Bei einer Kirgistan Reise kann es schnell passieren, dass man von den zumeist sehr herzlichen und freundlichen Kirgisen zum Essen oder zum Tee eingeladen wird. Die in ganz Zentralasien hochgeschätzte Gastfreundschaft wird auch hier in Ehren gehalten. Wenn man zu Gast bei einer kirgisischen Familie sind, gibt es allerdings ein paar Dinge, die man beachten sollte. Nicht weil einem als Tourist irgendjemand für einen kleinen Fauxpas böse sein wird – die meisten Kirgisen sind sehr kulant und nehmen ihren Gästen Unwissenheit über lokale Gepflogenheiten nicht krumm. Aber wenn man einige Tipps und Ratschläge beherzigt, freuen sich die Gastgeber ungemein.

Zu Gast bei einer kirgisischen Familie

Geschenke

Wenn man auf seiner Kirgistan Reise zu einer kirgisischen Familie nach Hause eingeladen wird, ist es eine gute Idee, ein Geschenk oder eine kleine Aufmerksamkeit für seine Gastgeber mitzunehmen. Dies wird von ausländischen Gästen nicht erwartet, doch dürfte die Freude mit Sicherheit groß sein. Üblicherweise bringt man zumindest für die Kinder des Hauses eine Kleinigkeit mit. Das sind klassischerweise Süßigkeiten, Spielzeug oder kleinere Gebrauchsgegenstände wie Stifte und dergleichen. Aber auch Erwachsene mögen Süßes: Kuchen und Torten, ob selbst gemacht oder gekauft, sind stets willkommen. Darüber hinaus kann man seinen Gastgebern auch gerne Blumen oder alkoholische Getränke, wie etwa Vodka oder Schnaps, mitbringen.

Begrüßung

Wenn Sie auf Ihrer Kirgistan Reise dann im Heim Ihrer Gastgeber ankommen gibt es ein paar Gepflogenheiten bei der Begrüßung die zu beachten sind. So ist, wie in den meisten Gegenden Europas, das Händeschütteln die verbreitetste Form der Begrüßung. Anders ist jedoch, dass dies üblicherweise nicht zwischen Vertretern verschiedener Geschlechter praktiziert wird. Als Mann reicht man anderen Männern die Hand zum Gruß. Frauen schütteln sich gegenseitig ebenfalls oft die Hände, während es zwischen Männern und Frauen typischerweise keinen Körperkontakt gibt. In einem solchen Fall reicht ein freundliches Zunicken aus. Im Allgemeinen und vor allem, wenn man sich unsicher ist, kann es hilfreich sein abzuwarten und sein Gegenüber die Begrüßung initiieren zu lassen. Die im gesamten zentralasiatischen Raum geläufige Grußformel, die auf jeden Fall verwendet wird, ist das arabische „Salam Aleykum“.

Bevor man in die Unterkunft der gastgebenden Familie eintritt, ist es Usus, dass man die Schuhe auszieht und entweder draußen lässt oder im unmittelbaren Eingangsbereich deponiert. Nur wenn man mehrfach aktiv dazu aufgefordert wird seine Schuhe an zu behalten, weil etwa der Boden nach Meinung der Gastgeber nicht für schuhloses Betreten geeignet ist, kann man aufs Ausziehen verzichten. Häufig wird man bei der Begrüßung auch Fragen zur eigenen Gesundheit, zu Familie und Beruf oder allgemeinem Wohlbefinden zu hören bekommen. Diesen „Smalltalk“ gilt es zu erwidern und sich ebenso bei seinen Gastgebern nach deren Wohlbefinden zu erkundigen.

Zu Gast bei einer kirgisischen Familie

Gastmahl

Wird man nicht nur auf einen Tee, sondern gleich zu einem Gastmahl geladen, gilt es noch einige weitere Dinge zu beachten.

