Wenn man am Ufer des Issyk Kul in Kirgistan steht, vergisst man schnell, dass dies kein Meer ist, denn so weit, so klar und vor allen Dingen groß ist dieser See. Es ist nicht umsonst der zweitgrößte Bergsee der Welt. Nahe des Ufers am Ostende gelegen befindet sich die Stadt Karakol. Sowohl der See als auch die Stadt Karakol gehören zu den beliebtesten Orten auf einer Kirgistan Reise – und das hat seine Gründe.

Der Issyk Kul – das kirgisische Meer

Die gesamte Region im Osten Kirgistans heißt Issyk Kul, doch nicht nur der Name dominiert diesen Verwaltungsbezirk. Der Bodensee würde flächenmäßig ganze elfmal in den 6236 Quadratkilometer großen Issyk Kul passen. Doch nicht nur seine Größe ist außergewöhnlich, sondern auch seine Schönheit. Auf 1609 Metern Höhe gelegen, wird er umrahmt von Vier- und Fünftausendern, welche auch im Sommer eine Haube aus Schnee tragen.

Es gibt zahlreiche Strände am Nord- und Südufer des Sees, welche zu einem Bad im „heißen See“ einladen – als heiß würde ich ihn zwar nicht bezeichnen, doch wenn ich die Temperatur mit anderen Bergseen vergleiche, verdient der Issyk Kul diesen Namen dennoch.

Besonders viele Strände gibt es im Norden nahe Cholpon Ata und im Süden zwischen Tamga und Bokonbaevo.

Das Kirgisische Meer

Der Issyk Kul – Skazka Canyon

Oberhalb von Tosor, einem kleinen Ort nahe Tamga haben die Erosionskräfte von Wind und Wasser ganze Arbeit geleistet: es entstand ein fünf Kilometer langer weitverzweigter Canyon aus buntem Lehm. Im Volksmund wird dieser „Skazka“, das Märchen, genannt. Rote, gelbe, weiße und graue Türme, Wände und Zinnen haben sich hier gebildet. Von einem etwas höher gelegenen Aussichtspunkt sieht man im Hintergrund die blaue Oberfläche des Issyk Kul.

Ein in Jahrhunderteten entstandener Canyon

Karakol – Sehenswürdigkeiten

Der viertgrößte Ort Kirgistans liegt nahe dem Ostufer des Issyk Kul und ist besonders bei Rucksacktouristen als Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen beliebt, doch auch der Ort an sich ist einen Besuch wert.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten ist die dunganische Moschee, deren Gebetshaus in der Form einer buddhistischen Pagode gebaut wurde. Das farbenfrohe Gebäude ist ausschließlich aus Holz der Tien-Shan-Fichten und angeblich ohne einen einzigen Nagel erbaut worden. Dies stimmt heute nicht mehr ganz, da über die Jahre auch mit Nägeln renoviert wurde. Die Moschee kann von außen besichtigt werden, in den Gebetsraum darf man nicht. Frauen werden am Eingang zum Gelände gebeten ein Kopftuch und einen bereitgestellten Übermantel anzuziehen.

Ebenfalls sehenswert und auch von innen besichtigt werden kann die russisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit, welche ebenfalls aus Holz erbaut wurde. Die Umgebung der Kirche ist russisch geprägt und sticht durch viele Holzhäuser mit reichen Schnitzereien hervor.

Ansonsten hat Karakol noch einen großen und einen kleineren Basar zu bieten, wo man sich für Touren in die Umgebung eindecken kann.

Ich würde empfehlen hier einen Tag zu verbringen bevor man aufbricht zur Wanderung oder Weiterreise. Um auch etwas mehr über die Geschichte zu lernen, empfiehlt sich in jedem Fall eine Stadtführung, welche oft am Basar endet. Hier gibt es eine eigene Passage, welche sich auf Ashlan Fuu, das beliebteste Gericht Karakols spezialisiert hat. Diese kalte Nudelsuppe mit zweierlei Nudelarten, Gewürzen und Ei mag zwar nicht jeden Geschmack treffen, ist aber definitiv einen Versuch wert.

Kirgistan Reise: Karakols Umgebung

Oft wird Karakol nur als letzte Station vor einer Wanderung im Tien Shan genutzt, doch es gibt auch viele Tagestouren, welche gut aus Karakol zu machen sind.

Lesetipps
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Altyn Arashan

Die heißen Quellen locken nicht nur Wanderer nach der Tour zum Ala Kul an, sondern sind auch in einem Tagesausflug von Karakol aus zu besichtigen. Um allerdings nach Altyn Arashan zu gelangen, wird etwas Ausdauer und ein 4WD benötigt. Neben den kostenfreien, etwas versteckten Quellen kann man auch gegen eine kleine Bezahlung in den zahlreichen Gästehäusern einkehren und die hauseigenen Becken nutzen.

Unterwegs in Kirgistan

Jety Oguz

Auch das Tal Jety Oguz ist in einem Tag von Karakol aus zu besichtigen. Es liegt etwa 28km westlich von Karakol und wird von manchen Wanderern auch als Ausgangspunkt für eine Tour zum Ala Kul See genutzt.

Jety Oguz bedeutet „sieben Stiere“ – gemeint sind hier die roten Felsen an der westlichen Talseite des Ortes. Mittlerweile sind es durch Erosion eher zehn oder elf Stiere. Einer der markantesten Felsen ist das „gebrochene Herz“, ein großer, mit Fichten bewachsener Felsen, der wirklich an ein zweigeteiltes Herz erinnert.

Einer Legende nach ist dies das gebrochene Herz einer jungen Kirgisin, welche hier vor Kummer starb, nachdem die beiden rivalisierenden Liebhaber sich gegenseitig umgebracht hatten.

Ala Kul See

Die wohl bekannteste Wanderung in der Umgebung ist definitiv jene hinauf zum Ala Kul, einem Bergsee auf rund 3.500 Metern Höhe. Diese Tour wird von den meisten Wanderern in drei bis vier Tagen gegangen. Es empfiehlt sich der Start in der Nähe von Karakol mit Ende in Altyn Arashan und einem Bad in den heißen Quellen.

Dies waren nur ein paar Beispiele für Ziele rund um den Issyk Kul, doch es gibt noch vieles mehr zu erkunden bevor man entweder Richtung Bishkek oder zum Song Kul weiterreist. Auch eine An- oder Weiterreise ab Almaty in Kasachstan ist möglich.

Im Vordergrund der Alakul See

Weitere Informationen
Sie wollen den Issyk Kul selbst mit eigenen Augen sehen oder auch ein Bad wagen? Auf vielen unserer Kirgistan Reisen haben Sie die Gelegenheit dazu. Auch eine Besichtigung Karakols ist hier zumeist mit dabei. Mehr Informationen finden Sie hier. Haben Sie noch Fragen zu Kirgistan, dem Issyk Kul oder Karakol? Wir stehen Ihnen gerne unter info@nomad-reisen.de oder telefonisch unter +49-221-669625-0 zur Verfügung.
Autor: Jennifer Daxböck