Unsere Videographen Melanie und Georg, die auch letztes Jahr schon die Dachzeltreisen in Oman für uns in ein Video verpackt haben, waren im September in Zusammenarbeit mit unserer Partneragentur auf einer Kirgistan Reise.

In einem kurzen Interview erzählt Melanie uns ihre ersten Eindrücke.

Hallo Melanie, schön, dass Ihr wieder hier seid! Wie hat es Euch gefallen?

Ich bin glaube ich immer noch dabei die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Es war wirklich super toll. Die Kirgistan Reise war hervorragend strukturiert und geplant.

Von Corona war auf der Reise außerhalb von Bishkek nichts zu spüren, da wir in sehr ländlichen Gegenden unterwegs waren. Das war sehr angenehm. Ich bin einfach total begeistert von dem Land, der Kultur und den Menschen. Sie waren alle sehr offen uns gegenüber und sehr interessiert. Die Frage, wieso wir aus einem reichen Land wie Deutschland in ein ärmeres Land wie Kirgistan reisen, wurde uns ganz oft gestellt. Die Antwort auf diese Frage ist einfach, Neugierde und der Wunsch andere Kulturen kennenzulernen!

Was hat man in Bishkek gemerkt von Corona?

Die Menschen tragen wie auch bei uns Masken und es steht überall Desinfektionsmittel zur Verfügung. Wo es möglich ist, wird auch Abstand gehalten.

Also wird das Problem dort erst genommen?

Ja, total. Ich hatte das Gefühl, dass die meisten Menschen in der Stadt sich an die Auflagen halten.

Unsere Ansprechpartnerin Medina war mit Euch unterwegs, oder?

Ja, Medina war dabei. Außerdem auch Aksaamai, die für die deutschsprachigen Gäste vor Ort zuständig ist. Wir hatten total Glück mit Ihr das Land bereisen zu dürfen, da sie ein beeindruckendes Wissen hatte und unglaublich herzlich war. Als wir die Einheimischen besucht haben, konnten wir allein dank Ihrer Offenheit viel erfahren und einen tieferen Einblick in das Leben der Menschen erlangen.

Habt Ihr erlebt, was Ihr erwartet habt oder seid Ihr positiv oder negativ überrascht worden?

Definitiv komplett positiv überrascht. Wir waren beide noch nie in Zentralasien, wussten nicht viel über die Region und hatten auch vor Abreise nicht viel Zeit uns ausführlich zu informieren. Ohne Erwartungen angekommen waren wir beide vom ersten Tag an umgehauen worden von den Leuten vor Ort, da sie so freundlich, herzlich und offen sind. Das haben wir in dem Maße bei einer Kirgistan Reise nicht erwartet.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Die Menschen, die außerhalb der Städte wohnen, leben alle als Selbstversorger oder Halbnomaden. Sie leben ein Leben, das viele hier in Europa wieder anstreben. Die Nutztiere leben nur im Winter in Ställen. Die meiste Zeit können sie sich frei bewegen, ähnlich wie die Kamele in Oman. Pferde dürfen sogar das ganze Jahr über frei laufen. Jede Herde hat seine Leittiere, die schon als Jungtiere von ihren Besitzern, bzw. von ihren verantwortlichen Hirten, so trainiert werden, dass sie genau wissen, welcher Stimme sie vertrauen können. Zum Sommerende hin werden die Tiere dann von den Hirten wieder die Berge runter in die Dörfer getrieben. Wir hatten das Glück dies sogar beobachten zu können. Wir waren live dabei, wie ein ca. 12 jähriger Junge eine Pferdeherde von rund 50 Pferden die Berge runter getrieben hat. Das war ein atemberaubendendes Erlebnis.

Die Kirgisen leben ein sehr beeindruckendes Leben, besonders die Halbnomaden. Auch wenn sie in sehr bescheidenen Verhältnissen leben, leben sie in voller Freiheit. Diese Freiheit als Besucher mitzubekommen, ist ein ganz tolles und schwer beschreibbares Gefühl.

Meint Ihr es war eine gute Zeit nach Kirgistan zu reisen?

Definitiv! Nicht nur konnten wir das Heruntertreiben von Tieren zum Sommerende erleben, sondern auch das Wetter war sehr angenehm. Nicht zu kalt und nicht zu warm. Gerade fürs Wandern war es ideal.

