Kirgistan ist ein Land geprägt von hohen Bergen und schroffen Felsen. Die große Höhe gepaart mit dem streng kontinentalen Klima lässt Temperaturen auch im Sommer selten über 25 Grad klettern und bietet nur wenig Raum für intensive Bewirtschaftung des Bodens. Im Südwesten allerdings bietet sich ein deutlich anderes Bild. Das Fergana-Becken, die „Kornkammer Zentralasiens“, zeichnet sich durch milde Winter und äußerst trockene und heiße Sommer aus. In dieser Umgebung gedeihen verschiedenste Obst- und Gemüsesorten und die Menschen, die hier leben, unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht von jenen in anderen Regionen Kirgistans.

Ein Besuch von Kirgistans Südwesten hält einiges an Sehenswertem bereit und ist jedem ans Herz zu legen, der genug Zeit dafür hat. Was einen erwartet und wo man unbedingt vorbeischauen sollte, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Toktogul See

Wenn man den Weg in den Südwesten Kirgistans wie viele andere von Bishkek aus antritt, wird man über die Straße M41, den Tien-Shan-Highway, durch grandiose Landschaften fahren. Einmal quer durch die Suusamyr-Hochebene, vorbei an gewaltigen Schluchten und über abenteuerliche Gebirgspässe, erreicht man irgendwann die Stadt Toktogul und den gleichnamigen See, der sich bereits früh in der Ferne abzeichnet. Dieses durch den 1974 fertiggestellten Staudamm geschaffene Gewässer trägt den Namen des Musikers Toktogul Satylganow und speist sich aus dem Naryn-Fluss, der an mehreren Stellen aufgestaut wird. Der Toktogul-Staudamm ist allerdings der größte in der Gegend. Als das Projekt zu Sowjetzeiten in Angriff genommen wurde, mussten zahlreiche Dörfer dem Stausee weichen, sodass die Bewohner in die neu erbaute Stadt Toktogul zwangsumgesiedelt wurden. Der See ist heute ein beliebtes Reiseziel und zieht jedes Jahr mehr und mehr Besucher an.

Toktogul See

Arslanbob

Ein Fixpunkt, der auf keiner Reise in Kirgistans Südwesten fehlen darf, ist Arslanbob. Der überschaubare Ort trägt den Namen des islamischen Mystikers Salmani Fars, der „Arslan“, also „der Löwe“, genannt wurde und sowohl in Kirgistan, als auch im benachbarten Kasachstan und Usbekistan gleichermaßen verehrt wird. Arslanbob ist stark usbekisch geprägt und bietet einen Basar, eine Moschee und auf dem Marktplatz eine Statue in Form eines goldenen Löwen, dem Wahrzeichen des Ortes. Am Nord- und Ostrand der Siedlung befinden sich jeweils der Große und der Kleine Wasserfall, welche im Rahmen einer mehrstündigen Tour zu Fuß besucht werden können. Doch der Grund, aus dem es Reisende aus aller Welt hierherzieht, findet sich außerhalb des Dorfes: die weitläufigen, uralten Wildobst- und Walnusswälder. Auch wenn der Wald durch menschlichen Eingriff in Form von illegalem Fällen von Bäumen und verstärkter Weideviehzucht in den letzten Jahren gelitten hat, gibt es immer noch ursprüngliche und unberührte Areale in dem Gebiet. Generell etwas besser erhalten sind die Wälder in Kyzyl Ünkür, im östlichen Nachbartal, oder auch in Kara Alma. Die wilden Urformen vieler heute weit verbreiteter Obstsorten, wie etwa Äpfel, Birnen oder Pflaumen, stammen aus dem Tien-Shan-Gebirge.

Uzgen

Wer neben den Naturwundern in Kirgistans Südwesten auch kulturell und historisch Wertvolles besuchen möchte, sollte jedenfalls in Uzgen haltmachen. Hier findet sich eines der ältesten historischen Minarette des Landes. 28 Meter hoch und mit einer Wendeltreppe ausgestattet, hat es sowohl von innen als auch von außen einiges zu bieten. Gemeinsam mit den drei Mausoleen aus derselben Epoche, stellt das Bauwerk ein wertvolles Zeugnis der Karachaniden-Zeit dar, welche sich vom 11. bis ins 12. Jahrhundert erstreckte. Uzgen hat in seinem Zentrum außerdem noch einen sehenswerten Basar zu bieten und ist vor allem für den hier angebauten Uzgen-Reis bis weit über die eigenen Grenzen hinaus bekannt. Der Uzgen-Reis zeichnet sich durch seine charakteristische bräunlich-rote Farbe aus und soll, so erzählt man es sich hier, die bestgeeignetste Reissorte für die Zubereitung des Gerichts Plov sein.

