Jens Köhler und Michael Luhn, zwei begeisterte Hobby-Ornithologen, reisten im Dezember 2017 in einem unserer Dachzelte, um die Vögel in Oman zu beobachten. In ihrem Reisebericht erzählen sie unterhaltsam und informativ von ihren Erlebnissen und der vielfältigen Vogelwelt, die sie kennen gelernt haben. Einen ersten Einblick in die Erlebnisse finden Sie unten stehend, den Download-Link zum ausführlichen Reisebericht über Vögel in Oman finden Sie am Ende des Artikels. 

Die Schweiz der arabischen Welt, wie der Oman auch genannt wird, ist ein super Reiseland mit durchweg sehr freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Wir haben uns in den 17 Tagen an keiner Stelle des Landes unwohl oder unsicher gefühlt. Die Infrastruktur ist unglaublich gut ausgebaut, unterliegt aber ständiger Veränderung und Erneuerung. Hier sind aktuelle Karten ein Muss, auch wenn selbst diese nicht überall geholfen haben, da auch schon veraltet. Selbst Nebenstrecken oder Schotterpisten werden regelmäßig abgeschoben und sind gut befahrbar. Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut und man muss nie befürchten, aus Spritmangel liegen zu bleiben. Aber gerade in der Wüste solle man die Gelegenheiten zum Tanken nutzen, denn die Autos, zumindest unser Jeep, war ein kleiner Spritfresser. Große Einkaufsmärkte gibt es nur in Maskat, Nizwa oder Salalah. Hier findet man alles was das Herz begehrt. Außerhalb der Großstädte muss man aber auch nicht hungern. An den Tankstellen kann man fast überall seine Vorräte auffüllen, auch wenn es an Brot immer mal mangelt. Es gibt viel Süßkram, Kekse und Kuchen. Die kulinarischen Erwartungen sollten deswegen auf so einer Reise nicht zu hoch sein. Aber ein Campingurlaub ist ja nun auch kein 5-Sterne-Urlaub. Im Anschluss an die Tankstellen findet man oft kleine Bistros oder Imbisse, in denen man (meistens indisch) gut essen kann.

Copyright: Jens Köhler

Der Oman hält für Ornithologen und Vogelbeobachter eine Fülle an Arten und Beobachtungsorten parat.
Mit etwa 80 Arten ist der Brutvogelbestand zwar sehr übersichtlich. Da sich aber im Land zu den Zugzeiten Vögel aus Asien und Europa konzentrieren und entweder dort überwintern, oder weiter in Richtung Afrika fliegen, ist in diesen Zeiträumen mit einer großen Vielfalt zu rechnen. Zusätzlich hat der Oman im Norden indischen und im Süden afrikanischen Einfluss und lässt die Artenliste um weitere Perlen der Vogelwelt anwachsen. Laut der Checkliste von Avibase sind im Oman 534 Vogelarten nachgewiesen.

Unsere Reise führte uns in der temperaturmäßig angenehmsten Zeit über 4000 Kilometer einmal durch das ganze Land. Da wir aber kein „Hotelhopping“ machen und zeitlich ungebunden sein wollten, haben wir uns über das Reisebüro „nomad“ und ihre Partner im Oman einen Jeep mit Dachzelt gebucht. Super ausgerüstet mit „Einbauküche“ und allem was zu einem Campingurlaub gehört sind wir am 18.12.2017 in Maskat gestartet. Bevor wir unsere Fahrt der Küstenlinie folgend nach Süden antraten, besuchten wir die Kläranlage von Maskat, „Haya Water“, die als Einstieg ein Besuch auf alle Fälle wert ist (Manyaweber, Langschnabelpieper, …). Bis zum Erreichen der Dhofar-Region und seiner Haupststadt Salalah am 24.12.2018 haben wir Station in Yiti, Sur, Bar al Hikman, Khawr Dhurf, Khawr Gawi und dem Wadi Ash Shuwaymiyyah gemacht.

Nicht nur für Ornithologen traumhafte Orte mit vielen bekannten, aber auch einer ganzen Reihe von neuen Arten (Steinschmätzerarten, Wellenflughuhn, Arabisches Steinhuhn, Isabellwürger, Steppenraubwürger, Kaffernadler, Reiherläufer, Terekwasserläufer…). Im Großraum Salalah hielten wir uns gute 2 Tage auf und besuchten das Sinkhole Tawi Atair, schliefen am Viewpiont Jabel Samhan, schauten uns das Wadi Darbat und dessem Mündung in den Indischen Ozean, das Khwar Rawri an (Fleckenuhu, Arabische Zwergohreule, Waaliataube, Wasserfasan, Koromandelzwergente …). Leider fanden wir die uns empfohlene Mülldeponie und die Wasseraufbereitungsanlage im Industriegebiet westlich von Salalah nicht, da das Gebiet sehr unübersichtlich und schlecht zu befahren ist. Hier wären genaue Koordinaten hilfreich gewesen.

