unser Wohl bemüht – wir waren es nicht gewohnt, dass große Kisten mit Nahrung bezw. Equipment für uns mitgeschleppt werden, eigentlich wären wir mit Weißbrot, Oliven und Käse zufrieden gewesen, kalte Nudeln, Mais und Thunfisch hätten wir nicht gebraucht. In den dünn besiedelten Gebieten Landflucht, hat mich besonders im fruchtbaren Niltal erstaunt) gibt es natürlich auch keine Gasstätten oder Imbissbuden. Aber sudanesischen Kaffee haben wir überall gerne getrunken – mit Ingwer.

Sudan: Auto wird beladen

Sudan: Auto wird beladen

Wir waren linksnilisch unterwegs, sozusagen, da ist die Straße nach Ägypten so neu, dass kaum jemand fährt, nördlich von Altdongola haben wir auch keinen Touristen mehr gesehen, obwohl Soleb und die Insel Sai auch von anderen Reisegesellschaften besucht werden, Jänner ist anscheinend noch keine Hauptsaison.

Sudan: Links vom Nil nach Ägypten fährt kaum jemand

Sudan: Links vom Nil nach Ägypten fährt kaum jemand

Vorteil: keine Insekten, man hat sogar berühmte Stätten wie Meroe fast für sich

Nachteil: kalter Nordwind, aber der weht vielleicht im Februar oder März auch noch.

Die erste Zeltnacht war bitter kalt, verschärft dadurch, dass das Zelt, das ja sonst die Wärme gespeichert hätte, oben offen war – im Sommer sicher angenehm, jetzt führte es trotz Schlafsack zu starkem Frostgefühl, verstärkt durch den Wind.

Sudan: Zelt mit Lüftung oben

Sudan: Zelt mit Lüftung oben

Wir haben daher gebeten, die letzte Nacht – ursprünglich auch fürs Zelteln vorgesehen – im Meroe Camp zu verbringen; das hat Hamid bei der Managerin Federica erreicht, wir waren sehr froh, und haben gerne 25€ pro Person aufgezahlt; das fanden wir ganz in Ordnung.

Man ist gerade am Umbauen bzw. Neubauen, ab nächstes Jahr sollen nubische Häuschen im nubischen Stil dort stehen.

Sehr komfortabel war es im Nubian Resthouse, man konnte sudanesischen Kaffee bestellen, Frühstück war eher ärmlich. Aber das ist ja egal, nur die Engländer waren etwas verblüfft – ihnen war ein english breakfast versprochen worden.

Das ist wirklich alles nebensächlich, das erste Homestay hatte sogar ein Wasserklo, ein Sonnenpaneel für die Dusche wird man sicher bald anschaffen, das zweite Homestay in Soleb war ein schönes traditionelles nubisches Haus, hatte aber ein Plumpsklo, hat mich nicht erschüttert; in meiner Jugend war das am Land noch durchaus üblich , und durch die Nähe zum Nil gab es in Soleb auch genug Wasser, es war gar nicht grauslich, bei einer größeren Gruppe könnte ich mir aber Schwierigkeiten vorstellen.

Die Menschen in Nubien sind freundlich und hilfsbereit, aber nicht zudringlich, die meisten ließen sich begeistert fotografieren (Schulklassen mit Lehrerinnen, z.B., die haben auch uns eifrig fotografiert), es hat niemand  gebettelt, wir haben auch nichts hergeschenkt, nur Hamid hat ein paar Mal Bananen verteilt, und den Nomaden, die er persönlich kannte, Zigaretten und Zucker mitgebracht.

Er hat uns zu einem Wasserloch geführt, an dem einige Familien wie in biblischen Zeiten Wasser schöpften – die Beduinen in Syrien und Jordanien hatten schon vor zig Jahren Lastwagen und Wassertanks; ich hatte keine so archaische Lebensweise nur vielleicht zweihundert Kilometer von Khartoum erwartet.

Obwohl natürlich die christlichen Denkmäler für uns im Vordergrund standen, war eine der eindrucksvollsten Stätten für mich das Wadi mit den Felszeichnungen in der Nähe des dritten Katarakts; man sollte die Stelle eigentlich geheim halten, noch gibt es kaum Grafitti und Verunstaltungen, und es ist ein zauberhafter Ort.

Auch wenn es im Norden an touristischer Infrastruktur fehlt, Sudan ist ein wunderbares Reiseland, außer der einen kalten Zeltnacht auch durchaus seniorengeeignet.

Das Hotel in Khartoum erinnerte mich seltsam an meine ersten Reisen nach Griechenland – es wirkte, wie das einst übliche Stadthotel in einer griechischen Provinzstadt )allerdings mit Bädern mit heutigem Standard).

Die freundlichen Besitzer aus Keffalonia haben uns ein Fischlokal fürs Abendessen empfohlen – der alte Taxler, der uns hinbrachte, war zirka gleich alt mit seinem Auto – und das war der einzige Moment, wo ich im Sudan etwas Angst hatte – nicht vor einem Unfall, sondern, dass beim nächsten Schlagloch die alte Kiste auseinanderfällt und ich auf der Straße sitze!

Aber wir sind gut zum Restaurant gekommen, und haben auf sudanesisch Fisch mit Sauce mit den Händen gegessen, geht sehr gut – mit Hilfe des sudanesischen Brots!

Bitte richten Sie der italienischen Agentur unser besonderes Lob für Hamid und auch den hilfsbereiten Fahrer Mubarak aus; alles hat wirklich gut geklappt, kein Durchfall, kein Insektenstiche, wunderbare Eindrücke von Land , Leuten, und ganz anderen Pyramiden als gewohnt.

Beste Grüße, Alice Koder“

Autor: Jennifer Daxböck