Uzgen

Osh

Wer in den Südwesten Kirgistans reist, wird kaum herumkommen in Osh haltzumachen. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, Umschlagplatz für Waren und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region. In den drei Jahrtausenden, seitdem es hier eine feste Siedlung gibt, war Osh immer wieder im Zentrum großer Imperien und historischer Ereignisse. Eines der Wahrzeichen, das durch all diese Zeit ein Merkmal der Stadt blieb, ist Sulajman Too, der „Berg des Salomon“. Dieses Felsmassiv, welches sich im Stadtzentrum erhebt, war stets wichtiger Bestandteil des kulturellen und religiösen Lebens der Stadt. Erklommen werden kann der Berg über zwei Aufstiege, bei denen auch die 30 Som Eintrittsgebühr erhoben werden. Der eine führt am Osthang von der Universität aus über einen Treppenweg nach oben und benötigt etwa 30 Minuten. Der andere, weniger steil, dafür etwas länger, führt von Südosten her zum Gipfel und passiert dabei das Sulajman-Too-Museum für Heimatkunde. Ganz oben erwartet einen die Aussichtsplattform mit Flagge und umwerfendem Rundumblick auf die gesamte Stadt. Wer eine glänzende Rinne im Boden entdeckt, kann diese sitzend hinunterrutschen um damit die vermeintlich heilende Wirkung des Ortes zu nutzen. Der Aufstieg auf den Sulajman-Too bietet sich besonders am späten Nachmittag oder frühen Abend an. Gerade in den Sommermonaten ist es dann nicht so brütend heiß und der Sonnenuntergang stellt ein lohnendes Fotomotiv dar. Die meisten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich in der Nähe des heiligen Berges. Darüber hinaus einen Besuch wert ist der Dshajma-Basar und zwar besonders jener Teil am Westufer des Flusses. Hier finden Reisende zahlreiche Handwerksstätten, Trödelläden und S

ouvenirshops. Klassische Andenken wie Filzwaren oder anderes Kunsthandwerk lassen sich hier oft zu deutlich niedrigeren Preisen als in Bishkek erstehen. Zum Entspannen zwischendurch bieten sich Spaziergänge in einem der zahlreichen Parks der Stadt an. Der Nawoi-Park im Zentrum von Osh etwa lädt mit Springbrunnen und Riesenrad zum Verweilen ein.

Hier kann man sich vor einer Weiterreise noch mit Lebensmitteln eindecken

Lenin Peak

Im äußersten Süden Kirgistans findet sich ein weiteres beliebtes Reiseziel, das jedes Jahr zahlreiche Besucher anlockt. Besonders für Alpinisten ein Begriff, aber auch außerhalb des Sports bekannt, ist der Lenin Peak bei vielen Reisenden fixer Bestandteil der Reiseroute. Der Berg an Kirgistans Südgrenze, zur Hälfte zu Tadschikistan gehörend, ist der einige 7.000er im Süden des Landes. Auch wenn der Gipfel offiziell schon vor Jahren in Kullai Abu-Ali ibn Sino umbenannt wurde, ist er sowohl bei Touristen als auch bei Einheimischen immer noch unter dem Namen Lenin Peak oder Pik Lenin geläufig. Unter Bergsteigern als einer der am leichtesten zu erklimmenden Siebentausender in der Gegend bekannt, lockt er mit seinem Basislager auf etwa 3.600 Metern Höhe allerdings auch jene an, die nicht bis ganz nach oben wollen. Eine Vielzahl an privaten Veranstaltern bietet Zeltunterkünfte samt Verpflegung an und es gibt diverse kleinere Wanderungen, die sich auch ohne alpine Ausrüstung oder geführte Touren bewältigen lassen. Zu den bekanntesten zählt gewiss die Tageswanderung zum „Traveller’s Pass“, von dem aus sich ein überwältigender Anblick auf die schneebedeckten Gipfel und Gletscher bietet. Das Basecamp ist im Sommer per Allradfahrzeug erreichbar und viele Reisende planen hier einen Zwischenstopp ein bevor sie den Pamir Highway in Tadschikistan ansteuern.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zu Wanderungen rund um das Basecamp finden Sie hier. Sollten noch Fragen offen sein oder wir Ihr Interesse an einer Kirgistan Reise geweckt haben erreichen Sie uns unter info@nomad-reisen.de oder telefonisch unter 0221 669625 0

Ausblick vom Travellers Pass

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Autor: Jennifer Daxböck