nomad-Reise „Rub al-Khali“, im Januar 2010

Weil das Leben uns immer wieder mit erhöhten Windstärken ins Gesicht pustet, brauchen wir Orte und Menschen mit Wurzeln, die tief nach unten reichen. Deshalb mache ich mich von Zeit zu Zeit auf in die Wüste. Sie öffnet die Tür in meinem Leben zu Menschen, die vollkommen anders sind, die mich inspirieren, amüsieren, verblüffen und wärmen. Es sind die herzlichen Bemühungen der Menschen, ihre achtsamen Bewegungen und Blicke. Es ist der Reichtum der Formen, der mich still und leise werden lässt. Die Wüste zeigt mir Kompliziertheit, Anpassungsfähigkeit und Überlebensstrategien. Alles ist komplex und doch so simpel.

Zeit haben. Das Jetzt spüren. Atemholen. Die Wüste erzählt mir mit jedem Schritt eine neue Geschichte. Im warmen Licht der auf- und untergehenden Sonne wachsen die Schatten. Nirgendwo sonst ist das Spiel der Farben so raffiniert einfach und gleichzeitig so meisterhaft. Meine Begeisterung für die Umgebung wandelt sich durch Stille und Einfachheit in eine ruhige Wahrnehmung. Ein Ort, der mich zur Ruhe kommen lässt um Dinge aus der Distanz zu betrachten, meinen Kopf zu leeren, das Schwere loszulassen, Kummer zu vergessen, Gedanken auf den Punkt zu bringen.

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Es geht im Leben nicht darum, einfach nur um den Globus zu jetten und irgendwo komfortabel Station zu machen. Es geht darum zu sich selbst zu finden, sich als Teil der Welt zu begreifen und dafür Sensibilität zu entwickeln. Um zu wissen, was wir weitergeben möchten, müssen wir wissen was wir haben. Es gilt Erfahrungen zu einem großen Ganzen zusammenzubauen. Die rosa Brille abzunehmen. Und trotzdem gern in die Welt zu schauen. Zu lernen, den Rucksack selbst zu tragen. Dabei das Gewicht so zu verteilen, dass er nicht zu schwer wird. In Übereinstimmung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen.

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Die Wüste ist eine Art Raststation zwischen Erinnern und Vergessen. Und Vergessen ist nötig, um Speicherplätze freizumachen für Schönes, das ich behalten und ablegen will, um es wieder hervorholen zu können, wenn ich es brauche. Die Sehnsucht nach der Wüste wird immer Teil meines Lebens bleiben. Was gibt es Schöneres, als sich erst zu sehnen, dann diese Sehnsucht erfüllt zu bekommen und daraus wieder eine neue Sehnsucht abzuleiten? Es ist ein lebenslanges Spiel zwischen Abschied und Wiederkehr. Ich wünsche mir bald zurückzukehren. Inshallah.

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Maria Rohner (Text und Fotos). 

Infos zur Oman Wüstenreise – Rub al-Khali intensiv

Autor: Lorenz Topperwien