Melanie und Georg, die für uns unsere Reiseländer auf Videos und Fotos festhalten, waren dieses Jahr das erste Mal in ihrem Leben in Zentralasien. In dem Reisebericht Kirgistan erzählen sie von ihren Erlebnissen

Den ersten Teil des Reiseberichts finden Sie hier: Reisebericht Kirgistan – Teil 1. 

In diesem Artikel lesen Sie über den zweiten Teil der Reise und das Fazit der beiden.

Tag 4: Tagesziel ist der Son-Kul-See

Der Son-Kul-See ist ein Gebirgssee auf 3016 Meter über dem Meeresspiegel. Im Sommer werden die Wiesen um den See von tausenden Schafen und Pferden beweidet. Die Menschen machen in den Sommermonaten mit ihren Jurten Urlaub hier. Auf dem Weg zum Gebirgssee haben wir die schönsten Kulissen gesehen.

Oben angekommen, dürfen wir eine Halbnomaden-Familie kennenlernen. Sie verbringen hier jeden Sommer 3-4 Monate in ihren Jurten. Wie eben erwähnt, kann man in den Sommermonaten sehr viele Tiere und Halbnomaden hier am Son-Kul-See antreffen. Jetzt ist der Sommer allerdings zu Ende und die Familie ist die letzte vor Ort. Auch sie sind dabei ihre Sachen zu packen und runter ins Dorf zu fahren. Ihre Tiere sind schon unten.

Wir treffen die Besitzerin der Jurte, Burul. Sie ist mittlerweile stolze Oma und erzählt uns einiges aus ihrem Leben. Während der Sowjetzeit durften die Kirgisen ihre Nomadenkultur nicht mehr ausleben. Nachdem Kirgistan die Unabhängigkeit erlangt hat, haben immer mehr Menschen wieder mit der Nomadenkultur angefangen. Mittlerweile sind daher sehr viele in Kirgistan Halbnomaden. Im Juli, also in den Sommerferien, fahren Sie hoch in die Berge und verbringen dort in ihren Jurten ihren Urlaub. Burul und ihr Mann haben sich diesen Traum gemeinsam erfüllt. Jurten sind nämlich nicht billig. Buchul erklärt uns außerdem, dass ihre Kinder ihr eigenes Ding machen. Sie studieren. Außer ihr jüngster Sohn, der ist bei ihr geblieben, so ist es üblich in Kirgistan.

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Auch das Halbnomaden-Dasein ist selbstverständlich ein autarkes Leben. Die Kirgisen packen nicht nur Sack und Pack auf ihr Auto, sondern nehmen auch ihre ganzen Tiere mit. Hühner und Hunde können mit in den LKW, aber Pferde, Schafe und Kühe müssen hoch- und auch wieder runtergetrieben werden. Und genau das haben wir auf unserem Rückweg zufälligerweise live miterlebt!

Ein ca. 12 Jahre alter Junge hat eine große Pferdeherde runtergetrieben. Es war großes Glück, dass wir das erlebt haben, weil ja der Sommer eigentlich schon länger vorbei ist. In Kirgistan funktioniert das mit den Tieren so: Wie bereits erwähnt, fast alle Menschen hier haben Ihr eigenes Vieh. Natürlich können nicht alle ihre Tiere selbst hoch- und runtertreiben. Sie können ihr Vieh auch nicht alle selbst halten. Viele wohnen ja in der Stadt. Deswegen übernehmen die Landwirte und einige ländliche Halbnomaden-Familien diese „Hirtenrolle“ für andere. Die Tiere bleiben dann als große Herde immer zusammen. Bei dieser Pferdeherde zum Beispiel, haben fast alle Pferde unterschiedliche Besitzer. Und die „Hirten“ kümmern sich um sie und können die Tiere, dank ihrer speziell ausgebildeten Leittiere, sicher halten und treiben.

Schlussendlich haben wir dann auch noch das Glück, Kamele zu sehen. Erst die Pferde, dann die Kamele, für mich als Tierliebhaberin ist das ein absoluter Traumtag!

