Das Leben in Deutschland sowie in vielen Ländern Europas kehrt immer zügiger zur Normalität zurück. Dennoch gibt es Routinen, die ich auch über Corona hinaus behalten möchte. Dazu gehört das Lesen. Zu oft ging dies im Stress in der Vergangenheit unter. Durch Corona und die Beschränkungen habe ich die Liebe zum Lesen wieder entdeckt, zumal es auch eine Möglichkeit ist in die Ferne zu reisen. Nachfolgend zu den Lesetipps meiner KollegInnen zu Pity the Nation und Oman – Wunderland der Geologie nehme ich Sie heute mit auf die Reise von Andreas Pröve quer durch Syrien, Jordanien und Persien. 

Das Buch aus dem Jahr 2006 berichtet von der Reise mit dem Handbike durch die syrische Wüste, die spektakulären Schluchten des Wadi Rum und den Großstadtverkehr in Damaskus. Andreas Pröve, der Autor des Buches, gab seinen Wunsch von großen Abenteuern auch nach seiner Querschnittlähmung nicht auf. So berichtet er authentisch von seinen herzlichen Begegnungen und Erlebnissen mit der Bevölkerung. Das Buch handelt von der faszinierenden Gastfreundschaft und Lebensweise der Menschen auf der Arabischen Halbinsel.

Verbindest du eine Geschichte mit dem Buch?

Das Buch fiel mir zum ersten Mal vor zweieinhalb Jahren in die Hand. Damals machte ich mein Praktikum bei nomad Reisen in Gerolstein und wusste noch wenig über die arabische Welt. Doch schnell verschlang ich die vielen Bücher aus der nomad Bibliothek und las Geschichten aus unseren Reiseländern. Von T.E. Lawrence bis Marguerite van Geldermalsen gab es so einiges zu erlesen.

So kam ich auch zum ersten Mal zu diesem Buch. Inspiriert hat es mich gerade wegen der beschriebenen Gastfreundschaft und der außergewöhnlichen Reiseart. Es zeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man es möchte und gibt Einblicke in mir damals noch fremde Welten. Das Lesen der Werke über die arabische Gastfreundschaft und die beeindruckenden Landschaften machte mir schnell klar – da möchte ich auch einmal hin verreisen.

Ein halbes Jahr später war es dann auch soweit und ich war auf dem Weg nach Jordanien. Ich wollte sehen ob die sagenumwobene Gastfreundschaft tatsächlich anzutreffen ist, wollte Petra mit eigenen Augen sehen und die Weite des Wadi Rum spüren. Und ich sollte nicht enttäuscht werden! Ich selbst war einen Teil der Reise wandernd unterwegs. So kam ich der lokalen Bevölkerung besonders nahe, denn jeder war sehr verwundert was man denn zu Fuß hier mache. Oft musste ich dann an die Erlebnisse und Begegnungen von Andreas Pröve zurückdenken.

Im Wadi Rum mit Guide Ibrahim

Was ist deine Lieblingsstelle in dem Buch?

Es war schwierig hier eine passende Antwort zu finden, denn zu viele Stellen wären es wert erwähnt zu werden. Entschieden habe ich mich für die Stelle, wo Pröve in einem kleinen Cafe mitten im Nirgendwo landet. Er beschreibt die Verwunderung der Gastgeber über seine Art des Reisens, die Räumlichkeiten des Cafes, welches eigentlich das Wohnhaus ist, die Kommunikation trotz Sprachbarriere und die Verköstigung. Er schreibt von Unterhaltungen mit Händen und Füßen, von einem redlichen Festmahl, das für ihn hervorgezaubert wurde und der Beharrlichkeit bei der Familie zu übernachten. Er schließt das Kapitel mit „Überwältigt von der Herzlichkeit, der großen Gastfreundschaft, der Selbstverständlichkeit, mit der diese Menschen uns aufgenommen haben, ohne selbst etwas zu erwarten, liegen wir noch lange wach und hängen erfüllt unseren Gedanken nach.“

Nun da ich das Buch bereits ein zweites Mal gelesen habe, fühle ich mich zurück versetzt nach Jordanien auf meine Wanderung. Ich war bereits drei Tage unterwegs gewesen im Norden des Landes. Fast täglich kam ich durch kleine Orte und konnte dort Lebensmittel und Wasser aufstocken. Doch an diesem Tag war es ganz ruhig im Ort, es war Freitag und alle waren in der Moschee. So nahm ich erschöpft auf der Türschwelle eines kleinen Lebensmittelgeschäftes Platz. Kurz darauf traten auch schon zwei Frauen aus der Tür und waren verwundert über die Fremde vor dem Eingang. Schnell wurde ich hineingebeten. Dies nahm ich erfreut an, die Mittagssonne brannte derweil weiter herunter. Mir wurde Wasser gereicht und die jüngeren Familienangehörigen wurden in die Küche geschickt – abweisen konnte man diese Gastfreundschaft nicht. Später kamen immer mehr Familienmitglieder hinzu. Alle waren gespannt zu erfahren woher ich kam und was ich hier machte. Auch wenn die Gespräche manchmal in Sackgassen endeten, war die Unterhaltung mit Händen und Füßen sehr witzig. Es wurden Bilder auf Handys herumgereicht, gegessen und Tee getrunken. Auch ich war überwältigt und muss immer wieder mit einem Lächeln an diesen Abend zurückdenken.

Hat das Buch dich beeinflusst?

Die einfache Antwort auf diese Frage ist schlichtweg JA. Das Buch erzählt zwar nicht nur von der Gastfreundschaft, doch ist dies, was so sehr bei mir hängen geblieben ist und was diese Sehnsucht selbst in die Länder zu reisen ausgelöst hat. Für mich ist es ein Trotzen gegen sich beharrlich haltende Vorurteile von einer gefährlichen arabischen Welt. Die Frage nach der Sicherheit in Jordanien, Iran oder auch anderen unserer Destinationen tauchen immer wieder in Gesprächen mit Reisenden auf. Und jedes Mal bin ich traurig, dass die Kriege in der Region und die politischen Schwierigkeiten solch eine Wirkung haben.

Ich bin selbst in einigen unserer Destinationen unterwegs gewesen und kann daher beruhigt sagen, dass es sicher ist dorthin zu reisen. Ich möchte hier auch besonders Jordanien hervorheben, in Syrien und Iran war ich bislang noch nicht. Ich habe mich in kaum einem anderen Land sicherer und willkommener gefühlt als in Jordanien. Die beschriebene Szene oben ist nur eines von vielen Beispielen der Gastfreundschaft, die ich erleben durfte. Fast täglich wurde ich zum Tee eingeladen, mir wurde frische Milch von umherziehenden Bauern angeboten, ich bekam frisch gepflücktes Obst mit auf meine Wanderung und all dies ohne die Erwartung einer Gegenleistung. Auch als Frau fühlte ich mich nie unsicher. Für mich ist dieses Buch daher ein guter Einstieg um gegen die harten Vorurteile anzutreten.

Unterwegs auf dem Jordan Trail

Weitere Informationen
Bei Interesse an einer Jordanien Reise oder Fragen zum Buch oder unseren Reiseländern generell freue ich mich auf eine E-Mail an j.daxboeck@nomad-reisen.de oder einem Anruf unter 0221 6696250.
Autor: Jennifer Daxböck