Die Wanderungen sind auch für Menschen, die nicht sehr sportlich sind gut geeignet und können bestimmt auch von älteren Gästen genossen werden. Für uns waren sie wunderbar.

Ihr habt auch einige Handwerker und Initiativen besucht. Haben diese einen authentischen Eindruck auf euch gemacht?

Wir haben unter anderem drei Frauen beim Filzen zusehen dürfen. Die Frauen haben uns ihre beeindruckende Lebensgeschichte und ihren Werdegang in der Filzbranche erklärt. Sie sind sehr leidenschaftlich, in dem was sie tun und auch sehr stolz auf ihre Arbeit. Die zwei Gründeromis der Initiative Altyn Kol waren wirklich sehr süß und man sieht ihren selbstgemachten Filzarbeiten an, dass sie mit sehr viel Liebe und Herzblut erschaffen worden sind. Ich habe die Initiative als sehr authentisch empfunden.

Die Omis (so nennt man alte Frauen in Kirgistan) waren sehr herzlich und wollten uns unbedingt in ihren Arbeitsprozess integrieren. So kam es, dass ich mich selbst in dem sehr altmodischen und handgefertigten Produktionsprozess eines Filzteppichs wiedergefunden habe, wie es in Europa wahrscheinlich zuletzt vor 100 Jahren ausgeübt wurde. Sehr spannend und anstrengend! Überaus erstaunlich wie die alten Damen dies in ihrem hohen Alter noch hinbekommen.

Würdet Ihr nochmal nach Kirgistan reisen?

Ja, auf jeden Fall! Ich fand das ganze Land einfach unglaublich beeindruckend. Auf der autarken Farm hat es mir sogar so gut gefallen, dass ich dort direkt nachgefragt, ob sie Volunteers annehmen. Ich belege jetzt in der Uni auch einen Russisch Kurs! Denn wenn man keinen Guide hat, dann kommt in Kirgistan nur mit Russisch weiter. Diese Kirgistan Reise hat mir so viel Lust auf mehr Zentralasien gemacht. Man weiß einfach so wenig darüber, obwohl es so schön dort ist. Die Leute dort leben im Alltag ihre Tradition, es ist nicht einfach nur für die Touristen dargestellt. Man merkt oft die Einflüsse ehemaligen Sowjetunion, also auch politisch ist das Land total interessant.

Habt Ihr bei Eurer Reise bereits die aufkeimenden Unruhen in Bishkek bemerkt und wie denkst Du über die Proteste?

Überhaupt nicht. Lediglich verschiedene Wahlkampagnen haben wir mitbekommen und natürlich Wahlplakate überall. Das war es aber auch. In den ländlichen Regionen hat man kaum etwas von den Wahlen mitbekommen. Mit unseren Guides habe ich allerdings über die politische Situation gesprochen und da wurde mir schon mitgeteilt, dass wenn die Wahlen nicht gerecht ausfallen, die Menschen sich auf jeden Fall dagegen wehren werden. Kirgisen sind nämlich sehr furchtlos und kämpfen für ihre Rechte. So habe ich es auf jeden Fall erzählt bekommen. Und wie man jetzt sieht scheint dies auch zu stimmen. Dies bestätigt aber auch die kirgisiche politische Geschichte mit ihren Revolutionen. Kirgistan ist nicht umsonst das einzige Land in Zentralasien mit einer Demokratie.

Achja, die Kirgisen sind wirklich tolle, herzliche und beeindruckende Menschen. Ich hoffe sehr, dass ich in Zukunft noch viele weitere kennenlernen darf.

Vielen Dank Melanie! Wir sind schon sehr gespannt auf die Fotos und Videos, die Ihr von Eurer Kirgistan Reise mitgebracht habt!

Die beiden haben nicht nur Bildmaterial mitgebracht, sondern auch viele handgemachte Artikel, die wir bald in unserem nomad online Shop anbieten.

Nächste Woche erscheint außerdem auf unserem Blog ein Erfahrungsbericht von Melanie, in dem Sie mehr von ihrer Kirgistan Reise erzählen wird. Die Fotos und Videos finden Sie bald auf unserer nomad Website, auf unserem Instagram und Facebook Account.

Autor: Natalie Szydlik