Bericht aus Kairo: Die schönsten Tage meines Lebens

Verfasst am 18. März 2011 von Magdi Gohary

16 Tage auf dem Tahrirplatz wo Geschichte für eine ganze Region geschrieben wurde

Den 25. Januar hatten mehrere ägyptische Protestgruppen als “Tag des Protestes” angekündigt. So etwas hatte es in den letzten drei Jahren des Öfteren gegeben. Das Besondere dieses Mal daran war die Tatsache, dass am 15. Dezember 2010 eine Revolte in Tunesien begonnen hatte, deren vorläufiger Höhepunkt die Flucht von Ben Ali und der Sturz des alten Regimes war. Das Tor war ein Stück weit geöffnet worden. Die Kraft des Beispiels begann nach dem Motto zu wirken: Was die Tunesier schaffen, können wir Ägypter auch. Die Ägypter probten den Aufstand von Anfang auf einem der symbolträchtigen Plätze des Landes, dem Tahrirplatz. (weiterlesen…)

Ein Besuch in den Nubabergen II

Verfasst am 23. November 2010 von Meike Meerpohl

Die Bewohner der Berge

Vermutlich lagen die Steine längst in dieser Formation, als die zahlreichen ethnischen Gruppen in die Nubaberge einwanderten. Wie, wann und von woher die Gruppen hier eingewandert sind, darüber streiten die Wissenschaftler noch. Einig dagegen sind sie sich darüber, dass die Nubaberge eine besondere Region im Sudan darstellen. Sie erstreckt sich über ein Gebiet von etwa 50.000 km², in dem etwa 80 verschiedene Gruppen leben und in dem über 40 Sprachen gesprochen werden. Dabei handelt es sich nicht um Dialekte, sondern um Sprachen, die unterschiedlichen Sprachfamilien angehören. Möglich ist, dass die verschiedenen Gruppen in den letzten Jahrhunderten aus allen Richtungen aufgrund von Vertreibungen oder auf der Suche nach Land und Weide in die Nubaberge eingewandert sind und sich dort nieder ließen. (weiterlesen…)

Ein Besuch in den Nubabergen I

Verfasst am 22. November 2010 von Meike Meerpohl

Über Entfernungsvorstellungen und Chinafahrräder

Die Stadtgrenze von Khartum ist erreicht. Die Sonne geht langsam auf und leuchtet rot-orange als ovaler Feuerball am Horizont. Der Tag beginnt langsam auf den Straßen. Die ersten Eselskarren sind bereits unterwegs. Kinder machen sich in ihren Uniformen auf den Weg zur Schule, und Frauen in bunten Kleidern tragen Obst und Gemüse auf den Markt. Khartum liegt nun hinter uns, wir sind auf dem Weg in die Nubaberge. Während Khartum sich noch als fortschrittliche Stadt zeigte, in der Handykommunikation allgegenwärtig ist und neue Hochhausbauten eine Technisierung bezeugen, zeigen sich die Randbezirke von Khartum anders. Hier scheinen das Leben stehen geblieben und die modernen Entwicklungen noch nicht angekommen zu sein. Der erste Eindruck täuscht aber, denn einige der einfachen Lehmbauten, die die Straßen säumen, sind mit Stromkabeln versorgt, andere nicht. Einige haben Satellitenschüsseln auf dem Dach, andere nur Stroh. Kinder spielen in den Gassen, Ziegen fressen dazwischen frische grüne Grashalme und Esel liegen noch schläfrig im Sand. Unser Fahrzeug schlängelt sich durch den Verkehr und an den Eselskarren vorbei, weiter auf dem Weg nach Süden. (weiterlesen…)

Ein Tag in Khartum II

Verfasst am 21. November 2010 von Meike Meerpohl

2.Teil des Erfahrungsberichtes

 

Der Tee ist mittlerweile alle, so dass ich jetzt keine Antwort auf diese Frage finde. Ich verabschiede mich von der Teefrau und strecke ihr einen ein-Dinar-Schein für den Tee entgegen. Diesen wehrt sie vehement ab und sagt, ab morgen dürfte ich wieder bezahlen, heute sei ich willkommen. So bedanke ich mich noch einmal und setze meinen Gang in Richtung Universität fort.

Mit zunehmender Nähe zur Universität Khartum, der bedeutendsten und ältesten Universität im Lande, nimmt auch der Menschenstrom zu. Junge Studentinnen und Studenten tragen ihre Bücher unter dem Arm, während sie mit der anderen Hand ihr Handy ans Ohr halten, um mit aller Welt verbunden zu sein. Sie verteilen sich in den verschiedenen Instituten oder trinken doch noch schnell einen Tee an der Ecke, weil sie einen Bekannten getroffen haben. (weiterlesen…)

Ein Tag in Khartum I

Verfasst am 20. November 2010 von Meike Meerpohl

Von Stöckelschuhen und Stolperfallen

 

Sehe ich da etwa ein Licht? Nein, sogar mehrere Lichter? Es scheint, dass das, was dem Betrachter dort aus dem Flugzeug sichtbar wird, doch kein Feuer von einsamen Nomaden über der weiten Wüste ist. Nein, das Meer aus Lichtern und der zu erahnende Nilverlauf  könnte ein Zeichen dafür sein, dass der Flug gleich beendet ist. Die Wüstenwinde lassen das Flugzeug doch erstaunlich sanft landen und die Africa Road, eine der Hauptstraßen Khartums, rast an den Passagieren vorbei, als das Flugzeug auf der parallel verlaufenden Landebahn aufsetzt, bis es seine Geschwindigkeit stark drosselt und schließlich seine Parkposition erreicht hat.

Beim Aussteigen aus dem Flugzeug mitten in der Nacht scheint es zunächst, als stünde man im Wind der heißen Turbinen. Mit zunehmender Entfernung vom Flugzeug muss man aber doch schnell feststellen, dass in Khartum auch nachts andere Temperaturen herrschen als im nahenden, doch kühleren Herbst in Deutschland. Die Vorstellung von kühleren Temperaturen ist somit dahin. Stattdessen wird einem bewusst, dass warme Wüstenwinde und höhere Temperaturen die folgenden Tage prägen werden. Die Zeiten von kalten Füssen, Gänsehaut und grauem Regenwetter werden wohl zunächst vorbei sein. Wie schön. (weiterlesen…)