Über Weihnachten waren Frau von Rüdt und Herr Millahn im Sudan unterwegs und haben Ihre zahlreichen Erfahrungen in einem Sudan Reisebericht festgehalten. Lassen Sie sich von den Farben der Wüste und dem Lächeln der Sudanesinnen und Sudanesen inspirieren.

Auf der Suche nach den Pyramiden der schwarzen Pharaonen. Seit Jahrzehnten haben wir davon geträumt, sie zu sehen, Anfang 2020 war es endlich soweit. Zunächst suchten wir in Karthoum den Zusammenfluss des blauen mit dem (grün-) weißen Nil und konnten die Farbunterschiede tatsächlich erkennen. Karthoum ist eine Stadt der Gegensätze: hier das Super-Hotel Corinthia. Dort ein Wohngebiet am Rande der Stadt mit einer Bäckerei. Am Freitag zum Sonnenuntergang finden am Friedhof in Omdurman am Hamad-al-Nil-Mausoleum religiöse Zeremonien von Anhängern des Sufismus statt. Manchmal drehen sich die die afrikanischen Derwische auch in Trance.

Ein anderes, aber ebenfalls hoch interessantes Freitagsevent ist das Nuba-Wrestling, eine Art Freistilringen. Natürlich eine Männerangelegenheit, aber ich traf außer mir auch noch eine sudanesische ältere Dame.

Nuba-Wrestling

Sudan Reisebericht: Abfahrt in die Wüste

Jetzt geht es mit unserer Truppe in die nubische  Wüste: hinter Herbert Tijane, unser guide, vor Helga Samir der Fahrer des Wagens 2, neben ihr Barakat und Amir, ein Dream-Team: Barakat ist ein Spitzenkoch und Amir der beste Fahrer und Wüstenkenner, der Wüstenfuchs. Wir fühlten uns bei ihnen bestens aufgehoben und versorgt und hatten viel Freude miteinander.

Unsere Gruppe

Bevor wir die Stadt verlassen sorgt Barakat dafür, dass unsere Lebensmittel auch schön kühl bleiben. Zunächst über die Asphaltpiste nach Norden, dann nach gut drei Stunden finden wir uns alleine in der herrlichen Sandwüste.

Wunderbare Farben und vor allem Formen sind hier zu sehen. Ab und zu kommen eine paar vulkanische Steine dazu. Und dann plötzlich seltsame weiße Scherben: der Rest eines Straußengeleges, die leben also auch noch in der Wüste. Gesehen haben wir allerdings keinen. Die Muscheln erinnern daran, dass sich hier vor langer Zeit das Urmeer befunden hat.

Brunnen und Wasserquellen

Heute findet man auch Wasser in der Wüste, doch es liegt mindestens 40 -50m tief und wird mit Ledereimern und der Hilfe von Eseln oder Kamelen heraufgezogen. Die Kamele können lange ohne Wasser auskommen, schließlich müssen aber auch sie trinken. Und die Menschen haben natürlich auch Durst. Amir findet immer den einzigen Baum in der Wüste, der etwas Schatten spendet, damit wir unseren Hunger und Durst löschen können. Manchmal kommt einem mitten in der Wüste ein einsamer Reiter entgegen, dann wieder eine Kamelkarawane auf dem Weg zu den Metzgern in Ägypten.

Was ist das denn? Nein kein Drachenrücken, sondern die Mittelrippe eines Blattes der Dumpalme. Auch eine Wüsteneidechse entdeckten wir auf unserer Reise, jedoch keine Schlangen oder Skorpione. Denen war es im Januar noch zu kalt. Das sieht fast aus wie eine Schildkröte oder?  Uralte Felsritzungen sind hier mitten in der Wüste zu sehen.

Es wird Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. Dies ist eines unserer 5-Sterne Hotels in der Wüste. Die Tagesetappe klingt mit einem „Mensch ärgere dich nicht-Spiel“ aus, bis die Sonne einen spektakulären Abgang macht.

Auf den Spuren der Kulturschätze des Sudan

Nun wird es Zeit sich mit der Kultur dieses Landes zu befassen: Beeindruckend die Ruine aus luftgetrockneten Ziegeln in Kerma, die aus dem 2.Jahrtausend vor Christus stammt. Dass sie heute noch knapp 20 Meter in den Himmel ragt zeigt, dass es hier schon immer ziemlich trocken war, wenngleich das Niltal bei weitem fruchtbarer war als heute. Lustig zu sehen, dass schon die Kleinen an einem Ausflugstag an die lange Geschichte ihres Landes herangeführt werden.