Sitzordnung

Bevor es ans Essen geht, werden alle Gäste sowie Gastgeber nach einer bestimmten Sitzordnung auf ihre Plätze verteilt. Die wichtigste Position ist dabei der sogenannte „Tyor“, Das ist der am weitesten von der Tür entfernte der Platz am Kopfende des Dastarkon. Dieser Platz ist stets der „ehrenwertesten“ Person am Tisch vorbehalten. In der Regel ist das der Gast, zu dessen Ehren das Essen veranstaltet wird. Anderenfalls wird die älteste oder eine andere Respektsperson aus der Familie dorthin platziert. Absteigend in Richtung Eingangstür reihen sich die anderen Gäste auf bis üblicherweise die Gastgeber selbst und deren Kinder, die für das Bewirten der Gäste und restlichen Familienmitglieder zuständig sind, am Tischende in unmittelbarer Nähe der Tür sitzen.

Dastarkon und Brot

Das Wort „Tisch“ darf in diesem Kontext allerdings nicht immer wörtlich genommen werden. Im ganzen Land und besonders in ländlichen Regionen findet man anstelle eines Tisches häufig den sogenannten „Dastorkon“ vor, eine Tischdecke, welche auf dem Boden ausgebreitet wird und auf dem alle Speisen und Getränke verteilt werden. Der Dastorkon ist in Kirgistan „heilig“, daher sollte man niemals darauf treten oder darüber hinweg steigen. Ebenfalls sehr verpönt ist es, seine Fußsohlen in die Richtung des Dastorkons oder anderer Personen zu richten. Füße und besonders die Sohlen gelten als unrein und müssen stets nach hinten oder zur Seite weggedreht werden.

Wenn dann das Essen serviert wird, probiert man zuerst vom Brot. Brot ist wichtigstes Nahrungsmittel und gilt als heilig. Egal welche Köstlichkeiten aufgeboten werden, es wird stets Brot dazu gereicht. Üblicherweise werden die runden Fladen in kleinere Stücke geteilt und über den gesamten Dastorkon verteilt, sodass jeder an ein Stück kommt. Brot sollte zudem nicht verkehrt herum hingelegt werden. Auf dem Boden hat Brot selbst in Verpackung nichts verloren. Fällt einmal ein Stück neben den Dastorkon, so wird dieses sofort aufgesammelt und sozusagen als Entschuldigung an die Stirn geführt. Reste werden nicht weggeschmissen, sondern entweder noch zur Mahlzeit verzehrt oder an Tiere verfüttert.

Darf’s noch ein bisschen mehr sein?

Als Gast wird man permanent dazu aufgefordert möglichst viel zu essen und von allem zu probieren. Gästen wird immer und immer wieder nachgelegt. Es ist eine kleine Herausforderung, dem Gastgeber klarzumachen, dass man satt ist. Das signalisiert man am einfachsten, indem man einen Rest auf dem Teller lässt. Mit einem entschuldigenden Lächeln kann man dann weiteres Nachlegen ablehnen.

Und wenn es nicht schmeckt?

Auch wenn einige lokale Spezialitäten nicht so einladend erscheinen mögen oder man diese als Vegetarierin oder Vegetarier nicht essen möchte, wird es als äußerst unfreundlich wahrgenommen Essen abzulehnen. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Ablehnen von Alkohol. Wenn man bestimmte Speisen partout nicht verzehren möchte oder kann, sollte man noch vor Beginn des Essens auf eine Lebensmittelunverträglichkeit verweisen. Das hilft die Gastgeber nicht zu düpieren und beugt peinlichen Situationen vor.

Es ist wohl selbstverständlich sich so unter Kontrolle zu halten, dass man auch angesichts „seltsamer“ Speisen oder Gerüche nicht etwa angewidert das Gesicht verzieht, sondern Essen dankend annimmt und notfalls einfach auf dem eigenen Teller stehen lässt, während man etwas anderes isst. Häufig bekommt ein Gast besonders „angesehene“ Stücke, wie etwa den Kopf oder die Innereien eines Schafes, angeboten und auf den Teller gelegt. Auch hier gilt es, die Stücke dankend anzunehmen und sich vielleicht sogar zu revanchieren.

