Im dritten Teil ihres spannenden Reiseberichts erzählt Ute von ihrem Aufenthalt in der Wüste Wahiba

Autofahrt in die Wahiba Wüste
Eine lange Autofahrt führt uns von Nizwa an die Wahiba Wüste. Im letzten Ort vor den Sanddünen, die hier schon teilweise bis zur Straße wehen, steigen wir um. Ein Omani und seine Frau haben uns mit ihrem Offroader schon erwartet, und wir schaukeln raus in die weite, rötliche Welt aus Sand. Es geht vorbei an Kamelen, die Dünen reichen irgendwann bis zum Horizont – egal, wohin man blickt. Der Jeep kämpft sich die Dünen hoch und runter, hoch und runter, bis wir einige quadratische Zelte und Hütten sehen: das Safari Desert Camp.Oman Linsbauer 3-1

Die Belegschaft empfängt uns stilvoll mit omanischem Kaffee und Datteln und führt uns dann zu unserem Zelt. Wir staunen – das Zelt besteht ganz aus groben, schön gewebten Tüchern mit eingewebtem Muster in schwarz und rot. Im Innenraum stehen zwei schwarzgestrichene, mit Silbernägeln beschlagene Holzbetten, es gibt jede Menge Sitzkissen, eine Frisierkommode (!) und einige liebevolle Details, wie eine kleine Kiste, in der unser Sohn gleich einen Piratenschatz wähnt – kurzum: Es ist wahnsinnig schön.Oman Linsbauer 3-2Vor dem Abendessen fährt uns der Fahrer noch auf eine hohe Düne. Dort verzaubert uns der Sonnenuntergang, hinter einer Welt voll feinstem goldenen Sand. Die sanften Hügel, die in der sinkenden Sonne langsam ihre Farbe wechseln, diese Lichteinfälle… Wir könnten stundenlang hier sitzen und einfach den Sand durch die Finger rieseln lassen.
Ein herrlicher Ort zum Meditieren, aber genauso perfekt zum Herumtollen, sich die Dünenrunterzukugeln und was einem sonst spontan in den Sinn kommt. Sind wir eigentlich auf derselben Erde, auf der es auch Städte, Wälder und Meere gibt? Gibt es tatsächlich irgendwo etwas wie Stress, Enge, Hektik? Später sitzen wir im Schein des Lagerfeuers und einiger Petroleumlampen auf Bodenkissen beim Abendessen. Die Kissen, der Baldachin, der Wandschutz, alles ist aus dem gleichen schwarz-roten Stoff der Wüste gewebt. Grillen zirpen, das Feuer prasselt, es duftet nach Weihrauch, Kardamom und Pfefferminze. Wir genießen das leckere Essen und setzen uns anschließend mit dem Tee ans Feuer. Meinem Sohn male ich das Sternbild Orion ins Tagebuch und zeige es ihm am Himmel. So deutlich wie hier werden wir den Himmelskämpfer wohl nicht so bald wiedersehen.

