Kirgistan? Wo liegt dieses Land eigentlich? Wie groß ist es? Welche Sprache spricht man dort? Diese Fragen und viele mehr, waren die ersten Gedanken, die in unseren Köpfen rumschwirrten, nachdem wir den Auftrag von nomad Reisen erhalten hatten.

Als Videografen und Journalisten hatten wir das große Glück für nomad Reisen eine Woche den Norden Kirgistans zu erkunden.

Als wir Ende September am Flughafen in Bischkek ankamen, hatten wir so gut wie keine Erwartungen an die Reise. Wir waren noch nie zuvor in Zentralasien. Das Ganze war also absolutes Neuland für uns. Umso größer jedoch war die Vorfreude. Wir wollten uns von diesem ‚kleinen‘ Land in der Mitte Asiens einfach mal überraschen lassen.

Schon direkt in unseren ersten Stunden vor Ort, haben uns die gute Küche und die unfassbar netten Menschen überzeugt! Bei einem leckeren Abendessen durften wir die Guides und unsere kleine Reisegruppe für die nächsten Tage kennenlernen. Alles sehr sympathische Persönlichkeiten und die Stimmung war direkt familiär!

Als sehr freiheitsliebende Menschen, die ihre Reisen eigentlich immer eigenständig planen, war die Kirgistanreise für uns eine ganz neue Erfahrung. Eine voll strukturierte Reise, auf die wir uns einfach nur einlassen müssen. Um ehrlich zu sein, war dieser Gedanke für uns zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Aber mit den sympathischen Guides an unserer Seite, fühlten wir uns direkt pudelwohl. Es war ein bisschen so, als würden uns alte Freunde ihr Land und ihre Traditionen näherbringen.

Mit diesen ersten Eindrücken starteten wir am nächsten Morgen mit voller Motivation in den Tag. Vor dem Hotel erwartet uns ein kleiner Reisebus, der uns die nächsten Tage durch das Land fahren wird.

Nun führe ich Sie, liebe Leser, Schritt für Schritt durch unsere spannende Reise und durch die Welt im Norden Kirgistans.

Tag 1 – Das heutige Tagesziel ist ein Jurtencamp in Tamga

Auf dem Weg nach Tamga sind die weiten und bunten Landschaften mit Bergen im Hintergrund unser ständiger Begleiter. Unser erster Stopp ist eine lokale Familie in einem kleinen Dorf. Wir werden sehr herzlich von den Gastgebern empfangen. Sie verwöhnen uns mit einem traditionellen Festmahl. Wie auf der ganzen Reise, ist das Essen ein Traum.

Die Familie ist eine der wenigen, die noch auf traditionelle Art und Weise Jurten herstellt. Man merkt, dass es der Familie sehr am Herzen liegt, uns ihre herzliche und gastfreundliche Kultur näher zu bringen. Auf ihr Familienunternehmen sind Sie sehr stolz und wir bekommen tiefere Einblicke in die Jurtenproduktion.

Nach dem Besuch der Familie geht’s weiter. Wir fahren entlang der Grenze zu Kasachstan, wo die Berglandschaften endlos erscheinen. Die Landschaft in Kirgistan ist wirklich sehr vielfältig. Das merken wir schon am ersten Tag.
Bei unserem nächsten Stopp dürfen wir bei einer Adlerjagd dabei sein. Auch das ist ein traditioneller Brauch. Der Adler ist das Symbol von Kirgistan und spielt eine wichtige Rolle. Während die Adlerhaltung mittlerweile eher ein Hobby ist, war der Adler früher essentiell für die Nahrungsbeschaffung. Er sicherte den Besitzern eine erfolgreiche Jagd. Der große Respekt, der diesen Tieren gewidmet wird, ist deutlich erkennbar.

Bevor es schlussendlich zu unserem Übernachtungsort geht, dem Jurtencamp, machen wir noch eine kleine Sonnenuntergangswanderung durch den ‚Fairy tale‘ Canyon. Dieser überrascht uns mit seinen roten Farben, die gar nicht ins Bild der Berge hier passen. Auch hier macht sich die Vielfalt der Landschaften wieder bemerkbar.
Die Übernachtung im Jurtencamp ist einzigartig. Nicht nur, dass es natürlich ein einmaliges Erlebnis ist, in einer Jurte zu schlafen, sondern auch die Gastgeber sind wieder unfassbar herzlich. Nach dem traditionellen Abendessen haben wir noch lange mit dem Gastgeber den Abend verbracht. Der gute kirgisische Vodka darf dabei natürlich nicht fehlen.