Ruine aus luftgetrockneten Ziegeln in Kerma

Während des neuen Reiches in Ägypten im 1.Jahrtausend vor Christus stoßen die Pharaonen bis zum 4.Katarakt des Nils vor und errichten prunkvolle Tempelanlagen, wie die in Soleb.

Um Ägyptens Stärke zu demonstrieren, werden die gefangenen Nubier, mit deutlich afrikanischen Gesichtszügen, auf den Säulen dargestellt. Jeder ist mit seinem Namen in der Kartusche unsterblich gemacht. Im 3.Jahrhundert ist das Nubische Reich erloschen und wird gefolgt von christlichen Königreichen, die ihre Spuren hinterlassen, unter anderem  in Old Dongola und auf der Insel Sai.

Die Lebensader des Sudan: der Nil

Die meisten Katarakte des Nils sind von Staudämmen überflutet. Das Dritte existiert noch in seinem ursprünglichen Zustand. Entlang des Nils ziehen sich die nubischen Dörfer. Die Häuser, die von einer Mauer umgeben sind,  werden meist farbig verputzt und mit kunstvollen Mustern verziert. Wir machen einen Besuch und sogleich ist das halber Dorf im Hof versammelt und schaut neugierig nach den Fremden. Auf dem Nachbarhaus entdecken wir ein Wiedehopf-Pärchen. Es begrüßt uns mit einem fröhlichen hupp-hupp.

Nach über einer Woche in der Wüste genießen wir nun das wunderschöne Gästehaus am Fuße des Jebel Berkal. Selbst wenn nur noch wenige Säulen stehen, so ist es ein ganz besonderes Gefühl vom Eingang langsam bis zum Allerheiligsten durch diesen Tempel des Amun zu schreiten mit dem Felsen im Hintergrund. Wenn man vor den wirklich beeindruckenden Pyramiden von Nuri  steht, wächst das Bedürfnis sich selbst ein wenig größer zu machen. Dazu dient auch das Wüstenschiff, die berühmten Pyramiden von Meroe bieten einen netten Hintergrund.

In Naqa begegnen wir der Königsfamilie von Natakaman, die dem Löwenkönig Apedemak huldigt. Die Königin Amanitere zeigt zum einen eine deutlich weiblich afrikanische Figur und zum anderen ihren Status: sie hat sehr lange, gepflegte Fingernägel.

Das ermahnt uns daran, uns wieder zu zivilisieren: Herbert lässt sich den in der Wüste gediehenen Stoppelbart abrasieren.

Der Sudan ist vielfältig

Wenn Sudanesen mit einander reden, dann hört sich das immer wie ein Streit an und das Gespräch wird mit vollem Körpereinsatz geführt. Der Sudan ist ein Schmelztiegel verschiedener Volksstämme, entsprechend ist die Vielfalt der Gesichter, denen wir begegnen. Der Sudan ist seit dem 17. Jahrhundert ein islamischer Staat. So ist es üblich, dass Frauen sich in große Tücher – genannt Toub – hüllen und die Haare bedecken. Aber auch hier macht sich Afrika bemerkbar: die dunkelhäutigen Frauen lieben Farben. Man kann auch Frauen entdecken, die mit ihrem schlanken Körper an ägyptische Göttinnen erinnern und daneben die weichen runden Formen der afrikanischen Ursprungs.

Anders als im Iran, mögen es die Frauen hier nicht so sehr, wenn man sie fotografieren will. Doch wir bekommen von einigen wenigen die Erlaubnis dazu.

Das ist die Zukunft des Sudan: junge Menschen, wie unser Guide Tijane, die ihr Land lieben, sich für Recht und Freiheit engagieren und offen sind für Anregungen und Impulse von außen. Am letzten Tag hat er sich für uns in Schale geworfen.

unser Guide Tijane

Danke, für die wunderbare Zeit.

Weitere Informationen
Hat Sie unser Sudan Reisebericht neugierig gemacht? Unsere Sudanreisen finden Sie auf unserer Website. Bei Fragen oder sonstigen Anliegen kontaktieren Sie gerne Sebastian Unrecht unter s.unrecht@nomad-reisen.de oder telefonisch unter 0221 – 66962515.
Autor: Gastautor_in