Löffel, Gabel und Hand: Das Essbesteck

Als Tourist bekommt man auf seiner Kirgistan Reise üblicherweise Essbesteck bereitgestellt. Allerdings kann es auch sein, dass man wie die Kirgisen selbst mit den Händen essen soll. Dabei ist darauf zu achten immer nur mit der rechten Hand zu essen. Die linke gilt als unrein, weil diese beim Toilettengang zur Reinigung  verwendet wird. Selbstverständlich wäscht man sich daher vor dem Essen nochmals die Hände mit Seife. Jedenfalls darf die Linke nicht dazu benutzt werden, um Essen zum Mund zu führen.

Tee

Stets präsent ist auch Tee, meistens Schwarz-, oft auch Grüntee. Hier gilt dasselbe wie beim Essen. Wenn man eine Tasse Tee angeboten bekommt, sollte man sie auf jeden Fall annehmen und zumindest vom Tee probieren. Die Tasse ist meist halbvoll und wird stetig wieder aufgefüllt. Wenn man keinen Tee mehr möchte, gilt wieder: einfach einen Rest in der Tasse belassen. Dann kann man freundlich darauf verweisen, dass man ja noch nicht ausgetrunken habe.

Nach dem Essen

Sobald alle annähernd satt sind, kommt die Zeit der Trinksprüche. In Kirgistan ist es üblich, dass mit Gästen gemeinsam angestoßen wird und dabei jeder einen Spruch oder eine kleine Rede zum Besten gibt. Als Gast sollte man sich deswegen zeitig ein paar Sätze überlegen und vor allem auch das gute und reichliche Mahl loben. Getrunken wird typischerweise Hochprozentiges, meistens Vodka. Da auch hier immer wieder mehr angeboten wird, kann es schwierig sein das nächste Glas abzulehnen. Trinkfest zu sein ist sehr erstrebenswert. Wenn ein Gast beim besten Willen nicht weiter trinken möchte, muss er oder sie mehr als einmal freundlich ablehnen, bevor dies akzeptiert wird.

Kirgistan Reise: weitere Dos und Dont’s

Naseputzen und Mit-dem-Finger-zeigen

Ganz furchtbar unhöflich ist es, sich die Nase zu putzen oder mit dem Finger auf andere Personen zu zeigen. Naseputzen erledigt man an einem einsamen Ort und möglichst ungehört. Besonders während Mahlzeiten verlässt man am besten kurz den Tisch. Anstatt mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, kann man – wenn man den Namen der Person nicht kennt – mit Kopf in die gewünschte Richtung deuten.

Gesprächsthemen

Manchmal erkundigen sich Kirgisen nach Aspekten des eigenen Lebens, deren Ansprache im europäischen Raum eher als Tabu gilt. Dazu gehören Fragen zum Beziehungsstatus, zu den eigenen Kindern, dem Einkommen oder auch dem Alter. Dies spiegelt in Kirgistan schlicht das Interesse am Gast wider und gilt keineswegs als anstößig. Wenn Fragen unangenehm sind, einfach höflich darauf verweisen, dass man lieber über etwas anderes reden würde oder das Thema wechseln.

Fotografieren

Wenn man Fotos von seinen Gastgebern und der Familie machen möchte, gilt, was man überall sonst auf seiner Kirgistan Reise auch beachten sollte, wenn man Menschen fotografiert: Man fragt vorher nach, ob es in Ordnung ist, Fotos zu machen und fotografiert ausschließlich dann, wenn die Menschen damit einverstanden sind. Bieten Sie auch gerne an die gemachten Fotos mit allen zu teilen, ob digital oder auch physisch durch Zusenden von Abzügen. Üblicherweise sind Menschen in Kirgistan nicht kamerascheu und freuen sich, wenn man Fotos von ihnen machen möchte.

Weitere Informationen
Bei Fragen zu Kirgistan und einer Kirgistan Reise treten Sie gerne mit uns per E-Mail (info@nomad-reisen.de) oder per Telefon (0221 669625-0) in Kontakt.

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Autor: Jennifer Daxböck