Wahiba Tag 2 – Allein in der Wüste
Am Morgen stellen wir fest, dass alle anderen Gäste nach dem Frühstück bereits abreisen. Dass wir selber noch einen zweiten Tag bleiben wollen, überrascht und freut die Belegschaft des Camps, die sonst nur Gäste mit weniger Zeit und Muse kennenlernen. Als sich das Personal zurückgezogen hat, fühlen wir uns wie alleine in der weiten Wüste. Es ist ein Tag wie im Italo-Western: Hitze, Stille. Stille, Hitze. Träge liegen wir herum, spielen Karten, lesen, dösen und patschen ab und zu eine Fliege aus dem Gesicht. Wir sind so weit weg von der reizüberfluteten Gesellschaft. Am Nachmittag spaziere ich mit meinem Sohn zum einem nahe gelegenen Beduinenzelt. Drei junge Frauen begrüßen uns begeistert und bitten uns in ihr Zelt. Neugierig treten wir ein. Eine der Drei stillt zwanglos ihr Baby an der Brust, eine andere spricht in gebrochenem Englisch mit mir und erklärt mir die Familienverhältnisse: Zwei der Drei sind Schwestern, die andere ist eine Kusine, die eigentlich in Dubai lebt. Mutter und Vater sind gerade unterwegs. Die Dritte kramt ein Päckchen Chips für meinen Sohn hervor und bringt ein großes Glas Kamelmilch für mich. Ups – die Milch ist geronnen und schmeckt bitter. Aber lächelnd zwinge ich wenigstens ein Viertel des Glases in mich hinein. Ich schaue mich um. Fünf Personen leben hier auf ca. 15 qm zusammen. Es gibt einen nach oben offenen Raum und ein kleineres, überdachtes Zimmer, in dem ich die Kochstelle vermute. Nebenan ist der Kamelpferch. Was für ein Leben! Wie anders als das, was ich kenne! Gegen Abend reiten wir drei auf zwei Kamelen auf die Dünen und in den Sonnenuntergang. Mein Sohn sitzt mit mir zusammen auf einem der Wüstenschiffe, die leicht und gemächlich schaukeln, nachdem wir das rodeoartige Aufsteigen überstanden haben. Die abendliche Stimmung ist wunderschön: Die sinkende Sonne schafft immer neue Schattierungen und Schattenwürfe im Sand. Hier und da liegen knochentrockene Holzstücke. Die breiten Hufe der Kamele sinken fast nicht ein in den Sand. Unsere langgezogenen Schatten wirken wie Gemälde von Dalí. Ein majestätischer Abschluss eines unvergesslichen Tages.Oman Linsbauer 3-5Fußmassage am Wadi Ben Khalid
Wir nehmen Abschied von der Wüste, was uns nicht leicht fällt. Aber neue Ziele erwarten uns: heute die Stadt Sur an der Küste – das pure Kontrastprogramm. Unterwegs machen wir einen Abstecher zu einem der bekanntesten Wadis im Oman: dem Wadi Ben Khalid. Das Flussbett führt ganzjährig Wasser, lesen wir, und schon als wir uns mit dem Auto nähern, gibt es mehr und mehr Dattelpalmen und andere Pflanzen. Nach zwei Tagen in der Sandwüste begrüßt uns das frische Grün schon am Autoabstellplatz. Wir gehen entlang eines fischreichen Bächleins und eines schmalen Kanals auf einem ausgebauten Weg. Die Szenerie wirkt anfangs etwas gekünstelt, als sich plötzlich vor uns eine grandiose Landschaft aufbaut: ein glasklarer, türkisfarbener See, umgeben von dunkelgrünen Dattelpalmen, hellbeigen, bizarren Steinformationen und im Hintergrund steilen Berghängen. Der Himmel hängt dunkelblau über dieser Szenerie. Auch wenn das abgedroschen klingt: Das ist wirklich paradiesisch!Oman Linsbauer 3-6Bald gesellt sich der 16-jährige Ahmed zu uns. Er will uns zu einer Höhle führen. Wir laufen also entlang des Wadis, das sich tief in die Steine und Felsen gegraben hat und eine surreale Landschaft bildet. Mehrere Natur-„Pools“ laden unterwegs zum Baden ein, der Weg ist spektakulär und auch für unseren 4-jährigen Kraxler zu schaffen. Ahmed kümmert sich liebevoll um ihn, hilft über Wasserstraßen und ist überhaupt ein höflicher, unaufdringlicher Kerl. Leider haben wir keine Taschenlampe für die Höhle dabei, so bleiben wir eben draußen in dieser herrlichen Landschaft. Ahmed bekommt einen kleinen Lohn für seine Begleitung, den er verlegen annimmt. Dann suchen wir uns eine geschützte Stelle zum Baden. Ein Vergnügen, dem sich vor allem die Männer hingeben können, denn an diesem öffentlichen Ort möchten wir Einheimische nicht durch zu viel weibliche Haut brüskieren. Ich strecke deshalb wenigstens die Füße ins Wasser, die sogleich von kleinen Fischen umringt werden. Sie saugen und knabbern an meinen Hautschüppchen, es kitzelt wunderbar und fühlt sich unbeschreiblich an. Erst vor kurzem habe ich gelesen, dass man in Asien in speziellen Wellnesstempeln die gleiche Leistung für viel Geld in Anspruch nehmen kann.Linsbauer 3-7Wir picknicken an der gleichen Stelle und machen uns anschließend erfrischt, sonnenmüde und fuß-schuppenfrei weiter auf den Weg zur Küste.

