Der Pamir Highway in Tadschikistan ist die zweithöchste befahrbare Bergstraße der Welt. Diese hohen Berglandschaften sind zumeist karg und daher haben sich hier relativ wenige Leute angesiedelt. Dennoch gibt es viele schöne Stopps entlang des Pamir Highways, welche ich in diesem Artikel näher beschreiben werde – von einer unglaublichen Landschaft, Gastfreundschaft und beeindruckenden Panorama.

Pamir Highway: Route

Früher, als der Pamir noch nicht geteilt war, wurde die Gegend Badakhshan genannt. Die Teilung der Region erfolgte im Zuge des sogenannten Great Game – das britische Empire und Russland waren hier die Gegenspieler. Wer auf das Dach der Welt möchte, hat heute vier Möglichkeiten zur Anreise:

  • von Osh in Kirgistan über den Kyzyl Art Pass auf den Pamir,
  • vom Karakorum Highway über den Kulma-Pass (auch Qolma-Pass geschrieben) an der chinesisch-tadschikischen Grenze oder
  • über zwei Routen von Dushanbe aus, einmal die südlich verlaufende Strecke am Stausee von Norak vorbei und weiter über Kulob und zum Zweiten
  • einen nördlichen Weg über Ob-i Garm und Tavildara. Beide Strecken treffen sich in Qalai-Khumb (auch Kala’i Khumb geschrieben).

Das Verbindungsglied vom Karakorum Highway über den Kulma-Pass hinüber nach Tadschikistan bis Murghab soll übrigens im Jahr 2020 ausgebaut werden. Denn momentan sind Murghab und Kulma nur über eine eine stark ausgefahrene Piste verbunden, die vornehmlich von schweren LKW genutzt wird.

Varianten Pamir Highway

Meine Variante: Von Osh auf den Pamir Highway

Da ich zuvor in Kirgistan unterwegs war, reiste ich von Osh an. Diese Strecke hatte allerdings ihre Tücken, da der Höhengewinn in den ersten Tagen enorm ist. Dank der vorherigen Akklimatisierung auf Kirgistans Höhen und dem Zwischenstopp am Peak Abuali ibn Sino (bekannter unter dem früheren Namen Lenin Peak) war dies für mich glücklicherweise aber kein Problem.

So ging die Reise in Osh los. Ich verbrachte zwei Nächten im Base Camp nahe Peak Abuali ibn Sino. Hier hatte ich einen ganzen Tag zur freien Verfügung, welchen ich für eine kleine Wanderung hinauf zum sogenannten Traveller‘s Pass auf 4.150 Metern nutzte. Trotz des recht geringen Anstiegs von 500 Metern vom Camp aus, ist dies aufgrund der ungewohnten Höhe verhältnismäßig anstrengend. Doch die Mühe lohnt sich, denn der Ausblick auf die vor einem liegende Bergkette mit ihren 6.000ern und dem 7.134 hohen Lenin Peak ist gewaltig, auch wenn die Gipfel oft von Wolken verdeckt sind. Ein früher Start am Morgen empfiehlt sich, da es zumeist gegen Nachmittag erst zuzieht.

Über den Kyzyl-Art-Pass (4.336m) erreichte ich tags darauf die Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan. Oben genießt man bei gutem Wetter einen schönen Rundumblick. Anschließend fahre ich weiter vorbei am glasklaren Karakol See bis nach Murghab.

Der Karakul See liegt auf 4.020 Metern Höhe und ist damit der höchste See der ganzen Pamir Region. Mit seiner dunkelblauen bis türkis schimmernden Lagune und der umliegenden braun-weißen Landschaft lädt der See zu Wanderungen ein. Am Rande des Sees gibt es auch ein paar kleine (Jurten-) Siedlungen, wo man übernachten kann.

Erschöpft aber glücklich und schon mit reichen Ausblicken belohnt, falle ich in mein Bett.

Etappe von Murghab nach Bulunkul

Bevor die Fahrt weitergeht, mache ich noch einen kleinen Rundgang durch Murghab. Viel gibt es hier eigentlich auch nicht zu sehen – eine Moschee, eine Lenin-Statue und einen kleinen Basar, welcher morgens noch recht verschlafen ist. Interessant ist zudem das sogenannte Yak House, wo handgefertigte Souvenirs aus Yak-Wolle verkauft werden. Hier kann man auch die bekannten Pamir-Socken erwerben. Diese schützen einen zuverlässig vor der nächtlichen Kälte.

Danach fahre ich weiter Richtung Süden, stets dem Pamir Highway folgend. Die Straßen sind hier noch gut und ich komme zügig voran. Dennoch brauche ich für die rund 200 km rund 3 Stunden. Ziel für heute ist Bulunkul. Unterwegs lege ich zahlreiche Fotostopps ein – der Blick ist umwerfend, immer wieder sehe ich schneebedeckte Gipfel. Neben dem 400-Seelen-Dorf Bulunkul gibt es noch den gleichnamigen See zu besichtigen und unweit auch noch den schönen Yashikul, den „Grünen See“. Der Ort ist im Sommer, wenn die Schüler und Studenten Ferien haben und aus den größeren Städten nach Hause kommen, verhältnismäßig geschäftig und lebhaft. Abends wird oft Volleyball oder Fußball im Dorf gespielt und auch Touristen werden gerne in die Partie mit aufgenommen.