Tag 2: Heute steht eine Wanderung durch die Berge an. Das Tagesendziel ist Karakol

Die Wanderung ist sehr empfehlenswert und meiner Meinung nach für alle Fitnesslevel und Altersgruppen machbar.

Es gibt hier mehrere moderne Nomadenunterkünfte auf dem Weg, in denen die Kirgisen sowie auch Russen und Araber im Sommer Urlaub machen. Außerdem sind wir an mehreren Tierweiden sowie an traditionellen landwirtschaftlichen Betrieben vorbeigewandert. Die meisten Kirgisen leben sehr ländlich oder in den Bergregionen. Die Landschaft hier erinnert mich teilweise ein bisschen an Kanada.

Während des ganzen Trips, bin ich von der Lebensweise der Kirgisen sehr inspiriert. Sie leben ein sehr einfaches und naturverbundenes Leben. Die meisten strahlen eine tiefe Zufriedenheit aus. Sie halten fest an ihren Traditionen und das ist auch gut so.

Immer wieder sind die Kulissen auf unserem Weg spannend zu betrachten. Besonders die Landwirtschaft hier fasziniert mich. Alles sehr einfach und nachhaltig und trotzdem funktioniert es. Dazu erfahren wir morgen mehr.

Auch am Abend sind wir wieder zu Gast bei einer lokalen Familie. Dieses Mal dürfen wir der Gastgeberin ein wenig beim Kochen helfen. Gekocht wir das traditionelle Nudel-Gericht „Laghman“.

Tag 3: Highlight in Karakol

Heute steht etwas ganz Besonders an. Wir besuchen eine Farm in Tepke. Das Besondere an dieser Farm? Sie eine der erfolgreichsten in Kirgistan und das, obwohl die meiste Arbeit immer noch auf traditionelle Art und Weise verrichtet wird. Das ist in Kirgistan typisch. Es gibt keine Massenindustrie. Alle haben ihre eigenen Tiere, ihr eigenes kleines Land, das sie bewirtschaften. Was man nicht selbst hat, wird mit anderen getauscht oder auf dem Wochenmarkt gekauft. Die Menschen hier leben sehr autark. So auch die Farm und ihre Besitzer. Von Apfelfeldern bis hin zur Pferdezucht, hier ist alles vorhanden. Die Farmfamilie exportiert nicht nur ihre Äpfel international, auch ihre Pferde sind global bekannt und gehören zu den teuersten Pferden Zentralasiens.

Pferde haben, genau wie Adler auch, einen hohen Stellenwert in der kirgisischen Kultur. Sie sind zwar meistens noch Nutztiere, aber die Beziehung zwischen Mensch und Tier geht darüber hinaus. Jeder, der auf dem Land aufgewachsen ist oder dort Familie hat, bekommt ein Pferd zur Geburt geschenkt. Die Kinder auf dem Land wachsen mit Pferden auf. Fast alle Kirgisen können reiten, zum minderst behaupten sie das. Besonders für das Nomadenleben sind Pferde extrem wichtig. Dazu erzähle ich später mehr.

Hier ein paar Eindrücke der Farm:

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Auch hier werden wir natürlich herzlichst empfangen und reichlich bekocht.

Unterwegs erhalten wir einen tieferen Einblick in die religiöse Kultur Kirgistans. Ca. 75% des Landes sind Muslime. Ungefähr 20% der Menschen hier sind Christen, davon gehören die meisten der Russisch-Orthodoxen Kirche an. Was die Religion angeht, sind die Menschen hier nicht so strikt, wie man es sonst oft aus muslimischen Ländern kennt. Alles hier scheint sehr frei und selbstbestimmt.

Anschließend lernen wir Almaz kennen. Er ist ein Sattelmacher und Künstler. Er hat uns viel aus seinem Leben erzählt, über die Sattelkunst, seinen akademischen Werdegang und auch wie die chinesische Massenproduktion mittlerweile sein Geschäft kaputt macht.

 

Über den zweiten Teil unserer Reise und unser Fazit lesen Sie im nächsten Teil meines Reiseberichts, der am kommenden Samstag, den 07. November erscheint.

 

Autor: Gastautor_in