Not our Number one: Sur
Gegen Abend erreichen wir die Küstenstadt Sur. Hier brauchen wir eine Weile, um uns im Gewirr der Roundabouts zurecht zu finden. Die ausgedehnte Stadt scheint hauptsächlich aus Autowerkstätten und Beauty-Parlours zu bestehen. Warum ist das so? Kommen wohlhabende Muscater hier am Wochenende her und frönen ihren jeweiligen Hobbies? Endlich finden wir unser Hotel. Das Schöne daran: Es liegt direkt am Meer. Das weniger Schöne daran: fast alles andere. Das „Beach Hotel“ ist ein ziemlicher Klotz, der gerade renoviert wird. Das ist jetzt nicht sooo toll. Aber das Zimmer ist sauber und hat einen weiten Blick aufs Meer. Da wollen wir morgen hin.

Auch am nächsten Tag fällt es uns schwer, schöne Seiten an Sur zu entdecken: Der Strand ist vermüllt, der Weg durch das flache Wasser steinig und pieksig. Wir packen bald wieder zusammen und fahren mit dem Auto zu den Schiffswerften, die es hier seit langen Zeiten gibt. Hier strohmern wird am Strand um die trockenliegenden Schiffe – es ist gerade Ebbe – herum. Die Anker sind tangbehangen, Teile von alten Fischernetzen haben sich darin verfangen, schräg liegende Dhauws in allen erdenklichen Erhaltungszuständen. Es riecht nach Meer, Farbe und Fisch, von hinten hört man die Arbeiter hämmern. Die Szenerie hat einen äußerst pittoresken Charme, der uns drei wieder versöhnlicher stimmt. Nach einer Stunde meldet sich langsam der Hunger. Wir finden ein Restaurant, dessen Besitzer uns schon auf der Straße abfängt und uns in den „Family-Room“ umleitet – das passiert uns zum ersten Mal, seit wir im Oman sind. Family-Rooms sind vom eigentlichen Gastraum und Restaurantgeschehen abgetrennte Räume und nur für die Frauen bzw. Familien vorgesehen. Normalerweise benutzen sie nur die Einheimischen. Aber hier wird uns, kaum sitzen wir in einem ungemütlichen 5-qm-Verschlag, sogar der Zugang zum Gastraum abgeschlossen. Der Wirt hat uns nicht eines Blickes gewürdigt. Und deshalb setzen wir uns nicht, sondern verlassen diesen freudlosen Ort gleich wieder, erstmals von einem Menschen im Oman enttäuscht.Linsbauer 3-8Umso herzlicher ist der Kellner im nächsten Straßenrestaurant namens „Beach Bar Bistro“. Er legt Wert darauf, nichts mit dem nahezu gleich aussehenden Lokal gegenüber zu tun zu haben, das habe ja auch einen ganz anderen Namen, nämlich „Beach Bar Restaurant“. Das Essen schmeckt wie immer vorzüglich, worüber sich Kellner sich freut wie ein kleines Kind. Für unseren Jungen tischt er übrigens noch ein paar Extras gratis auf. Wir bleiben lange sitzen und genießen die Freundlichkeit der Leute und die frischen Lassi in allen Variationen. Dabei lernen wir ein paar Besonderheiten des omanischen Alltags kennen. Zum Beispiel das Prinzip „Drive-in“. Ein Autofahrer hält an der Straße auf Höhe des Lokals und hupt so lange so penetrant, bis der Kellner ans Auto schlendert (nicht rennt!). Dann gibt der Fahrer die Bestellung auf und braust davon. Nach ein paar Runden um den Block hält er mit laufendem Motor vor dem Lokal und hupt noch eine Weile in seinem klimatisierten Wagen vor sich hin, bis der Kellner mit dem bestellten Essen heranspaziert.

Möchten Sie auch die Abenteuer für Große und Kleine, die das Sultanat Oman bietet, erleben? Auf unserer Homepage finden Sie einige Angebote, gerne stellen wir Ihnen aber auch eine Reise ganz nach Ihren Wünschen zusammen.

 Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Ute Linsbauer (Text und Fotos).

Hier geht es zum zweiten Teil des Bericht Familienurlaub in Oman von Ute Linsbauer.

Autor: Eva Kuhl