Tag 5: Rückfahrt nach Bischkek

Unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Auf unserer Rückfahrt treffen wir noch die Omis, so nennt man in Kirgistan alle alten Damen. Sie erzählen uns ihre beeindruckende Lebensgeschichte. Sie haben sich selbst eine Teppichproduktion aufgebaut. Alles handgemacht, handgefilzt. Auch wir dürfen bei der Produktion helfen und ich frage mich die ganze Zeit, wie die Omis diese harte Arbeit in ihrem hohen Alter noch verrichten können. Aber sie sagen, dass die Arbeit sie fit hält und dass sie sie lieben. Anschließend besuchen wir die Seidenstraße.

Auf dem ganzen Rückweg werden wir mal wieder von spannenden Landschaften begleitet.

Wie Sie wahrscheinlich gemerkt haben, liegt der Fokus dieser Reise auf den Menschen, die in den ländlichen Regionen wohnen. Daher habe ich den letzten Tag, den wir in der Hauptstadt Bischkek verbracht haben, nicht dokumentiert.

Mit an der Reise beteiligt war die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die den Agrotourismus in Kirgistan fördert.
Mit anderen Worten, hier wird nachhaltiger Tourismus gefördert.
Wir haben auf der ganzen Reise immer bei Gastfamilien oder in Familienhotels geschlafen.

Für die meisten dieser Familien ist der Tourismus ein Nebeneinkommen. Sie sind nicht zwingend darauf angewiesen, aber natürlich erleichtert es vielen das Leben.

Wir durften jeden Tag neue inspirierende Menschen kennenlernen. Dank unseren Guides konnten wir uns mit allen ausgiebig verständigen. Wir haben ihre Lebensgeschichten erfahren dürfen, ihre Familien kennengelernt und wurden von allen immer herzlich empfangen.

Diese Reise ist wirklich einmalig, da man einfach die Chance hat, Land und Leute auf eine ganz besondere Art und Weise kennenzulernen. Auch unsere Guides waren sehr kompetent, sympathisch und haben uns sehr viel Wissen über das Land und ihre Kultur mitgegeben. Einschließlich in die Politik. Die Kirgisen sind ein sehr freiheitsliebendes Volk und für diese Freiheit kämpfen sie. Das haben sie in den letzten Jahren eindeutig bewiesen. Das ist aber wieder ein anderes Thema. 

Mein Fazit zu Kirgistan:

Kirgistan ist wirklich ein faszinierendes Land. Die Menschen hier sind ganz besonders. Sie strahlen innere Zufriedenheit aus, sind sehr interessiert, offen, unkompliziert und überdurchschnittlich herzlich. Die meisten leben ein einfaches Leben und sind autark. Fast jeder besitzt seine eigenen Tiere und ein Stückchen Land. Auf traditionelle Kultur wird viel Wert gelegt und die Familie ist heilig.

Kirgistan ist von landschaftlicher Schönheit geprägt. Die Natur ist so vielseitig, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Der Issyk-Kul-See, um den wir die meiste Zeit gefahren sind, ist der zweitgrößte Gebirgssee der Welt. Er sieht aus wie ein Meer und macht die Landschaft um so schöner.
Weite Landschaften, Berge, Seen, die verschiedensten Tiere, Nomadenleben, herzliche Menschen, eine interessante Vergangenheit… Kirgistan hat einiges zu bieten. Es bleibt immer spannend.

Während wir durch Kirgistan gefahren sind, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl von Freiheit. Vielleicht waren es die freilaufenden Tiere überall, oder die Weite, oder die Menschen. Ich weiß es nicht genau, aber das habe ich so noch nie erlebt. Ich bin sehr dankbar, dass wir die Chance hatten, dieses schöne Land auf so eine besondere Art und Weise zu erleben.

Und ich kann Euch diese Reise nur wärmstens empfehlen!
Uns hat Kirgistan jedenfalls mehr als überzeugt. Jetzt wollen wir mehr von Zentralasien sehen. Und ich bin sicher, dass ich Kirgistan bald wieder besuchen werde.

Nochmal ein großes Dankeschön an nomad Reisen und ihre Partner für diese tolle Erfahrung!

Die Autorin Melanie genießt das freie Leben in Kirgistan.

 

 

Kirgistan Reisen
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Autor: Gastautor_in