Bei etwa 50 Grad im Schatten backen wir im spärlichen Schatten eines provisorischen Unterstands vor uns hin und trinken grünen Tee, der gefühlt mindestens so warm wie die Luft ist. Kein Windhauch verschafft uns Erleichterung, und wenn ich mir den dick in seine langärmelige Trainingsjacke eingepackten Kamelhirten mit der cool verspiegelten Sonnenbrille betrachte, dann rinnt mir der Schweiß gleich nochmal so schnell den Rücken hinunter.

Aber wir sind nicht (nur) zu unserem Vergnügen in die Karakum gefahren, sondern um einen der spannendsten Flüsse Zentralasiens zu erkunden: den alten Oxus, heute Uzboy genannt.

Erkundung des Oxus

Schon im Frühjahr waren wir an seinem Ufer gestanden und hatten von einer genaueren Erkundung der tief in die Dünenlandschaft der Karakum eingegrabenen Schlangenkehren des Uzboy geträumt. Wir sind wie im Frühjahr auch diesmal mit zwei Geländewagen unterwegs. Auf den alten russischen Karten studieren wir die dort eingezeichneten Tracks und überlegen, welche dieser alten Pfade am besten für unsere Reise geeignet sind. Denn obschon die Karakum relativ dicht besiedelt ist und wegen der vergleichsweise dichten Vegetation große Schaf- und Ziegenherden hier leben, sind manche Teilgebiete in den letzten etwa 50 Jahren kaum mehr befahren worden.

Pisten sind aber fürs Fortkommen mit den Geländewagen in diesen Regionen überaus wichtig, denn die vielen Büsche und – in einigen Gebieten – Saxaulbäume führen dazu, dass man eigentlich nirgendwo einfach in den Dünen fahren kann. Ohne Pisten sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Fahren auf weit unter 10 km/h, und auf einer alten, unbenutzten Piste schafft man auch nicht viel mehr als 20 km/h. Dank der alten Karten und der Ortskenntnis unseres Guides gelangen wir immer wieder an den Fluss und können von den Steilufern aus die in der Tiefe bunt schimmernden, stark mineralhaltigen Seen bewundern, aber gleichzeitig auch die vielgestaltige Dünenlandschaft erkunden. Mit von der Partie ist auch ein turkmenischer Archäologe, der seit vielen Jahren in der Karakum forscht und uns zu zahllosen Fundstätten führt. Die meisten liegen am Ufer des Uzboy. Seine Ideen und Anregungen fließen natürlich in die weitere Planung der Expedition ein!

 

Wieder in Gerolstein, geht es an die Feinplanung der Expedition

Um die vielfältige Landschaft, die Fauna und die Flora der Karakum in allen ihren Facetten erleben zu können beschließen wir, auch die Randbereiche des Kaspischen Meers mit in die Route einzuschließen. Deswegen beginnt unsere Geländewagenexpedition mit der Erkundung der Ufer des Karabogaz Gol. Das Wasser dieser Lagune ist ebenso salzhaltig wie das Wasser des Toten Meeres. Entsprechend gibt es auch in der Karabogaz kein tierisches Leben. Später erreichen wir – von den farbenprächtigen Kalkstein-Formationen ganz im Westen bei Yangikala kommend – den Uzboy, bevor wir die zentrale Karakum weiter östlich bis hinüber nach Repetek erkunden. Mit dieser Route einer Turkmenistan Wüstenreise haben wir vor etlichen Jahren als erster europäischer Reiseveranstalter überhaupt diese große zentralasiatische Wüste erschlossen.

Die Karakum bedeckt einen Großteil von Turkmenistan – etwa 80% der Landesfläche. In den – für zentralasiatische Verhältnisse – milden Wintern mit Temperaturen um den Gefrierpunkt fällt manchmal etwas Schnee, der die Wüste wie mit einer dünnen weißen Haut überzieht.

Im Frühjahr setzen teils reichliche Regenfälle ein, die die Wüste für wenige Wochen in ein Gras- und Blütenmeer verwandeln. Bei unserer Reise im April hatten wir über die vielfältigen Blumenpracht gestaunt!

Kein Wunder, dass auch zahlreiche Tiere, angefangen von größeren Säugern wie Gazellen über die berühmten Wüstenwarane bis hin zu etlichen Vogelarten in dieser Wüste leben. Einige Arten wie die Schildkröten beschränken ihre Aktivitätsphase sogar komplett auf die wenigen Frühlingswochen und verbringen den Rest des Jahres schlafend im Boden.

Ganz klassisch für die Karakum, die „Schwarze Wüste“ sind überdies die hohen Saxaul-Bäume, die weiter im Osten, im Biosphärenreservat Repetek sogar die stolze Höhe von 5 Metern erreichen und ganze Wälder bilden. Repetek steht unter strengem Naturschutz, und Genehmigungen zum Besuch der Station werden ausschließlich Wissenschaftlern erteilt. Wenngleich das Reservat auch uns verschlossen bleibt, sind die Vegetation und die Wüstenformen um Repetek herum ebenso vielfältig wie im Schutzgebiet selbst, sodass wir während unserer Expeditionen in die Karakum mit etwas Glück nicht nur Saxaulwälder durchstreifen, sondern auch die vielfältige Tierwelt beobachten können.

Wie so viele Ortsnamen ist Repetek ein sprechender Name, der aus dem Arabischen übersetzt wohl „umgrenzter Ort mit schalem Wasser“ bedeutet. Dennoch war Repetek auch zu Zeiten der Seidenstraße eine wichtige Station, etwa auf halbem Weg zwischen Buchara im Nordosten und der berühmten Oase Merw (heute Mary) im Südwesten gelegen. Start- und Endpunkt unserer Expedition ist natürlich Ashgabat, die herausgeputzte Hauptstadt Turkmenistans. Historische Monumente aus der Zeit der Seidenstraßen sind hier jedoch nicht zu finden. So wird die Oase Merw für uns zum Endpunkt unserer Wüstenexpedition.

Die Turkmenistan Wüstenreise im kommenden Frühjahr wird von unserem langjährigen und erfahrenen Reiseleiter Dima begleitet.
Die nun folgenden Fotos hat Ulrich Müller im Jahr 2015 auf unserer 19-tägigen Expedition in die Karakum geschossen, ebenfalls begleitet von Dima.

Wer noch mit auf die am 24. März beginnende zweiwöchige Expedition kommen möchte, der melde sich am besten direkt bei Julietta Baums (Durchwahl 06591-94998-12).

Autor: Julietta Baums