Nach über zwanzig Jahren ist die historische Bagdadbahn wieder teilweise im Einsatz. Die einstmals 3100 Kilometer lange Verbindung erstreckte sich zwischen dem zentral-anatolischen Konya über Syrien bis hin zur irakischen Hauptstadt. Ihre Bauphase von 1904 bis 1940 wurde vor allem mithilfe deutscher Finanzierung und Ingenieuren ermöglicht und sollte dem Machterhalt des damaligen Sultans Abdil Hamid II dienen. Wegen politischer Spannungen und verlotterter Gleise ist seit den achtziger Jahren jedoch der Zugverkehr zum Erliegen gekommen. Lediglich zwischen Aleppo und Mersin am Mittelmeer pendelte hin und wieder ein Zug sowie zeitweise ein Sonderzug für Touristen zwischen Damaskus und Istanbul.
Nun aber fahren die aus Görlitz stammenden Waggons wieder. Vorerst wird nur die Verbindung Mossul-Gaziantep befahren, für die zwar 18 Stunden benötigt werden, auf deren 450 Kilometer langer Strecke die Züge jedoch pünktlich nach Fahrplan unterwegs sind. Damit existiert nun erstmals wieder eine internationale Bahnverbindung in der Region Syrien und Irak, die sich einerseits etablieren und andererseits auch wieder bis nach Bagdad ausgebaut werden soll.
Der Reisegast zahlt umgerechnet 25 Euro für einen Sitzplatz sowie 35 Euro für ein Abteil mit Doppelstockbett und Waschbecken.
Der wöchentlich stattfindende Pendelverkehr soll jährlich bis zu 10.000 Menschen transportieren. Ankara und Bagdad haben 70 Millionen US-Dollar in die Strecke investiert, um Völkerverständigung und wirtschaftliche Beziehungen zu verbessern. Laut Süleyman Karaman, dem Leiter der türkischen Eisenbahngesellschaft, soll damit eine „gemeinsame Eisenbahnindustrie“ mit Syrien und dem Irak angestrebt werden. Vorerst will Ankara der Eisenbahn zusätzliche neue Waggons leihen. Zudem soll bald ein Schnellzug Gaziantep mit dem syrischen Aleppo verbinden.