Iranerin

Kopftuch, Tschador, Ganzkörperverhüllung – diese Assoziationen fallen einem als erstes ein, wenn man an Iran und Kleidung denkt. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Der Iran hat eine extrem junge und überwiegend städtische Bevölkerung (70% der IranerInnen sind unter 25 Jahren alt) und das Bildungsniveau ist relativ hoch. Die konservativen Mullahs sehen sich den zunehmend modernen Erwartungshaltungen und Lebensgewohnheiten der jungen und jung gebliebenen Menschen gegenüber, die nicht mehr bereit sind, ohne weiteres den alten Regeln zu folgen. Die Kleidervorschriften werden immer weiter aufgeweicht, in den Städten geht das schneller als auf dem Land, wie bei uns hält die Moderne zuerst in den urbanen Regionen Einzug und breitet sich von dort in alle Ecken des Landes aus.

In Teheran und den großen Städten sind die Iranerinnen modisch und selbstbewusst gekleidet. Vor allem in der Hauptstadt ist der Mantel einem längeren und taillierten Blazer gewichen, die bunten Kopftücher sind weit nach hinten gerutscht und die Fingernägel in kräftigen Rottönen lackiert.

Auf dem Land ist das – wie bei uns auch – noch anders. Hier sind sowohl Frauen wie Männer konservativer gekleidet. Den Tschador findet man zwar nur noch selten, die Kopftücher wie die gesamte Kleidung sind jedoch in der Regel in gedeckten Farben gehalten und lackierte Fingernägel noch verpönt. Gäste unserer jüngsten Iran-Reisen haben uns berichtet, dass inzwischen auch auf dem Land immer häufiger bunte Kopftücher und kürzere Mäntel zu sehen sind.

Alles, was Sie also beachten müssen, ist, dass – was immer Sie einpacken und anziehen möchten – die Körperformen nicht betont und die Haare bedeckt sind: durch einen bis zum Knie oder zumindest zum halben Oberschenkel reichenden Mantel, weite Hosen und lange Röcke sowie einige Kopftücher, alles möglichst in gedeckten Farben. Entsprechend können Sie Ihren Koffer packen.

Iranerin

Sinnvoll und praktisch sind auch lange (bis zum Knöchel reichende) Baumwoll- und Seidenröcke. Damit ist frau immer gut angezogen und dazu noch voll im Einklang mit den iranischen – und islamischen – Konventionen. Und der Toilettengang wird auch einfacher. Dann noch zwei lange weite Leinen- oder Jeanshosen und einen Kurzmantel, der fast bis zum Knie reicht. Ein Trenchcoat tut’s zur Not auch. Da frau den Mantel in der Öffentlichkeit nie auszieht (auch nicht in Restaurants oder Hotelhallen – Öffentlichkeit ist alles außerhalb des eigenen Hotelzimmers), erübrigt sich die Frage nach dem Untendrunter. Je nach Jahreszeit Kurz- oder Langarm-T-Shirts aus Baumwolle, die auch schnell mal gewaschen sind. Im Winter entsprechend ein wärmerer Mantel und/oder ein Pullover darunter.

Ebenso wird auch das Kopftuch in der Öffentlichkeit nicht ausgezogen. Tagsüber kann man ganz gut ein Baumwolltuch bzw. einen breiten Baumwollschal um den Kopf und Hals drapieren – die Iranerinnen werden Ihnen im Flugzeug zeigen, wie das am besten geht – und am Abend im Restaurant ein Seidentuch, ganz schick. Auch diese Tücher kann man schnell mal durchwaschen. Und mit mehreren Tüchern (die nehmen ja nicht viel Platz weg) kann frau sich abwechslungsreich kleiden. Sie werden sich wundern, wie schnell Sie sich an das Tuch gewöhnen. Dadurch wird auch der “Abstand” zwischen Iranerinnen und uns sehr viel geringer und man fühlt sich eher dazugehörig.

Bleibt noch die Schuhfrage: Für tagsüber eignen sich bequeme flache Schuhe (z.B. Sneakers), denn die Ausgrabungsstätten sind nicht immer eben und auch für die Stadtspaziergänge sind bequeme Treter sinnvoll. Ggf. Strümpfchen dazu, damit man den Knöchel nicht sieht, und fertig. Abends kann frau natürlich auch hohe Schuhe anziehen, sie sollten jedoch auch geschlossen sein. Natürlich kann man auch tagsüber mit hohen Schuhen laufen. Wichtig ist, dass es sich auch hier um keine auffälligen oder allzu modische oder hochhackige Exemplare handelt.

Auf Wanderungen und Trekkings kann frau selbstverständlich auch Trekkingkleidung tragen. Wichtig ist hierbei nur, dass Po und Schritt von einer längeren Jacke oder einer längeren weiten Trekkingbluse bedeckt sind und dass die Hose bis zum Knöchel geht. Ich weiß nicht, ob es schon atmungsaktive Trekking-Kopftücher gibt, doch ein einfacher breiter Baumwoll- oder Seidenschal passt auch hier ganz wunderbar.

Für Männer gestaltet sich die Packerei noch einfacher: lange Hosen (kurze sind tabu), langärmelige Hemden und T-Shirts (kurzärmelige werden nicht gern gesehen, aber in den Städten toleriert), Jacke, fertig.

Für unsere Wüstenreisen gelten eher beduinische Regeln, hier stehen Wind- und Sonnenschutz im Vordergrund: Eine winddichte und atmungsaktive (Trekking-)Jacke, die bis über den Po reicht (das muss nach wie vor sein) oder eine entsprechend lange und langärmelige Bluse sind völlig ausreichend. Wenn wir nur im Sand blieben, bräuchte man noch nicht einmal das, doch wir besuchen ja auch die Menschen in den Oasen und dort sollten die gesellschaftlichen Mindestregeln respektiert werden. Denn wir wollen ja gern gesehene Gäste sein, zudem erleichtert eine angemessene Kleidung überall den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Das Kopftuch gehört nach wie vor dazu, als Schutz vor Wind und Sonne, wie in anderen Wüsten auch. Schick ist dazu die Schirmmütze über dem Kopftuch –  diese wird auch von Iranerinnen als Sonnenschutz für das Gesicht bevorzugt getragen. Trekkinghosen mit langärmeligen Blusen, in den Oasen einen kurzen Mantel respektive eine längere Jacke darüber sind durchaus möglich, ebenso die Trekkingsandalen. Die Trekkinghose sollte so lang sein, dass sie die Knöchel verdeckt. Und so gibt es überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen einer Iran Wüstenreise und einer Jordanien-, Marokko- oder Oman Wüstenreise. Überall sind Sonnen- und Windschutz wie der Respekt vor der einheimischen Bevölkerung das Maß der Dinge.

Autor: Eva Kuhl