Die usbekische Bahngesellschaft Ozbekiston Temir Yollari konnte Ende Februar 2016 den Bau der elektrifizierten Bahnstrecke von Angren in der Region Tashkent nach Pap in der Region Namangan abschließen. Insgesamt ist die Trasse 123 Kilometer lang, 19 Kilometer laufen durch neu erbaute Tunnel, zwei Kilometer über neu angelegt Brücken. Aufgrund der landschaftlichen Begebenheiten – die Strecke führt durchs Hochgebirge –  gestalteten sich die Bauarbeiten äußerst anspruchsvoll.

Die neue Bahnstrecke ermöglicht bequeme Reisen in das fruchtbare und florierende Ferghana-Tal, das „Goldene Tal Zentralasiens“, in dem die Städte Ferghana, Margilan, Rishtan, Kokand und Andijan liegen. Weite Baumwollfelder, Melonen- und Kürbisplantagen und Weinberge dominieren die ländlichen Gebiete, Pappeln, Platanen, Maulbeerbäume und Ulmen säumen die Straßen.

Margilan, eine der ältesten Städte Zentralasiens, lässt an Alexander den Großen denken. Der Name der Stadt entstand der Sage nach als dieser sich dort aufhielt. Die Einwohner hatten sich vorher über seine Essgewohnheiten informiert und servierten ihm sein Leibgericht: Hühnchen mit Brot, lokal „Murginon“ genannt.

Bereits im 10. Jahrhundert war die Stadt bekannt für ihre Seidenfabriken, deren Erzeugnisse nach Ägypten, Griechenland, Bagdad, Khorasan und Kashgar geliefert wurden. Noch heute gilt Margilan als Seidenhauptstadt Usbekistans.

Nur 12 Kilometer von Margilan entfernt liegt das ursprünglich als „Neu Margilan“ gegründete Ferghana, eine recht junge Stadt, deren Gründung als russische Garnisonsstadt auf das Jahr 1876 zurückgeht. Erst im 20. Jahrhundert, vor allem aber seit der Erlangung der Unabhängigkeit Usbekistans im Jahr 1991, verzeichnete die Stadt ein erkennbares Wachstum.

Charakteristisch sind die weiten, baumbestandenen Alleen, gesäumt von Häusern im zaristischen Kolonialstil des 19. Jahrhunderts.

Weitere 50 Kilometer entfernt befindet sich Rishtan. Die recht kleine Stadt ist dank ihrer Keramikherstellung überregional bekannt. Seit über 800 Jahren geben die Töpfer ihre Kenntnisse von Generation zu Generation weiter – mit großem Erfolg: In zahlreichen internationalen Ausstellungen, Museen und Privatsammlungen lassen sich die Produkte – meist verziert mit blauen und türkisen Ornamenten – bewundern.

Porzellan aus Ferghana-Tal

Die Fahrt führt Sie weiter nach Kokand. Kokands Vorgängerin Khavakend war eine wichtige Station der Karawanenstraßen von Indien und China und gleichzeitig das wirtschaftliche und religiöse Zentrum des Farghanatales. Sie wurde im 13. Jahrhundert von den Mongolen zerstört. Die heutige Stadt entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Der Palast des Khans Xudayar mit seiner 70 Meter langen, reich verzierten Fassade stammt aus der Blütezeit der Stadt. Von hier wurde im 19. Jahrhundert. das Khanat von Kokand regiert, das bis ins heutige Kasachstan reichte. Neben der Heimat der Khane zu Lebzeiten besuchen Sie mit dem Friedhof auch ihre heutige Ruhestätte. Hinter dem überkuppelten Portal des Friedhofs erwarten Sie überdies die Mausoleen und Gräber der wichtigsten Bewohner Kokands.

Andijan war ein wichtiger Umschlagplatz auf der Seidenstraße zwischen Tashkent und Kokand. Sie ist die Geburtsstadt von Zahir ad-Din Muhammad, dem unter seinem Spitznamen Babur („Bieber“) bekannten Begründer des Mogulreiches, das sich im 15. Jahrhundert über große Teile Indiens, Pakistans und Südasiens erstreckte. Das nach ihm benannte örtliche Museum der Stadt macht seine Geschichte lebendig.

Nutzen Sie die neue Bahnstrecke und erleben Sie die interessanten Städte des Ferghana-Tals auf Ihrer Reise durch Usbekistan und Tadschikistan.

Autor: Eva Kuhl