Am 27.12. machten wir uns auf die lange Rückreise in Richtung Maskat. Aber nicht wieder an der Küste entlang, sondern durch die Wüste. Am Wadi in Ayn Sahnawt wurden wir beim Frühstück misstrauisch von einem Senegal-Tschagra beäugt. Die Wüste hält trotz der Weite auch ein paar Beobachtungsziele für Vögel in Oman parat. So haben wir eine der Landwirtschaftsgebiete etwa 75 Kilometer nördlich von Thumrait angeschaut. An der Al Balid Farm konnten wir eine Reihe von Kleinvögeln beobachten (Weißstirnlerche, Wüstenläuferlerche). An der Oase Muntasar haben wir zwar die erhofften Flughühner und den Seidenwürger nicht angetroffen. Trotzdem ist es ein malerischer und fast märchenhafter Ort, den man auf dieser Strecke ansteuern sollte. Pünktlich zum Markttag in Nizwa, man beachte, dass die hiesigen Wochenenden auf Donnerstag und Freitag fallen, konnten wir den Trubel und die Geschäftigkeit der Händler erleben. Nachdem wir die große Runde mit der Ankunft in Maskat geschlossen hatten, statteten wir Omans Norden noch einen Besuch ab. Dazu gehörten Abstecher in Ras al Sawadi, Sohar, Liwa und Shinas (Stentorrohrsänger). Die in der Literatur angepriesenen Sun-Farms in Sohar sind bei goolge noch erkennbar, aber seit einigen Jahren aufgegeben. An deren Stelle steht jetzt die beeindruckende Sultan Qaboos Moschee, die man sich angucken sollte. Auf den sehr gepflegten Grünflächen tummeln sich auch diverse Vögel (Bergpieper).

Copyright: Jens Köhler

Am letzten Tag unserer Reise fuhren wir in das Omangebirge und besuchten das weitläufige Tal bei Ghubrah (Eichenlaubsänger, Ohrengeier, …). Da die eigentliche Zugzeit der Vögel um die Jahreswende ja schon vorbei ist, waren Kleinvögel nicht häufig. Wenn man aber Büsche und Bäume genauer anschaut, sind immer welche zu finden. Auch auf den Passagen zwischen unseren Schlafplätzen, täglich sind wir ca. 250 Kilometer gefahren, sollte man auf aufliegende Kleinvögel am Straßenrand achten. Nicht alle sind „nur“ Wüstensteinschmätzer. An der Küste ist eigentlich so ziemlich alles, was ans Wasser gebunden ist, zu beobachten. Bar al Hikman ist für Limikolenfreunde ein Muss! Das Stück, was wir uns angesehen haben bevölkerten geschätzte 10.000 Vögel. Und es gab Limikolen soweit das Spektiv sehen kann. Allerdings muss man ein bisschen auf die Tageszeit achten, denn da das Land eine Nordost-Südwestausrichtung hat, kommt das Licht gerade an der Küste meistens von vorn. Greifvögel sind mit ein bisschen Glück im ganzen Land zu sehen. Allerdings sind stadtenahe Beobachtungen sehr viel häufiger. In Salalah zu unserer Zeit wesentlich häufiger als im Großraum Maskat.

Auf unserer Reise haben wir insgesamt 180 Arten beobachten und viele davon auch gut fotografieren können. Die Fluchtdistanzen sind teilweise sehr gering.
Es waren traumhaft schöne 17 Tage in ungewohnten aber sehr reizvollen Landschaften. In dieser Zeit haben wir einen guten Querschnitt des Landes gesehen, sind mit vielen netten Menschen in Kontakt gekommen und haben eine Menge erlebt. Es wird bestimmt nicht die letzte Reise in den Oman gewesen sein, denn es gibt trotz unserer „Hardcore-Tour“ noch viele lohnenswerte Ziele, bei denen man Vögel in Oman beobachten kann.

Viel Spaß beim Lesen: Tagebuch der Omanreise von Jens Köhler 

und Artenliste Oman Jens Köhler

Autor: Natalie Szydlik