Abstecher ins Wakhan-Tal

Wer außer dem Hochplateaus des Pamir mit den hier vorwiegend von Viehzucht lebenden kirgisisch-stämmigen Nomaden auch die lieblicheren Tallandschaften kennen lernen möchte, dem empfehle ich hier einen Umweg zu machen: Dieser insgesamt 140 Kilometer lange Umweg führt von Bulunkul aus gen Süden bis zum Panj, dem Grenzfluss zwischen Afghanistan und Tadschikistan. Hier genießt man Ausblicke auf die Gebirgszüge des Hindukush, des Pamir und des Wakhan. Man könnte alle fünf Minuten stehen bleiben und den Ausblick genießen, Fotos machen und verweilen. Für die heutige Etappe von Bulunkul bis kurz hinter Langar benötigen wir den gesamten Tag. Die Straße wird hier zunehmend schlechter – der Asphalt ist gebrochen oder gar nicht mehr vorhanden und die Straße wird zunehmend zu einer Schotterpiste.

Bis Langar führt der Weg Richtung Süden, bevor er anschließend nach Westen abzweigt und fortan entlang der Grenze zu Afghanistan und dem Grenzfluss Panj verläuft. Hinter Langar folgen noch ein paar weitere Dörfer (wie Yamg und Vrang), regelrechte grüne Oasen, welche sich vom schroffen Gebirge im Hintergrund abheben. Es wird viel angebaut, man sieht die Leute auf den Feldern arbeiten und bekommt zunehmend mehr Obst und Gemüsen an den Straßenständen zu sehen. Der Pass zwischen Pamir Highway und Wakhan Tal scheint wie eine Grenze zwischen den Landschaften, zwischen kargen, schroffen Bergen und den grünen Feldern im nahe gelegenen wasserreichen Tal.

Afghanistan schaut schön aus. An mancher Stelle erinnert der Anblick eher an die Toskana in Italien. Hier führt ein Weg am Tal entlang. Dieser scheint noch schlechter ausgebaut als der Gegenpart auf der tadschikischen Seite. Teilweise wurde die Straße erst vor einem Jahr geöffnet, der Weg musste erst in den Fels geschlagen werden. Der Tag verstreicht, ich genieße den Ausblick und winke den fröhlichen Kindern am Straßenrand zu.

Zurück auf den Pamir Highway: Von Khorog bis Dushanbe

Bei Khorog treffen sich die Wege schließlich wieder und auch die Straße wird zunehmend besser. Khorog wirkt nach den kleinen Dörfern entlang des Wakhan Tals richtig groß und städtisch. Hier verbringe ich die Nacht, bevor es weiter auf einem letzten Abschnitt des Pamir Highway nach Qala-i Khumb geht. Besonders schön ist Khorog nicht. Die Stadt ist jedoch ein wichtiger Knotenpunkt und bietet einige Tankstellen, Gästehäuser und Supermärkte. Sehenswert ist der botanische Garten etwas außerhalb der Stadt. Für die Fahrt bis Khorog habe ich wieder den kompletten Tag benötigt.

Qala-i Khumb ist schön. Viele der Gästehäuser und Hotels liegen direkt am Fluss, welcher durch die Stadt rauscht. Hier sitzt man auf hölzernen Terrassen mit der Gastfamilie zusammen und unterhält sich so gut es halt geht. Bis vor ein paar Jahren gab es in Qala-i Kumb noch einen Grenzmarkt mit Afghanistan, welcher jedoch momentan geschlossen ist. Die Fahrt von Khorog nach Qala-i Kumb dauert wieder fast den ganzen Tag. Der Asphalt wird zwar zunehmend besser, dennoch kommt man nur langsam voran.

Der letzte Tag meiner Pamir Reise geht mit einer Fahrt bis Dushanbe zu Ende. Diese Strecke ist größtenteils gut ausgebaut und man kommt schnell voran. Ich nehme hier die oben beschriebene südliche Strecke und mache noch eine letzte Pause mit Blick auf den Stausee von Norak.

Nun blicke ich zurück auf eine spannende Reise durch einen mir bis dahin völlig fremden Erdteil. Ich bin beeindruckt von der Landschaft, den Bergen – der Pamir Highway kann sich zurecht das „Dach der Welt“ nennen. Zwar bin ich Berge aus Österreich gewohnt, doch einen Ausblick wie den auf dem Pamir Highway habe ich noch nie gehabt, es ist unglaublich auf welchen Höhen man in Tadschikistan unterwegs ist und dennoch viel höhere Gipfel vor sich hat. Mal fühlt man sich klein im Schatten der Berge, mal groß auf den Pässen.

Weitere Informationen
Haben Sie noch weitere Fragen zum Pamir Highway? Unsere Zentralasienexpertin Nadja Brenning steht Ihnen gerne unter n.brenning@nomad-reisen.de oder telefonisch unter +49 221 669 625 14 zur Seite.
Autor: Jennifer Daxböck